Coronavirus: Lauterbach fordert schnellen "Wellenbrecher-Shutdown"

Deutschland/Welt - Das Coronavirus wird Deutschland wohl noch lange Zeit beschäftigen. Abstand halten und Maske tragen dürfte deshalb noch für eine ganze Weile an der Tagesordnung stehen. Örtlich kommt es derzeit auch wieder zu schärferen Maßnahmen zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung.

Eine Frau, die einen Mund-Nasen-Schutz trägt, geht auf der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil an einem Aufkleber an einer Schaufensterscheibe mit der Aufschrift "Bitte beachten Sie die Maskenpflicht" vorbei.
Eine Frau, die einen Mund-Nasen-Schutz trägt, geht auf der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil an einem Aufkleber an einer Schaufensterscheibe mit der Aufschrift "Bitte beachten Sie die Maskenpflicht" vorbei.  © Arne Dedert/dpa

In Deutschland wurden mittlerweile 455.729 Infektionen bestätigt. 10.103 Corona-Patienten starben hierzulande an der Infektion oder den Folgen, während knapp 325.052 als genesen gelten (Stand 27. Oktober, 11.10 Uhr).

Die USA haben weltweit die meisten Fälle registriert: Über 8,7 Millionen Infizierte und 225.735 Tote wurden bereits erfasst (Stand 27. Oktober, 11.10 Uhr).

Weltweit gibt es insgesamt mehr als 43,53 Millionen bestätigte Fälle und inzwischen 1,16 Millionen Todesfälle (Stand 27. Oktober, 11.10 Uhr).

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Update, 27. Oktober, 12.23 Uhr: Gewalt und Festnahmen bei Protesten gegen Corona-Maßnahmen in Italien

Bei Protesten gegen die Regierungsmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Italien hat es in der Nacht zum Dienstag gewalttätige Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei gegeben.

Nach Ausschreitungen in Mailand und Turin wurden mindestens sechs Menschen festgenommen, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete. Dutzende wurden Polizeiangaben zufolge abgeführt. Bei den Ausschreitungen seien mindestens elf Beamte verletzt worden.

Bei den Protesten Hunderter Menschen gegen die Corona-Beschränkungen in den beiden norditalienischen Städten hätten Demonstrierende unter anderem mit Steinen, Flaschen und Molotow-Cocktails geworfen, meldete Ansa. Auch Schaufenster von Geschäften wurden zerstört. Die Polizei setzte demnach Tränengas ein.

Eine Straße ist in Rauch gehüllt bei Ausschreitungen und Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei am Montagabend in der Innenstadt nach Protesten gegen die Regierungsmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Italien.
Eine Straße ist in Rauch gehüllt bei Ausschreitungen und Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei am Montagabend in der Innenstadt nach Protesten gegen die Regierungsmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Italien.  © Claudio Furlan/LaPresse via ZUMA Press/dpa

Update, 27. Oktober, 12.02 Uhr: Lauterbach für "Wellenbrecher-Shutdown" zur Corona-Eindämmung

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wirbt für eine befristete Schließung zahlreicher Einrichtungen für zwei Wochen, um den starken Anstieg der Corona-Infektionen zu stoppen. "Wenn wir den Sonderweg Deutschlands retten wollen, auch besser durch die zweite Welle zu kommen, dann muss ein Wellenbrecher-Shutdown jetzt kommen", sagte Lauterbach am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Konkret gehe es um ein Konzept, "bei dem man über zwei Wochen hinweg mit Ankündigung - in der Regel mit einer Woche Vorlauf - bundesweit Einrichtungen schließt: Restaurants, Bars, Kneipen, alle Kulturstätten, Fitnessstudios, Vereine. Offen bleiben aber Schulen, Kitas und essenzielle Geschäfte." Private Treffen müssten auf ein absolutes Minimum reduziert werden. In Betrieben sollte so viel Homeoffice gemacht werden wie möglich.

"Wenn dieses Konzept sehr früh ergriffen wird, kann es uns für eine längere Zeit aus dem exponentiellen Wachstum der Infektionszahlen herausbringen, wenn dieses noch nicht zu lange gelaufen ist", sagte Lauterbach. 

"In dieser Situation sind wir jetzt. Wenn wir es jetzt nicht beschließen, ist aus meiner Sicht ein kompletter Lockdown auch mit Schulen, der viel länger dauern könnte, in einigen Wochen unabwendbar." Er hoffe, dass es bei den Beratungen von Bund und Ländern an diesem Mittwoch zu einem entsprechenden Beschluss komme.

"Um aus dem exponentiellen Wachstum herauszukommen, müssen wir die Zahl der Kontakte um mindestens 50 Prozent senken, bevorzugt sogar um 75 Prozent", erläuterte der Gesundheitsexperte. "Wir würden damit wesentliche Zeit gewinnen und kämen - ohne dass wir mit dramatischen Fallzahlen rechnen müssen -, noch bis zu den Weihnachtsferien."

Karl Lauterbach, SPD-Bundestagsabgeordneter, fordert einen schnellen "Wellenbrecher-Shutdown".
Karl Lauterbach, SPD-Bundestagsabgeordneter, fordert einen schnellen "Wellenbrecher-Shutdown".  © Kay Nietfeld/dpa

Update, 27. Oktober, 11.58 Uhr: Keine belegten Infektionen durch angebliche Superspreaderin

Einer 26 Jahre alten Frau, die im Verdacht stand, in Bayern vielleicht Dutzende Menschen mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, können keine Infektionen nachgewiesen werden.

Das Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen hat nach Angaben eines Sprechers jedenfalls keine Kontaktpersonen ermitteln können, die durch die positiv getestete Frau infiziert worden sind. Zuvor hatten mehrere Medien über das Ergebnis der Untersuchung des Falls durch das Gesundheitsamt berichtet.

Die 26-Jährige hatte eine Kneipentour in der oberbayerischen Stadt unternommen, obwohl sie Krankheitssymptome hatte und unter Quarantäne stand. Später erhielt sie ein positives Testergebnis. Die Frau wurde daraufhin Mitte September überregional als mögliche Superspreaderin (deutsch: Superverbeiterin) bekannt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nannte ihr Verhalten "besonders rücksichtslos", Ministerpräsident Markus Söder (ebenfalls CSU) sprach von einem "Musterfall für Unvernunft".

Der heftige Corona-Ausbruch im bayerischen Garmisch-Partenkirchen sollte auf eine US-amerikanische Touristin zurückgehen. Jedoch wurden keine Infektionen durch die junge Frau belegt.
Der heftige Corona-Ausbruch im bayerischen Garmisch-Partenkirchen sollte auf eine US-amerikanische Touristin zurückgehen. Jedoch wurden keine Infektionen durch die junge Frau belegt.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Update, 27. Oktober, 11.51 Uhr: Israel ernennt Ex-Militärarzt Asch zum neuen Corona-Beauftragten

Professor Nachman Asch wird Israels neuer Corona-Beauftragter. Der 59-Jährige soll den bisherigen Beauftragten Professor Ronni Gamzu ablösen, wie Israels Gesundheitsministerium und das Büro des Ministerpräsidenten am Dienstag mitteilten.

Die Übergabe solle bereits am Mittwoch beginnen. Asch war bis zuletzt leitender Mitarbeiter einer Krankenkasse sowie der Universität Ariel im besetzten Westjordanland. Der ausgebildete Internist war außerdem lange als führender Militärarzt im Einsatz.

Der Corona-Beauftragte ist in Israel führend am Entscheidungsprozess im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus beteiligt. Ronni Gamzu, der im Juli für einen begrenzten Zeitraum ernannt worden war, übernimmt wie geplant wieder die Leitung des Ichilov-Krankenhauses in Tel Aviv. Gamzu hatte als Corona-Beauftragter hart zu kämpfen. Es war für ihn wegen politischer Streitigkeiten oft schwer, Entscheidungen über Corona-Beschränkungen durchzusetzen. Es kam auch immer wieder zu Verstößen gegen Corona-Regeln, besonders im ultraorthodoxen Sektor.

Update, 27. Oktober, 11.48 Uhr: EU-Kommissionsvize Schinas positiv auf Corona getestet

EU-Kommissionsvizepräsident Margaritis Schinas ist positiv auf das Coronavirus getestet worden und hat sich in Selbstisolation begeben. Dies teilte der 58-Jährige selbst am Dienstag auf Twitter mit. Es handele sich um das Ergebnis eines Routinetests. Kommissionschefin Ursula von der Leyen wünschte ihm ebenfalls auf Twitter gute Besserung.

Schinas ist nach Angaben eines Kommissionssprechers das zweite Mitglied des Kollegiums mit einem positiven Testergebnis, nach Jugendkommissarin Marija Gabriel. Der positive Test bei Schinas werde aber absehbar keine Auswirkungen auf das übrige Kollegium haben, da bei allen Kontakten und Sitzungen strenge Vorsichtsmaßnahmen gültig seien, sagte der Sprecher auf Anfrage.

Update, 27. Oktober, 11.39 Uhr: Merkel warnt vor ausgesprochen schwieriger Corona-Situation

Angesichts der zugespitzten Corona-Lage in Deutschland hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf die Beachtung des Wissenstands als Maßstab für Einschränkungen gepocht. "Wir wissen heute etwas mehr über das Virus", sagte Merkel am Dienstag in Berlin, einen Tag vor neuen Beratungen mit den Ministerpräsidenten zur Corona-Krise.

Merkel sagte: "Wir wissen, wie wir uns schützen können. Wir können zielgerichteter vorgehen. Aber wir sehen auch bei den steigenden Zahlen, dass wenn wir das, was wir wissen über das Virus, nicht einhalten, dass wir dann wieder in Situationen kommen, die ausgesprochen schwierig sind."

"Die Einschränkungen dienten und dienen dem Schutz der Gesellschaft, aber auch dem Schutz besonders gefährdeter Gruppen", sagte Merkel. "Aber es muss ein Schutzkonzept sein, das nicht zu einer Separation von Gesellschaftsteilen führt." 

"Eine der großen Herausforderungen ist natürlich, dass wir das Pflegepersonal vor zu hoher Arbeitsbelastung schützen", sagte Merkel. So weit wie möglich sollten die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Merkel nannte die Verbesserungen durch den jüngsten Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst."Schöne Worte sind das Eine, Taten sind das Andere."

Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt vor einer schwierigen Corona-Situation.
Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt vor einer schwierigen Corona-Situation.  © Axel Schmidt/Reuters Pool/dpa

Update, 27. Oktober, 11.23 Uhr: Polen verzeichnet mehr als 16 000 Corona-Neuinfektionen

In Polen hat die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus erstmals die Marke von 16.000 überschritten. Innerhalb von 24 Stunden kamen 16.300 neue Fälle hinzu, die meisten davon in der Region um die Hauptstadt Warschau (3529). Das teilte das polnische Gesundheitsministerium am Dienstag mit. Im gleichen Zeitraum starben 132 Menschen in Zusammenhang mit dem Virus.

Der bisherige Rekordwert war mit 13.632 Fällen am vergangenen Freitag erreicht worden. Seit Beginn der Pandemie gab es in Polen 4615 Todesfälle in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung. Das Land hat rund 38 Millionen Einwohner. Polen wird vom Robert Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft. Seit Samstag sind in dem Land alle Restaurants und Bars für einen Zeitraum von zwei Wochen geschlossen, Versammlungen mit mehr als fünf Personen sind verboten.

Update, 27. Oktober, 11.18 Uhr: Zahl der Neuinfektionen steigt stark an: Russland verschärft Maskenpflicht

Angesichts von täglich mehr als 16 000 neuen Corona-Fällen verschärft Russland die Sicherheitsvorkehrungen. Die Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor ordnete am Dienstag eine Maskenpflicht an allen Orten an, wo sich mehr als 50 Menschen aufhalten können.

Ein Mund-Nasen-Schutz ist demnach etwa in Fahrstühlen, auf Parkplätzen und in Taxis Pflicht. In der Hauptstadt Moskau muss der Mund-Nasen-Schutz bereits in allen öffentlichen Verkehrsmitteln und in Supermärkten getragen werden.

Zudem empfahl die Behörde den jeweiligen Regionen in Russland eine Sperrstunde für Bars, Restaurants und Diskotheken. Sie sollte zwischen 23.00 und 6.00 Uhr am Morgen gelten. Die Entscheidung darüber solle vor Ort getroffen werden. Die Moskauer müssen bereits einen QR-Code anfordern, wenn sie in den Nachtstunden tanzen gehen oder Bars aufsuchen. Bei einem Corona-Fall erhalten die Besucher eine SMS und werden aufgefordert, sich testen zu lassen.

Mitarbeiter des Moskauer U-Bahn-Depots desinfizieren den Innenraum eines Zugabteils.
Mitarbeiter des Moskauer U-Bahn-Depots desinfizieren den Innenraum eines Zugabteils.  © Pavel Golovkin/AP/dpa

Update, 27. Oktober, 10.47 Uhr: Scholz fordert schnelle, einheitliche Schritte gegen Corona-Welle

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) hat schnelle zusätzliche Maßnahmen gegen die rapide steigende Zahl der Corona-Infektionen gefordert. Der dramatische Anstieg in den vergangenen Tagen sei "sehr besorgniserregend", sagte Scholz am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. "Jetzt sind schnelle und entschlossene Schritte nötig, um diese neue Infektionswelle zu brechen."

Die zusätzlichen Maßnahmen sollten zielgerichtet und zeitlich befristet sein. "Und sie sollten deutschlandweit möglichst einheitlich getroffen werden und allgemein verständlich sein", sagte der Finanzminister. In diesen Wochen entscheide sich, ob Deutschland weiter vergleichsweise gut durch die Pandemie komme. "Wir haben es selbst in der Hand", betonte Scholz.

Update, 27. Oktober, 10.46 Uhr: Deutsche Touristen bleiben Österreich recht treu

Die Corona-Krise hat den Tourismus in Österreich im Sommer regional sehr unterschiedlich getroffen. Von Mai bis September lag die Zahl der Übernachtungen in der Hauptstadt Wien um rund 80 Prozent unter den Werten des Vorjahreszeitraums, in Kärnten mit dem auch bei Deutschen beliebten Wörthersee ging sie nur um elf Prozent zurück, wie Statistik Austria am Dienstag berichtete.

In Tirol betrug das Minus etwa 25 Prozent. Österreichweit brachen die Übernachtungen um etwa 30 Prozent auf knapp 50 Millionen ein. Unter den ausländischen Gästen waren die deutschen Urlauber recht treu. Der Rückgang bei den deutschen Touristen war laut Statistik mit 20 Prozent im Vergleich zu anderen Herkunftsländern am geringsten.

Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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