Volle Radwege und riesiger Ansturm: Wird Radfahren zum neuen Trend?

Frankfurt am Main/Fulda - Wochenlanges Warten auf einen Werkstatt-Termin: Fahrradfahren ist seit den Einschränkungen wegen der Corona-Krise noch beliebter geworden. Das spüren Fahrradläden derzeit auch bei der hohen Nachfrage nach neuen Modellen. Landesweit sei zu beobachten, dass die Radwege gut gefüllt bis überfüllt seien, erklärt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC)

Eine Frau ist mit drei Kindern auf dem Fahrrad unterwegs auf einem Feldweg im Frankfurter Stadtteil Bergen (Symbolbild).
Eine Frau ist mit drei Kindern auf dem Fahrrad unterwegs auf einem Feldweg im Frankfurter Stadtteil Bergen (Symbolbild).  © dpa/Frank Rumpenhorst

Ein Grund sei, dass viele Menschen den öffentlichen Nahverkehr wegen der Ansteckungsgefahr lieber nicht benutzen wollten. Nun gelte es, den verstärkten Trend zum umweltfreundlichen Verkehrsmittel auch politisch zu nutzen.

Menschen, die neu aufs Rad stiegen, müssten dauerhaft überzeugt werden, sagt der Geschäftsführer des ADFC Hessen, Norbert Sanden. Dazu müssten sie sich sicher fühlen. In großen Städten wie etwa Frankfurt seien aber teilweise so viele Radfahrer unterwegs, dass zusätzliche Radspuren benötigt würden, auch um die Corona-Abstandsregeln einhalten zu können. 

Berlin habe dazu temporäre "Pop-up"-Radwege auf der Straße angelegt, die etwa mit Pollern abgesperrt seien. Frankfurt lehne dies leider ab. "Wir hoffen, dass die Stadt das noch einmal überdenken wird", sagt Sanden. Zu befürchten sei, dass die Menschen sonst vermehrt ins Auto stiegen.

LAGE DER BRANCHE

Die Branche werde gestärkt aus der Krise hervorgehen, schätzt der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Derzeit gebe es nach den erzwungenen Ladenschließungen eine Nachholstimmung bei den Kunden und die Händler hätten viel zu tun. "Glücklicherweise konnten die Läden früh genug wieder öffnen, so dass die Saison noch lang ist", sagt Verbandssprecher David Eisenberger. "Wir sind zuversichtlich, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen." 

Die Umsatzverluste würden in diesem Jahr voraussichtlich nicht eingeholt werden können, langfristig aber erhoffe man sich einen positiven Trend. "Viele werden merken, dass man mit dem Fahrrad gut vorankommen kann. Besonders das E-Bike hat hier Vorteile, denn es kann noch mehr das Auto oder die Bahn ersetzen."

ADFC plädiert für Mobilitätsprämie für Radler

Zwei Radfahrer kommen auf dem Maifeld-Radweg, der auf der Trasse einer stillgelegten Bahnstrecke verläuft, aus einem Tunnel (Symbolbild).
Zwei Radfahrer kommen auf dem Maifeld-Radweg, der auf der Trasse einer stillgelegten Bahnstrecke verläuft, aus einem Tunnel (Symbolbild).  © dpa/Thomas Frey

LANGE WARTEZEITEN

Im Frankfurter Fahrradladen "Feine Velos" ist die Wartezeit auf einen Werkstatt-Termin mit vier Wochen derzeit doppelt so lang wie üblicherweise. "Viel mehr Menschen wollen Radfahren und holen ihre Räder aus dem Keller", sagt Geschäftsführer Christian Theobald. 

Nach der Öffnung und kurz vor der Schließung des Ladens am Abend bilde sich teilweise eine Warteschlange auf dem Bürgersteig. Ähnliches berichtet der Fahrradshop Montimare im Frankfurter Osten. Knapp drei Wochen Wartezeit auf einen Reparatur-Termin müssen Kunden hier derzeit hinnehmen. Auch neue Räder werden gut nachgefragt, dazu bringen die Mitarbeiter die Modelle vor den Laden, der zu klein ist, um die Corona- Abstandsregeln einzuhalten.

FREIZEITRADELN

Die Möglichkeiten zum Freizeitsport sind derzeit eingeschränkt, auch deshalb steigen die Hessen vermehrt aufs Rad. Da unklar ist, inwiefern Urlaubsplanungen möglich sind, gewinne der heimische Fahrrad-Tourismus an Beachtung, erklärt ADFC-Geschäftsführer Sanden. "Das ist ein echter Wirtschaftsfaktor. Hessen hat im Radtourismus auch viel zu bieten und ist gut aufgestellt." Die Landesregierung müsse hier mehr Werbung machen.

Es gebe mehrere Tausend Kilometer Radfernwege. "Sie führen durch schöne und abwechslungsreiche Landschaften." Auf Themen- oder Bahnradwegen müssten nur geringe Steigungen überwunden werden. Ein Bahnradweg führt zum Beispiel von Bad Hersfeld in Osthessen durch den Vogelsberg über 240 Kilometer bis hinunter nach Hanau ins Rhein-Main-Gebiet.

PRÄMIE FÜR ALLE

Bundesweit plädiert der ADFC zusammen mit anderen Verbänden, anstelle einer Kaufprämie für Autos mit einer Mobilitätsprämie auch Radfahrer und Nutzer des ÖPNV zu unterstützen. 

Die Fortschritte in Richtung eines umwelt- und klimaschonenden Verkehrs, die vor der Corona-Krise erreicht worden seien, dürften nicht rückgängig gemacht werden, mahnt ADFC-Geschäftsführer Sanden.

Titelfoto: dpa/Frank Rumpenhorst

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