Einsatz von Wasserwerfern, 365 Festnahmen: Polizei löst Corona-Demo in Berlin auf

Berlin - Mehrere Hundert Menschen haben schon vor Beginn der Bundestagssitzung zu weiteren Änderungen des Infektionsschutzgesetzes am Mittwoch im Berliner Regierungsviertel gegen die Corona-Einschränkungen demonstriert.

In Berlin demonstrieren am Mittwoch Hunderte Menschen gegen das Infektionsschutzgesetz.
In Berlin demonstrieren am Mittwoch Hunderte Menschen gegen das Infektionsschutzgesetz.  © dpa/Kay Nietfeld

Nach Angaben der Polizei versammelten sie sich am Morgen rund um das abgesperrte Reichstagsgebäude und den Platz der Republik davor.

Die Stimmung sei bislang ruhig, sagte ein Polizeisprecher.

Wie viele Demonstranten erwartet werden, ist unklar. Es könnten laut Polizei mehrere Tausend bis mehr als zehntausend werden.

Es gelten dabei Bestimmungen wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und das Abstandhalten. 2000 Polizisten sind im Einsatz, darunter Unterstützung aus neun weiteren Bundesländern und von der Bundespolizei.

Mehrere angemeldete Demonstrationen direkt vor dem Reichstagsgebäude im sogenannten befriedeten Bezirk verbot das Bundesinnenministerium. Die Polizei sperrte den Bereich daher weiträumig ab.

Im Internet kursierten aber zahlreiche Aufrufe, Demonstrationen nicht anzumelden, sondern spontan nach Berlin zu fahren und am Bundestag zu protestieren. Die Polizei sprach von einer "hohen Mobilisierung".

TAG24 berichtet im Liveticker:

Update, 21.11 Uhr: Berliner Corona-Demo: 365 Menschen vorübergehend in Gewahrsam

Bei der Demonstration gegen Corona-Auflagen und das Infektionsschutzgesetz in Berlin hat die Polizei bis zum Abend 365 Menschen vorübergehend festgehalten. Freiheitsbeschränkungen und Freiheitsentziehungen seien häufig wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz erfolgt, twitterte die Polizei am Abend. Es gab aber auch den Verdacht auf Landfriedensbruch. Bei zwei Verdächtigen prüfe ein Richter, ob sie in Untersuchungshaft kommen.

Bislang sind der Polizei zehn verletzte Beamte bekannt. Darunter sei eine Polizistin, die einen Tritt gegen den Kopf bekommen habe, als sie ihren Helm abnahm, sagte ein Sprecher. Sie sei in ein Krankenhaus gekommen. Einem anderen Kollegen sei die Schulter ausgekugelt worden.

Beamte seien mit Flaschen, Steinen und Böllern beworfen sowie mit Pfefferspray angegriffen worden. Die Berliner Polizei hatte für die Demo Unterstützung aus neun weiteren Bundesländern und von der Bundespolizei bekommen.

"Ich will klar sagen, dass ich nicht mehr bereit bin, so etwas zu akzeptieren in Berlin, was wir hier sehen", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) in der rbb-"Abendschau". Einerseits würden Tausende ohne Rücksicht auf jeglichen Schutz demonstrieren, andererseits gehe es in der Pandemie um das Offenhalten von Schulen und die Existenz von vielen Unternehmerinnen und Unternehmern.

Bei der Berliner Demonstration waren bis zu 2400 Beamte im Einsatz. Sie setzten auch Wasserwerfer ein. Die Berliner Polizei und die Bundespolizei sei entschieden vorgegangen, ohne rücksichtslos zu sein, urteilte Müller. Die Wasserwerfer hätten keinen harten Strahl abgegeben, sondern die Demonstranten lediglich nass gemacht. Über verletzte Demonstranten war bis zum Abend nichts bekannt.

Nach Polizeiangaben rund 7000 Corona-Kritiker waren am Mittwoch in Berlin zwischen Reichstagsgebäude, Brandenburger Tor und Straße des 17. Juni auf den Straßen. Viele missachteten dabei die Regeln zur Eindämmung der Pandemie. Die Proteste wurden deshalb aufgelöst. Am Abend seien immer noch einzelne Grüppchen unterwegs, sagte ein Sprecher. Die Polizei behalte sie im Auge. Es gebe Platzverweise.

Die Polizei setzt bei einer Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen der Bundesregierung am Brandenburger Tor unweit des Reichstagsgebäudes Wasserwerfer ein.
Die Polizei setzt bei einer Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen der Bundesregierung am Brandenburger Tor unweit des Reichstagsgebäudes Wasserwerfer ein.  © Paul Zinken/dpa

Update, 18.33 Uhr: Protest vor Amtssitz des Bundespräsidenten - Polizei im Einsatz

Demonstranten haben am Mittwochabend auch ganz in der Nähe des Amtssitzes des Bundespräsidenten in Berlin gegen die Corona-Auflagen und das Infektionsschutzgesetz protestiert.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fertigte das neue Gesetz aus, das zuvor von Bundestag und Bundesrat beschlossen wurde. In der Parkanlage am Schloss Bellevue versammelten sich nach Schätzungen eines dpa-Reporters mehrere hundert Menschen. Die Polizei forderte die Menschen mehrmals auf, wegen der unerlaubten Versammlung das Gebiet zu verlassen. Einige Demonstranten wurden weggetragen. Menschen riefen in Sprechchören etwa "Wir sind das Volk".

Die Versammlungen gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen mit mehreren Tausend Teilnehmern in Berlin waren nach Einschätzung der Polizei aber weitgehend beendet. Am Nachmittag waren auch Wasserwerfer im Einsatz.

Ein Teilnehmer der Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen hält ein Schild hoch auf dem unter Adolf Hitler Angela Merkel abgebildet ist.
Ein Teilnehmer der Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen hält ein Schild hoch auf dem unter Adolf Hitler Angela Merkel abgebildet ist.  © Fabian Sommer/dpa

Update, 17.03 Uhr: Polizei nach Protest-Ende: "Passen auf, dass niemand Unfug macht"

Die Versammlungen gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen mit mehreren Tausend Teilnehmern in Berlin sind nach Einschätzung der Polizei beendet. Viele der Teilnehmer seien allerdings noch in kleinen und mittelgroßen Gruppen in der Innenstadt unterwegs, twitterte die Behörde am frühen Mittwochabend. "Wir begleiten diese und passen auf, dass niemand Unfug macht."

Zuvor sprach Innensenator Andreas Geisel (SPD) von erneut aggressiver Stimmung bei den Protesten. Man habe am Mittwoch keine andere Wahl gehabt, als den Platz vor dem Brandenburger Tor mit Wasserwerfern zu räumen.

Die Polizei habe die Wasserwerfer mit Augenmaß eingesetzt, sagte Geisel. Es habe keinen harten Wasserstrahl gegeben, sondern "ein Sprühen, um es ungemütlich zu machen". Die meisten Demonstranten waren im Corona-Hotspot Berlin-Mitte den Aufforderungen zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz und Abstandhalten nicht nachgekommen.

Die Polizei drängt die Teilnehmer der Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen der Bundesregierung vor dem Brandenburger Tor mit Wasserwerfern zurück.
Die Polizei drängt die Teilnehmer der Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen der Bundesregierung vor dem Brandenburger Tor mit Wasserwerfern zurück.  © Fabian Sommer/dpa

Update, 16.18 Uhr: Kein "Schussbefehl": Angebliche Tweets der Berliner Polizei sind gefälscht

Während des Einsatzes der Polizei bei einer Demonstration gegen die Corona-Politik in Berlin sind in sozialen Medien gefälschte Twitter-Mitteilungen aufgetaucht.

Die Polizei rief auf ihrem verifizierten Account via Twitter dann dazu auf: "Teilen Sie diese bitte keinesfalls weiter - auch nicht aus Spaß. Falschmeldungen lassen sich nur so stoppen." Kontroverse Twitter-Mitteilungen sollten den Anschein erwecken, sie stammten angeblich von der Berliner Polizei.

In dem kursierenden Screenshot eines Tweets heißt es: "Wir haben nun einen Schussbefehl von der Bundesregierung erhalten und diesen Zeitnah umsetzen, falls sich die Demonstranten nicht zurückziehen. #b1811" (sic!)

In einem zweiten Tweet-Screenshot heißt es: "In Absprache mit dem Gesundheitsminister werden heute neben Wasserwerfern Typ 1 auch neue Wasserwerfer (Typ 2) eingesetzt, deren Einsatzmittel eine Mischung aus Tetrabenzoldihydrochlorid (auch als Chemtrails bekannt) und neuartigen RNA-Impfstoffen enthalten."

Der Account mit dem Namen "@PolizeiBerlin_E" trägt einen blauen Verifizierungshaken.

FAKTEN: Der Tweet mit der Falschnachricht über den Schussbefehl zeigt als Zeitstempel den 18. November 2020 um 13.07 Uhr an. Zu diesem Zeitpunkt twitterte die Polizei jedoch: "An unserer Absperrung in der Yitzhak-Rabin-Straße sammeln sich ehemalige Versammlungsteilnehmende, statt den Ort zu verlassen. Wir fordern sie mit Durchsagen zum sofortigen Gehen auf. #b1811" Offenbar diente dieser Tweet als Grundlage für die Fälschung.

Tweets lassen sich über den Quellcode relativ leicht manipulieren. So kann man selbst Accounts, die verifiziert wurden, jegliche Äußerung in den Mund legen. Es ist daher ratsam, skeptisch zu sein, wenn sich ein Tweet als Screenshot verbreitet, der ungewöhnliche oder skandalöse Äußerungen enthält.

Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, dpa-Reporter berichteten zudem von Rangeleien und dem Einsatz von Tränengas.

Nach Polizeiangaben gab es zuvor Verstöße gegen die Maskenpflicht. Ein Sprecher verwies auf eine Auflösungsaufforderung der Versammlung durch die Beamten, wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz.

Update, 15.39 Uhr: Besucher eingeschleust? - Irritation im Bundestag

Am Tag der Abstimmung über das geänderte Infektionsschutzgesetz haben Bundestagsbesucher für Irritationen gesorgt. "In den #Bundestag eingeschleuste Personen haben u.a. versucht in Büros einzelner Abgeordneter einzudringen", twitterte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Katja Mast am Mittwoch.

"Ich bin fassungslos. Freigewählte Abgeordnete an Abstimmungen zu hindern u. zu bedrängen ist das Allerletzte. Das Ziel: Die Demokratie zersetzen."

Gegen die Änderungen am Infektionsschutzgesetz gingen am Mittwoch in Berlin mehrere Tausend Menschen auf die Straße. Die Novelle soll die Corona-Beschränkungen auf eine klarere rechtliche Grundlage stellen. Kritiker bemängeln zu weitreichende Eingriffe in die Grundrechte.

Auf einem auf Twitter verbreiteten Video ist zudem eine Frau zu sehen, die Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf einem Flur des Bundestags anspricht und ihn dabei mit einer Handykamera filmt.

Die Aufnahme ist nach dpa-Informationen authentisch und dokumentiert eine Szene, die sich am Mittwoch im Bundestag abgespielt hat. Die Frau redet auf Altmaier ein und sagt dabei unter anderem offenbar über den Minister: "Er hat kein Gewissen." Altmaier entgegnet, er vertrete seine Wähler. "Sie dürfen gerne demonstrieren, aber ich habe mein freies Gewissen."

Der FDP-Abgeordnete Konstantin Kuhle sagte der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage, er habe die gleiche Frau vor dem Plenarsaal getroffen. Sie habe ihn gefragt, wie er abstimmen wolle. Er habe an dieser Stelle nicht mit einem Treffen gerechnet und sei weitergegangen. Die Frau habe einen Gästeausweis an der Jacke gehabt, wie ihn Besucher bekämen, die von Fraktionen oder einzelnen Abgeordneten angemeldet worden sein. "Das zeigt symptomatisch, dass unsere Demokratie nur funktioniert, wenn man sich an die Regeln hält», sagte Kuhle, der auf Twitter auch schrieb, Menschen seien "eingeschleust worden" und bedrängten Abgeordnete.

Die normalerweise gültige Regelung, wonach Abgeordnete sechs unangemeldete Besucher mit in den Bundestag nehmen können, wurde für den Mittwoch aus Sicherheitsgründen ausgesetzt. Ein Sprecher des Bundestags erklärte, Besucher müssten aber weiterhin die Sicherheitsschleuse passieren und ihre Personalien würden auf Auffälligkeiten in Polizeidatenbanken geprüft.

Update, 15.23 Uhr: Polizeisprecherin: Über 100 Festnahmen bei Corona-Demo in Berlin

Bei den Protesten gegen die Corona-Politik in Berlin sind laut Polizei bislang mehr als 100 Menschen festgenommen worden. Man sei im dreistelligen Bereich, Fälle von kürzeren Freiheitsbeschränkungen eingerechnet, sagte eine Sprecherin der Behörde am Mittwoch. Mit einer Bilanz wurde nicht vor Donnerstag gerechnet.

Die Polizei versuche derzeit, langsam mit Wasserwerfern vorzurücken, um den Platz vor dem Brandenburger Tor frei zu bekommen, schilderte die Sprecherin. Die Demonstranten seien "absolut hartnäckig". Die Auflösung des Protests brauche Zeit, da zum Beispiel auch Kinder vor Ort seien. "Es geht nur langsam, nicht martialisch."

Am Nachmittag begann sich der Protests laut einem dpa-Reporter langsam aufzulösen. Nach und nach verließen Menschen die Versammlung in Richtung Potsdamer Platz. Sie waren zum Teil nass durch den Sprühnebel der Wasserwerfer.

Manche hatten rote, tränende Augen vom versprühten Pfefferspray. Zuvor waren weitere Wasserwerfer aus Richtung der Siegessäule in Richtung Brandenburger Tor gefahren, so dass insgesamt fünf Wasserwerfer vor Ort waren. Der Wasserstrahl war dabei schräg über der Menschenmenge hinweg ausgerichtet. Diese wich langsam, Meter um Meter, zurück.

Polizisten legen einem Mann bei einer Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen der Bundesregierung Handschellen an.
Polizisten legen einem Mann bei einer Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen der Bundesregierung Handschellen an.  © Michael Kappeler/dpa

Update, 15.17 Uhr: AfD-Chef Chrupalla: Polizei wollte wahrscheinlich Konfrontation

Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla hat der Polizei vorgeworfen, womöglich die Konfrontation mit Demonstranten gesucht zu haben, die in Berlin in der Nähe des Bundestages gegen die Corona-Einschränkungen demonstrieren.

"Ich habe schon seit langem nicht mehr so eine aggressive Grundeinstellung bei der Polizei gesehen", sagte er am Mittwoch am Rande der Bundestagsdebatte zum Infektionsschutzgesetz. Friedliche Demonstranten würden mit Wasserwerfern beschossen. "Hier habe ich heute eine Polizei gesehen, die die Konfrontation wahrscheinlich wollte." Inwieweit sie dazu aufgefordert worden sei, wolle er jetzt nicht beurteilen.

Vor und während der Bundestagsdebatte zu weiteren Änderungen des Infektionsschutzgesetzes hatten Tausende Menschen im Berliner Regierungsviertel gegen die Corona-Einschränkungen demonstriert - teils in Sichtweite des Reichstagsgebäudes, nicht aber im sogenannten befriedeten Bezirk direkt davor. Dabei wurden teils Ansagen der Polizei ignoriert. Die setzte - was in Berlin sehr ungewöhnlich ist - Wasserwerfer ein, um die Demonstranten damit zu beregnen. Die Polizei schrieb auf Twitter von «Sprühnebel». Vereinzelt kam es zu Rangeleien zwischen Einsatzkräften und Demonstranten.

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel sagte, wie mit Demonstranten, die ihr grundgesetzlich verankertes Bürgerrecht ausübten, umgegangen werde, sei eine Schande. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland sagte am Rande der Bundestagssitzung: "Zu was diese Stimmung, die die Regierung hier anheizt, führen kann, können Sie draußen sehen."

Die Polizei drängen die Teilnehmer der Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen mit Wasserwerfern zurück.
Die Polizei drängen die Teilnehmer der Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen mit Wasserwerfern zurück.  © Fabian Sommer/dpa

Update, 14.50 Uhr: Gewerkschaft der Polizei Berlin: Demo-Auflösung wird noch dauern

Die Auflösung des Corona-Protests in Berlin-Mitte kann sich nach Einschätzung der Gewerkschaft der Polizei Berlin (GdP) noch länger hinziehen. Man sehe, dass sich Menschen weiterhin widersetzten und den Polizei-Maßnahmen nicht Folge leisteten, sagte Sprecher Benjamin Jendro am Mittwoch dem Sender n-tv. Man könne nun nicht wild auf Leute einprügeln.

Mit der Art Beregnung durch die Wasserwerfer versuchten es die Einsatzkräfte zunächst sachte, sagte Jendro. Irgendwann werde man das aber vermutlich steigern.

Es gehe für die Einsatzkräfte auch darum, etwa Wortführer aus der Menge herauszuziehen. "Aber viel mehr Möglichkeiten hat die Berliner Polizei nicht." Am Nachmittag waren einem dpa-Reporter zufolge fünf Wasserwerfer vor Ort in der Nähe von Reichstagsgebäude und Brandenburger Tor.

Jendro betonte, die Polizei habe zunächst versucht, deeskalierend vorzugehen und die Menschen zum Beispiel zum Tragen von Masken aufzurufen. Der Sprecher hatte schon vorab mit einem schwierigen Einsatz für die Hauptstadt-Polizei gerechnet und von einer "Mammutaufgabe" gesprochen. Wenn sich Tausende nicht an Regeln hielten, sei es schwerer, sie durchzusetzen.

Zwei Teilnehmer der Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen der Bundesregierung am Brandenburger Tor umarmen sich und halten ein Holzkreuz in der Hand.
Zwei Teilnehmer der Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen der Bundesregierung am Brandenburger Tor umarmen sich und halten ein Holzkreuz in der Hand.  © Fabian Sommer/dpa

Update, 14.32 Uhr: Konfrontation zwischen Polizei und AfD-Abgeordnetem ohne Maske

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Karsten Hilse ist am Rande der Proteste gegen die Corona-Einschränkungen in Berlin mit der Polizei aneinandergeraten. Hilse sagte in einem Video, das von Mitgliedern seiner Fraktion verbreitet wurde, er sei von den Polizisten angesprochen worden, weil er ohne Maske unterwegs war.

Er habe zwar ein ärztliches Attest bei sich getragen, das ihn von der Maskenpflicht entbinde, sagte der 55-Jährige. Die Polizei habe jedoch moniert, dass darin keine konkrete Krankheit aufgeführt sei. Als er dann ein Video habe machen wollen, sei es zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen.

Die Einsatzleitung der Polizei schrieb auf Twitter, der von den Beamten auf den fehlenden Mund-Nase-Schutz angesprochene Mann habe sich "unkooperativ" verhalten und als Abgeordneter ausgewiesen. Er "soll anschließend seinen Begleiter zum Filmen aufgefordert & dann Widerstand geleistet haben", schrieb die Polizei weiter.

Hilse sagte, er finde es "absurd", wenn wegen einer Ordnungswidrigkeit so reagiert werde. Der Vorsitzende der AfD-Fraktion, Alexander Gauland, solidarisierte sich mit ihm. Er sagte: "Wenn Abgeordnete von der Polizei zu Boden geworfen werden, dann muss man fragen: wo sind wir eigentlich angekommen in diesem Land." Der Pressestelle der Berliner Polizei lagen zu dem Vorfall zunächst keine Angaben vor.

Mehrere Hundert Menschen hatten am Morgen schon vor Beginn der Bundestagssitzung zu weiteren Änderungen des Infektionsschutzgesetzes im Berliner Regierungsviertel gegen die Corona-Einschränkungen demonstriert.

Es galten dabei Bestimmungen wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und das Einhalten von Abstand. Mehrere angemeldete Demonstrationen direkt vor dem Reichstagsgebäude im sogenannten befriedeten Bezirk hatte das Bundesinnenministerium verboten. Die Polizei sperrte den Bereich daher weiträumig ab.

Update, 14.13 Uhr: Regierung: Hygieneregeln bei Demonstrationen einhalten

Die Bundesregierung hat Demonstranten gegen die Corona-Politik grundsätzlich zur Einhaltung der Hygieneregeln aufgefordert. Die Entscheidungen der Versammlungsbehörden müssten befolgt werden, ebenso Hygieneregeln etwa zum Maskentragen oder Abstandhalten, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Mittwoch in Berlin.

Dies sei "bei einer Vielzahl von Teilnehmern und Teilnehmerinnen" bei früheren Veranstaltungen auch geschehen.

Konkret zu den am Mittag in Berlin laufenden Protesten von mehreren Tausend Menschen gegen die Corona-Politik der Regierung wollte sich Demmer ausdrücklich nicht äußern. Den Aufforderungen zum Tragen von Mund-Nase-Schutz und zum Abstandhalten waren viele der Demonstranten nicht gefolgt.

Bundestag und Bundesrat sollten sich am Mittwoch mit Neuerungen am Infektionsschutzgesetz befassen, die Anti-Corona-Maßnahmen auf eine sicherere rechtliche Grundlage stellen sollen. Kritiker sehen zu starke Grundrechtseingriffe.

"Kritik soll und muss in einer Demokratie immer möglich sein", betonte Demmer. Die Versammlungsfreiheit sei eines der höchsten Verfassungsgüter. "Die Grenze der zulässigen Grundrechtsausübung ist aber erreicht, wenn man sie missbraucht."

Einen Vergleich der Novelle des Infektionsschutzgesetzes mit dem Ermächtigungsgesetz von 1933, den manche Kritiker ziehen, wies Demmer zurück. Damals hatte sich der Reichstag selbst entmachtet und die Gesetzgebung auf Reichskanzler Adolf Hitler übertragen. Sie sagte über das Infektionsschutzgesetz: "Es schafft begrenzte und befristete Rechtsgrundlagen für das Regierungshandeln. Rechtsgrundlagen, die ja das Parlament selbst auch jederzeit wieder ändern kann."

Die Polizei setzt bei einer Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen der Bundesregierung am Brandenburger Tor unweit des Reichstagsgebäudes (hinten) Wasserwerfer ein.
Die Polizei setzt bei einer Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen der Bundesregierung am Brandenburger Tor unweit des Reichstagsgebäudes (hinten) Wasserwerfer ein.  © Christoph Soeder/dpa

Update, 14.10 Uhr: Demo gegen Corona-Politik - Polizei spricht von einzelnen Festnahmen

Bei den Protesten gegen die Corona-Politik der Bundesregierung sind in Berlin nach Angaben der Polizei Demonstranten festgenommen worden. Die Sprecherin der Polizei, Anja Dierschke, sagte n-tv am Mittwochnachmittag, es sei zu einzelnen Festnahmen gekommen und zu Freiheitsbeschränkungen aufgrund von Körperverletzungen und Angriffen auf Einsatzkräfte. Eine genaue Zahl könne die Polizei erst am Einsatzende mitteilen.

Den Polizeieinsatz bezeichnete die Sprecherin als "komplex". Er sei auch mit "viel Feingefühl" zu führen.

Zu Gründen für den Einsatz der Wasserwerfer sagte Dierschke, die Polizei habe die angeordnete Auflösung der Versammlung am Brandenburger Tor mehrfach durchgesagt. Die Menschen hätten den Platz nicht wie von der Polizei gefordert geräumt. Deshalb sei es mehrfach zum Einsatz von Wasserwerfern gekommen - in Form einer Beregnung.

Titelfoto: Fabian Sommer/dpa

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