Coronavirus-Experte warnt: Belastungen der Intensivstationen auch im Jahr 2022

Augsburg - Der Coronavirus-Experte Clemens Wendtner rechnet damit, dass die Pandemie die Intensivstationen bis weit in das nächste Jahr hinein belastet.

Entwicklung der Pandemie in Deutschland: Coronavirus-Experte Clemens Wendtner zeichnet ein eher düsteres Bild. (Archivbild)
Entwicklung der Pandemie in Deutschland: Coronavirus-Experte Clemens Wendtner zeichnet ein eher düsteres Bild. (Archivbild)  © Peter Kneffel/dpa

"Aus ärztlicher und wissenschaftlicher Sicht muss man ganz klar erkennen, dass wir weit davon entfernt sind, den Sieg über Corona verkünden zu können", sagte der Infektiologe der Augsburger Allgemeinen und führte anschließend weiter aus: "Die Pandemie mit einer deutlichen Belastung der Krankenhäuser wird sich meiner Einschätzung nach über die erste Hälfte des Jahres 2022 erstrecken."

Hauptproblem sei die derzeit kaum steigende Impfquote, sagte der Chefarzt der München Klinik Schwabing. "Wenn sich hier nichts signifikant in den nächsten Wochen ändert, müssen wir davon ausgehen, dass die vierte Welle jetzt im Herbst noch massiv ansteigen wird und wir wieder viele Covid-Patientinnen und Covid-Patienten in den Kliniken und nicht zuletzt auf den Intensivstationen versorgen müssen", wurde Wendtner deutlich.

Wendtner sagte weiter: "Die vierte Welle wird leider die Ungeimpften mit voller Wucht und mit allen klinischen Konsequenzen treffen, für diese Personengruppe wird es nach derzeitiger Datenlage keinen Schutz durch eine Herdenimmunität geben."

Ein Corona-Patient liegt im Intensivbett-Zimmer einer Klinik: Es ist ein Bild, das auch 2022 für Krankenhäuser typisch sein könnte.
Ein Corona-Patient liegt im Intensivbett-Zimmer einer Klinik: Es ist ein Bild, das auch 2022 für Krankenhäuser typisch sein könnte.  © Sven Hoppe/dpa

Entsprechende Studien zeigten, dass die Viruslast bei der Delta-Variante um den Faktor 300 höher liegen kann als im Vergleich zum ursprünglichen Wuhan-Wildtyp des Virus. Es ist ein deutlicher Unterschied. "Für Geimpfte in der Umgebung ist dies kein Problem, aber für Ungeimpfte ist die Gefährdung vor dem Hintergrund von Delta wirklich erheblich, sie tragen ein sehr hohes Risiko zu erkranken. Daher kann ich nur zum Impfen raten", sagte Wendtner.

Titelfoto: Montage: Peter Kneffel/dpa, Sven Hoppe/dpa

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