Coronavirus: Lauterbach und Habeck fordern Vorzugsbehandlung von Geimpften!

Deutschland/Welt - In Deutschland steigt die Corona-Inzidenz wieder an. Gleichzeitig ist die Impfwilligkeit der Menschen ins Stocken geraten. Die aktuellen Entwicklungen zu Sars-CoV-2 gibt es hier im Ticker.

In Deutschland hat die Gastronomie mittlerweile wieder geöffnet.
In Deutschland hat die Gastronomie mittlerweile wieder geöffnet.  © Angelika Warmuth/dpa

Laut Johns-Hopkins-Universität sind seit Beginn der Pandemie rund 3,8 Millionen nachgewiesene Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 in Deutschland aufgetreten. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte allerdings deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

91.524 Menschen sind hierzulande mit oder an dem Virus verstorben. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.644.900 an.

Der Sieben-Tage-Inzidenzwert liegt laut Robert-Koch-Institut bundesweit bei 13,8 (Vortag: 13,6).

Corona-Aktion: Zweitliga-Duell schauen und sich gegen das Virus impfen lassen
Coronavirus Corona-Aktion: Zweitliga-Duell schauen und sich gegen das Virus impfen lassen

Weltweit gibt es mehr als 193 Millionen bestätigte Fälle und inzwischen mehr als 4,1 Millionen Todesfälle (alle Daten Stand: 25. Juli, 4.35 Uhr).

+++ Ältere Informationen zur Corona-Situation findet Ihr im TAG24-Coronavirus-Newsarchiv +++

Update, 25. Juli, 21.29 Uhr: Auch Seehofer will Geimpfte bevorzugen

Bundesinnenminister Horst Seehofer (72, CSU) hat sich gegen eine Corona-Impflicht, aber für mehr Freiheiten für Geimpfte ausgesprochen.

"Das ist keine Diskriminierung der Nicht-Geimpften", sagte Seehofer im Interview mit RTL/ntv. Er achte es, wenn jemand sich aus persönlichen Gründen gegen eine Impfung entscheide.

"Aber die nicht geimpfte Person muss auch einsehen, dass wir die Gesamtgesellschaft schützen müssen und deshalb nur die Geimpften zu größeren Gemeinschaftsveranstaltungen zulassen können."

Gleichzeitig stellt sich Seehofer gegen eine Impfpflicht. "Wir müssen die Leute überzeugen, dass sie sich impfen lassen." Man dürfe eine Impfung vor allem nicht zur Voraussetzung für ein Arbeitsverhältnis oder den Abschluss eines Versicherungsvertrages machen. "Das dürfen wir in Deutschland nicht beginnen."

Bundesinnenminister Horst Seehofer (72, CSU).
Bundesinnenminister Horst Seehofer (72, CSU).  © Peter Kneffel/dpa

Update, 25. Juli, 17.03 Uhr: Lauterbach und Habeck fordern Vorzugsbehandlung von Geimpften!

Grünen-Parteichef Robert Habeck (51) und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (58) halten es für richtig, vollständig gegen Corona Geimpften ab einem bestimmten Zeitpunkt wieder mehr Möglichkeiten im Alltag einzuräumen.

"In dem Moment, wo allen Menschen ein Impfangebot gemacht worden ist, sieht Solidarität so aus: Man muss sich nicht impfen lassen, aber kann nicht damit rechnen, dass alle anderen auf ihre Freiheit verzichten, weil man sich nicht hat impfen lassen", sagte Habeck den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

"Die Konsequenz ist, dass Geimpfte beziehungsweise Genesene zukünftig unter Umständen mehr Möglichkeiten und Zugänge haben können, als Menschen, die sich gegen eine Impfung entschieden haben." Für diejenigen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen könnten, müsse es Ausnahmen geben.

Lauterbach zufolge werde bald "nichts anderes übrigbleiben, als den Zutritt zu Räumen, wo viele Leute eng zusammenkommen, auf Genesene und Geimpfte zu beschränken".

Mit der Rückkehr der Urlauber sei auch mit höheren Fallzahlen zu rechnen, zudem begegneten sich die Menschen im Herbst wieder verstärkt in Innenräumen, sagte der SPD-Politiker der Süddeutschen Zeitung. Die Zahl der falsch negativen Tests sei zu hoch, um dann noch negativ Getestete mit Geimpften und Genesenen gleichzustellen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (58).
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (58).  © Kay Nietfeld/dpa

Update, 25. Juli, 16.22 Uhr: Woidke fordert kurzfristig Bund-Länder-Konferenz

Angesichts steigender Infektionszahlen in Deutschland hat Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (59, SPD) die kurzfristige Einberufung einer Bund-Länder-Konferenz gefordert.

"Bund und Länder müssen sich zügig abstimmen. Deshalb sollte die nächste Ministerpräsidentenkonferenz möglichst bald stattfinden", sagte der Regierungschef am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. "Wir müssen alles dafür tun, damit das normale Leben möglichst aufrecht erhalten bleiben kann."

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (56, SPD) sieht aktuell einen kurzfristigen Abstimmungsbedarf zwischen Bund und Ländern. "Auch wenn die Lage auf den Intensivstationen deutlich besser geworden ist, dürfen wir jetzt nicht die gute Ausgangslage für den Herbst verspielen", teilte er am Samstag der Deutschen Presse-Agentur mit.

Ebenso wie Müller rief Woidke die Bürger dazu auf, sich impfen zu lassen. "Wer sich impfen lässt, schützt sich und andere", betonte der Regierungschef. Woidke verwies darauf, dass immer mehr Reiseländer zu Hochrisikogebieten würden. "Das war zu befürchten", sagte er. "Deshalb brauchen wir konsequente Einreisekontrollen."

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (59, SPD).
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (59, SPD).  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/POOL/dpa

Update, 25. Juli, 15.37 Uhr: Söder will mit Unionsländern über Schüler-Impfprogramm sprechen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (54, CSU) will mit den unionsgeführten Ländern rasch über seine Pläne für ein Schüler-Impfprogramm gegen das Coronavirus sprechen.

"Deshalb habe ich die Ministerpräsidenten der B-Länder vorsorglich für diesen Dienstag zu einer Schalte eingeladen", sagte der CSU-Chef der Augsburger Allgemeine (Montag). Ob diese Schalte tatsächlich stattfindet, stand nach Angaben eines Regierungssprechers am Sonntag noch nicht fest.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (54, CSU).
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (54, CSU).  © Sven Hoppe/dpa

Update, 25. Juli, 13.51 Uhr: Laschet gegen Impfpflicht und Einschränkungen für Ungeimpfte

Der Kanzlerkandidat der Union, Armin Laschet, hat sich gegen eine Impfpflicht und Einschränkungen für Ungeimpfte in der Corona-Pandemie ausgesprochen.

"Ich halte nichts von Impfpflicht und halte auch nichts davon, auf Menschen indirekt Druck zu machen, dass sie sich impfen lassen sollen", sagte der CDU-Chef am Sonntag im Sommerinterview des ZDF. Priorität müsse nun haben, möglichst viele Bürger von der Impfung gegen Corona zu überzeugen.

Laschet dagegen betonte, das Prinzip, dass man entweder geimpft, getestet oder genesen sein müsse, um bestimmte Dinge zu tun, sei richtig. "In einem freiheitlichen Staat gibt es Freiheitsrechte, nicht nur für bestimmte Gruppen", betonte er. Das Ziel müsse sein, die Pandemie so zu bekämpfen, dass alle Freiheits- und Grundrechte wieder in Kraft gesetzt werden.

Update, 25. Juli, 13.26 Uhr: Salzburg feiert Klassik mit FFP2-Masken - Festspiele eröffnet

Vor großem Publikum mit FFP2-Masken sind am Sonntag die Salzburger Festspiele eröffnet worden.

Als Festredner warb der Philosoph und frühere deutsche Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin für eine beherzte Verteidigung der Demokratie: Den Dystopien von Klimawandel, drohendem Atomkrieg und Digitalisierung mit immer mehr Maschinenmacht müsse etwas Positives entgegengesetzt werden. "Es gibt eine humanistische Utopie", sagte Nida-Rümelin. "Sie heißt Demokratie." Die Kunst führe aus dem Alltagsleben heraus und verändere den Blick, sagte Nida-Rümelin im Vorfeld in einem Interview. Sie habe damit auch etwas Utopisches.

Eigentlich sollte das bedeutendste Klassik-Festival der Welt ohne Corona-Auflagen stattfinden. Aber einen Tag nach der ersten Premiere, die schon am 17. Juli stattfand, war ein geimpfter Gast positiv auf das Coronavirus getestet worden. Deshalb wurde die FFP2-Maskenpflicht eingeführt.

Auch der Berliner Schauspieler Lars Eidinger (45) nimmt an der Eröffnung der Salzburger Festspiele teil.
Auch der Berliner Schauspieler Lars Eidinger (45) nimmt an der Eröffnung der Salzburger Festspiele teil.  © Barbara Gindl/APA/dpa

Update, 25. Juli, 13.12 Uhr: Slowakisches Parlament billigt Erleichterungen für Geimpfte

In der Slowakei soll das digitale Covid-Zertifikat der EU künftig als Eintrittskarte zum Beispiel für Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe dienen können.

Das Parlament in Bratislava schuf dafür am Sonntag die rechtliche Grundlage. Dafür stimmten nach Angaben der Agentur TASR 77 Abgeordnete des Nationalrats. Es gab 55 Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Zum Einsatz kommen soll der sogenannte Grüne Pass erst im Fall einer weiteren Coronavirus-Welle. Das Zertifikat gibt Aufschluss über eine vollständige Impfung oder einen negativen Test.

Das Gesetzesvorhaben war von heftigen Protesten begleitet worden. Am Freitag hatte die Polizei Tränengas eingesetzt, um Hunderte Impfgegner an der Stürmung des Parlamentsgebäudes zu hindern. Bei den Zusammenstößen wurde eine Polizistin verletzt.

Update, 25. Juli, 12.34 Uhr: Britischer Gesundheitsminister verärgert mit Äußerung zu Corona

Mit einer Aussage zu Corona hat der neue britische Gesundheitsminister, Sajid Javid (51), Kritik auf sich gezogen.

"Bitte lasst euch impfen, wenn ihr es noch nicht getan habt, während wir lernen, mit dem Virus zu leben, anstatt uns davor wegzuducken", twitterte Javid am Samstagnachmittag. Der Tweet wurde inzwischen gelöscht.

Die Organisation Covid-19 Bereaved Families for Justice, die Angehörige von an Covid-19 Gestorbenen vertritt, bezeichnete den Kommentar als "zutiefst unsensibel", wie die BBC am Sonntag berichtete. Die Kritik bezog sich vor allem auf Javids Wortwahl: Er hatte das englische Wort "cower" benutzt, das sich im Deutschen mit "wegducken" oder "kauern" übersetzen lässt.

In seinem Tweet gab Javid auch seine eigene Genesung bekannt. Der Minister war vor einer Woche trotz vollständiger Impfung positiv auf Corona getestet worden, hatte aber nur milde Symptome gezeigt. Premierminister Boris Johnson (57) musste nach einer Sitzung mit Javid ebenfalls in Quarantäne.

Update, 25. Juli, 11.55 Uhr: Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen in Europa

In mehreren europäischen Ländern haben Tausende Menschen gegen wieder strengere Corona-Maßnahmen und gegen Nachteile für Ungeimpfte demonstriert.

In Frankreich gingen am Samstag landesweit mehr als 160.000 Menschen auf die Straßen, wie der französische Nachrichtensender Franceinfo berichtete. Sowohl dort als auch bei einer Demonstration von Impfgegnern in Athen kam es zu Ausschreitungen und Festnahmen. In Rom protestierten 3000 Menschen unter anderem gegen das digitale Corona-Zertifikat der EU, auch in anderen italienischen Städten wurde Medienberichten zufolge demonstriert.

In allen drei Ländern haben die Regierungen zuletzt die Corona-Maßnahmen angesichts steigender Infektionszahlen wieder verschärft. In Frankreich wurde eine Impfpflicht für Gesundheitspersonal auf den Weg gebracht, in Griechenland ist eine solche bereits verfügt worden.

24.07.2021, Frankreich, Paris: Demonstranten nehmen auf der «Droits de l'homme»-Esplanade am Trocadero-Platz an einem Protest gegen die Impfpflicht für bestimmte Arbeitszweige und den von der Regierung geforderten obligatorischen Impfass teil. Foto: Alain Jocard/AFP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
24.07.2021, Frankreich, Paris: Demonstranten nehmen auf der «Droits de l'homme»-Esplanade am Trocadero-Platz an einem Protest gegen die Impfpflicht für bestimmte Arbeitszweige und den von der Regierung geforderten obligatorischen Impfass teil. Foto: Alain Jocard/AFP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++  © Alain Jocard/AFP/dpa

Update, 25. Juli, 10.59 Uhr: Zuschauer könnten im Herbst für Premier League Impfnachweis brauchen

Bei Spielen der englischen Fußball-Premier-League könnten ab Oktober nur noch vollständig gegen Corona geimpfte Zuschauer zugelassen werden. Das geht aus Plänen der britischen Regierung hervor, über die die Nachrichtenagentur PA am Sonntag berichtete.

Für andere Sportevents mit mehr als 20.000 Zuschauern könnten dieselben Regeln gelten. "Damit könnte nicht nur eine volle Kapazität in Stadien ermöglicht werden, sondern es hat auch den Bonus, Menschen allen Alters dafür zu belohnen, sich impfen zu lassen", zitiert PA eine Quelle aus Regierungskreisen.

Bei Veranstaltungen ohne Sitzplätze - etwa bei Konzerten - könnte dem Bericht zufolge sogar schon ab 5000 Teilnehmern ein verpflichtender Impfnachweis notwendig werden. Auch in Nachtclubs plant die Regierung von Premierminister Boris Johnson (57), diese zu verlangen. Ein negativer Testnachweis soll in diesem Fall nicht als Ersatz ausreichen.

Die Nachweispflicht wäre eine massive Verschärfung der bislang in England geltenden Regeln.

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa

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