Mindestens 107 Corona-Infektionen nach Gottesdienst in Frankfurt

Frankfurt am Main - Nach einem Gottesdienst in einer Kirchengemeinde der Baptisten in Frankfurt haben sich mindestens 107 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert.

Besucher mit Gesichtsmasken nehmen unter Einhaltung der Sicherheitsabstände an einem Gottesdienst teil (Archivbild).
Besucher mit Gesichtsmasken nehmen unter Einhaltung der Sicherheitsabstände an einem Gottesdienst teil (Archivbild).  © Christoph Soeder/dpa

Das teilte Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) am Sonntag in Wiesbaden mit.

Die Menschen lebten in Frankfurt und drei hessischen Landkreisen.

Der Gottesdienst war offenbar bereits vor rund zwei Wochen am 10. Mai. Zunächst war von mehr als 40 Infizierten die Rede gewesen (TAG24 berichtete).

"Wir haben alle Versammlungen abgebrochen. Gottesdienste gibt es jetzt nur noch online", sagte der stellvertretende Vereinsvorsitzende der Gemeinde der Evangeliums-Christen-Baptisten, Wladimir Pritzkau (64), am Samstag.

"Bei uns sind aber alle Regeln eingehalten worden." Es habe Desinfektionsmittel gegeben, der vorgeschriebene Abstand sei beachtet worden, sagte Pritzkau am Samstag weiter.

Seit dem 1. Mai dürfen in Hessen wieder Gottesdienste unter strengen Sicherheitsauflagen gefeiert werden.

Davor waren sie zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie für längere Zeit verboten gewesen.

Update, 16.40 Uhr: Infizierte in Frankfurt, im Wetteraukreis, in Hanau und im Hochtaunuskreis

In Hessen wurden bisher 9762 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus bestätig (Symbolbild).
In Hessen wurden bisher 9762 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus bestätig (Symbolbild).  © Andreas Arnold/dpa

Die meisten der betroffenen Frankfurter hätten sich nach dem Gottesdienst wohl zu Hause infiziert, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes der Mainmetropole, René Gottschalk, am Sonntag. Mehr als 40 der 107 Infizierten lebten in der größten hessischen Stadt.

26 Infizierte wohnen im Wetteraukreis, wie der Kreis am Sonntag mitteilte, und 17 in Hanau, wie es von Stadt hieß. Zudem gibt es dem Ministerium zufolge noch mehrere Fälle im Hochtaunuskreis. Möglicherweise seien auch noch andere Landkreise betroffen, sagte eine Ministeriumssprecherin. Die genaue Zahl stehe noch nicht fest.

Gottschalk sagte über die Frankfurter Fälle: "Die weitaus meisten sind nicht sonderlich krank. Nach unserem Kenntnisstand ist auch nur eine Person in einem Krankenhaus." Die Einzelfälle würden nachverfolgt. "Wir haben das gut im Griff."

Wie es den 17 Infizierten in Hanau gehe, wisse er nicht, sagte Daniel Freimuth vom Krisenstab der Stadt. Der Oberbürgermeister habe noch keine Informationen vom zuständigen Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreis bekommen. "Wir wissen nicht, um wen es sich handelt, welches Alter die Betroffenen haben, und ob und wo sie sich in den vergangenen Tagen in unserer Stadt bewegt haben", kritisierte OB Kaminsky. "Die Sorge der Bevölkerung ist verständlicherweise groß." Sie habe einen Anspruch auf Klarheit.

Im Wetteraukreis wurden im Zusammenhang mit den 26 Infizierten 76 Menschen in Quarantäne geschickt, wie der Kreis am Sonntag mitteilte. Ein positiv getestetes Kind habe einen städtischen Kindergarten in Karben-Petterweil besucht. Alle anderen Kinder in der Notbetreuung und die Erzieherin seien nach Tests jedoch ohne Befund. "Niemand hat sich bei dem Kind angesteckt, das sich jetzt, wie seine Eltern, in häuslicher Absonderung befindet."

Religiöse Versammlungen sind in Hessen seit dem 1. Mai unter Auflagen wieder erlaubt. So muss in Kirchen und anderen Gotteshäusern der Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Menschen eingehalten werden, nötig sind zudem weitere Hygienemaßnahmen wie das Aufstellen von Desinfektionsspendern.

Der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt haben wegen der Infektionen ein für Sonntag geplantes Fastengebet von Muslimen im Hanauer Herbert-Dröse-Stadion abgesagt. Die Veranstaltung wäre mit Blick auf die Geschehnisse in Frankfurt unverantwortlich, hieß es.

Es sei derzeit auch noch nicht abzusehen, welche Folgen die Ereignisse in Frankfurt für die Region hätten.

Titelfoto: Christoph Soeder/dpa

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