Hättest Du gedacht, dass die Coronakrise auch Gutes mit sich bringt?

Frankfurt am Main - Die Coronakrise wird wirtschaftlich tiefe Spuren hinterlassen. Zur Eindämmung der Pandemie sind auch in Hessen tiefe Einschnitte nötig. Zudem stiegen die Infektionszahlen trotz Beschränkung des öffentlichen Lebens zuletzt weiter an. Doch die Krise hat auch positive Begleiteffekte. Ein Überblick:

Die Lufthansa parkt in der Coronavirus-Krise überflüssige Flugzeuge am Frankfurter Flughafen. 
Die Lufthansa parkt in der Coronavirus-Krise überflüssige Flugzeuge am Frankfurter Flughafen.  © DPA/Arne Dedert

SOLIDARITÄT

Überall im Land gibt es Ideen und Aktionen, um Geschäftsleute, die ihre Läden dicht machen mussten, zu unterstützen. Unter dem Motto "Marburg-Liebe" etwa können Bürger Hilfsgutscheine für Geschäftsinhaber oder Gastronomen der mittelhessischen Uni-Stadt kaufen. 

"So erhält der Ladeninhaber für jeden verkauften Gutschein sofort Geld, was jetzt während der Schließungen dringend benötigt wird - denn die Rechnungen müssen weiterhin bezahlt werden", teilt das dahinter stehende Stadtmarketing mit. Die Stadt Bad Nauheim hat spontan ein Internet-Portal mit Online-Shop-Funktion einrichten lassen, auf dem die Geschäftsleute ihre Produkte anbieten können. Auch hier ist der Name der Aktion Programm: "Bad Nauheim-Liebe".

FLUGLÄRM

Der Himmel über dem Rhein-Main-Gebiet ist normalerweise voll mit Flugzeugen. Wie an einer Perlenschnur gereiht sind die Maschinen im Landeanflug auf den größten deutschen Flughafen. Die Corona-Krise beschert vielen fluglärmgeplagten Menschen in der Region nun eine Erholungspause, der Flugplan wurde drastisch ausgedünnt. 

Der Betreiber Fraport rechnet damit, dass im gesamten April lediglich so viele Passagiere gezählt werden wie sonst an einem einzigen Spitzentag im Sommer. Die Schattenseite: Der Einbruch der Luftfahrtbranche könnte den Jobmotor Flughafen zum Stottern bringen, Zehntausende Fraport-Mitarbeiter sind schon in Kurzarbeit.

Von der Corona-Krise sind auch kleinere Flugplätze betroffen. Die Anlage auf der Wasserkuppe in der Rhön ist geschlossen. Der Schulungsbetrieb ausgesetzt, Kurzarbeit ist angesagt. Und auch erfahrene Flieger können dort nicht starten und landen. "Wir stellen keine Flugleitung und haben alles runtergefahren. Ich fliege derzeit auch privat nicht mehr - aus Solidarität", sagt Flugplatzleiter und Fluglehrer Harald Jörges. Ein Besuch auf der Wasserkuppe lohne sich für Gäste derzeit nur bedingt: "Es hat ja eh alles zu."

Experten rechnen mit weitaus weniger Luftverschmutzung

"Wir schaffen das!": Ein besseres Motto könnte es trotz der aktuellen Krise wohl kaum geben. 
"Wir schaffen das!": Ein besseres Motto könnte es trotz der aktuellen Krise wohl kaum geben.  © DPA/Arne Dedert

VERKEHR

Nachdem das soziale Leben in Hessen wegen der Corona-Pandemie stark eingeschränkt wurde, hat der Verkehr auf den Autobahnen im Land deutlich abgenommen. Das Straßen- und Verkehrsmanagement Hessen Mobil bezifferte den Rückgang je nach Autobahn auf 30 bis 50 Prozent. Am Sonntag (22. März) fuhren sogar rund 70 Prozent weniger Fahrzeuge als an einem Vergleichstag. Während der Autoverkehr deutlich sinkt, geht der Lastwagenverkehr hingegen nur maximal um zehn Prozent zurück.

LUFTVERSCHMUTZUNG

Angesichts der deutlichen Abnahme des Verkehrs rechnen Experten mit sinkenden Schadstoffwerten in der Luft. "Es kann sicher davon ausgegangen werden, dass sich die mit den Einschränkungen einhergehenden Emissionsminderungen, insbesondere des Straßenverkehrs, positiv auf die Schadstoffbelastung der Außenluft auswirken werden", sagt eine Sprecherin des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in Wiesbaden. 

Für eine genaue Bewertung der Situation sei es noch zu früh. Denn die Wetterlage hat sich vor einer Woche geändert - und das könne einen fast ebenso großen Einfluss auf die Konzentrationen der Schadstoffe haben.

SUPERMÄRKTE

Sie werden als "Helden des Alltags" bezeichnet: Einige Berufsgruppen sind durch die Corona-Krise plötzlich in den Vordergrund gerückt. Mitarbeiter in Supermärkten genießen sonst nicht so viel Anerkennung und Aufmerksamkeit. Einige fordern nun schon, dass es nicht beim Lob bleibt, sondern dass Kassier später auch auf dem Gehaltszettel das bekommen, was sie eigentlich verdienen.

Social-Media-Datenverkehr ist deutlich angestiegen

Streaming-Anbieter wie Netflix sind in der Coronakrise besonders gefragt (Symbolbild).
Streaming-Anbieter wie Netflix sind in der Coronakrise besonders gefragt (Symbolbild).  © Alexander Heinl/dpa

DIGITALISIERUNG

Der Internet-Knoten in Frankfurt ist so stark ausgelastet wie nie. Schon Mitte der Woche hatte sich der Datenverkehr von Videokonferenzen angesichts von Heimarbeit in der Corona-Krise verdoppelt. Der durchschnittliche Datenverkehr war um zehn Prozent gestiegen, wie die Betreiber des DE-CIX-Knotens berichteten. 

"Die Nutzer sind nun auch tagsüber häufiger und länger online, das merken wir stark", berichtete Technikchef Thomas King. Neben dem Anstieg beim Konferenz-Datenverkehr - wie beispielsweise über Skype oder Zoom - verdoppelte sich auch die Zahl der Nutzer von Online- und Cloud-Gaming-Plattformen. 

Der Social-Media-Datenverkehr sei ebenfalls deutlich gestiegen. Videostreaming-Anbieter hätten ihre Kapazitäten teilweise verdoppelt. An Internet-Knoten in Frankfurt werden die Daten zwischen den Netzen einzelner Diensteanbieter ausgetauscht. Der DE-CIX ist gemessen am Datenvolumen der weltgrößte Knotenpunkt.

BANKEN

Viele Büros am Finanzplatz Frankfurt bleiben derzeit leer. Etliche Mitarbeiter von Banken arbeiten zuhause, schon früh teilten Institute Teams auf, damit im Falle einer Corona-Infektion nicht ganze Abteilungen auf einmal ausfallen. Auch auf mögliche Kurzarbeit bereitet sich die Kreditwirtschaft vor. 

Noch ist das aber kein Thema: Banken und Sparkassen sind aktuell besonders gefragt - zum Beispiel, wenn es um die rasche Gewährung von Krediten aus dem Hilfsprogramm des Bundes geht.

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Titelfoto: DPA/Arne Dedert

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