Coronavirus: Viele Bundesländer haben zu wenig Personal zum Kontaktverfolgen

Deutschland/Welt - Das Coronavirus wird Deutschland wohl noch lange Zeit beschäftigen. Abstand halten und Maske tragen dürfte deshalb noch für eine ganze Weile an der Tagesordnung stehen. Örtlich kommt es derzeit auch wieder zu schärferen Maßnahmen zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung.

Ein selbst gebasteltes Abbild eines Coronavirus wird hochgehalten.
Ein selbst gebasteltes Abbild eines Coronavirus wird hochgehalten.  © dpa/Hauke-Christian Dittrich

In Deutschland wurden mittlerweile 287.484 Infektionen bestätigt. 9467 Corona-Patienten starben hierzulande an der Infektion, während 252.663 weitere als genesen gelten (Stand 28. September, 18 Uhr).

Die USA haben weltweit die meisten Fälle registriert: Über 7,1 Millionen Infizierte und 204.790 Tote wurden bereits erfasst (Stand 28. September, 18 Uhr).

Weltweit gibt es insgesamt mehr als 33,15 Millionen bestätigte Infektionen und 998.696 Todesfälle (Stand 28. September, 18 Uhr).

Die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus Sars-CoV-2 gibt es hier im Ticker.

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Update, 28. September, 21.25 Uhr: Tschechische Regierung will wieder Ausnahmezustand verhängen

Angesichts steigender Corona-Zahlen will Tschechien wieder den Ausnahmezustand verhängen. Das sei sicherlich notwendig, sagte Regierungschef Andrej Babis von der populistischen Partei ANO am Montagabend im Fernsehsender Nova. Er gehe davon aus, dass das Kabinett am Mittwoch in Prag zu einer Sondersitzung zusammenkommen werde, um diesen Schritt zu beschließen.

Der Ausnahmezustand galt bereits im Frühjahr für zwei Monate und war Ende Mai ausgelaufen. Er ermöglicht es der Regierung unter anderem, Bürgerrechte wie die Versammlungsfreiheit auszusetzen. Zudem können die Gerichte höhere Strafen verhängen.

In Tschechien sollen am Freitag und Samstag Regionalwahlen sowie Ergänzungswahlen in einem Drittel der Wahlkreise zum Senat, dem Oberhaus des Parlaments, stattfinden. Eine Verschiebung hatte die Regierung zuletzt ausgeschlossen. Bei der Stimmabgabe soll eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden.

Tschechien hatten in den letzten 14 Tagen die höchste Zahl an Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in Europa nach Spanien und Frankreich. Am Sonntag kamen 1305 Fälle hinzu, wie aus Behördendaten hervorging. Das war der höchste Zuwachs an einem Sonntag seit Beginn der Pandemie. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung überstieg die Schwelle von 600. Deutschland hat eine Reisewarnung für ganz Tschechien ausgesprochen.

Roman Prymula, der Gesundheitsminister von Tschechien, spricht über die Entwicklung der Covid19-Epidemie in seinem Land.
Roman Prymula, der Gesundheitsminister von Tschechien, spricht über die Entwicklung der Covid19-Epidemie in seinem Land.  © dpa/CTK/Michal Kamaryt

Update, 28. September, 20.25 Uhr: Bayern prüft Verlängerung für Corona-Teststationen an Autobahnen

Angesichts der hohen Corona-Neuinfektionszahlen unter anderem in Teilen Österreichs erwägt Bayern eine Verlängerung für die Teststationen an den Autobahnen in Grenznähe. Man prüfe derzeit die kurzfristige Verlängerung des Testangebotes für Reiserückkehrer, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Montagabend mit. 

"Dies geschieht auch mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen in grenznahen Regionen in Österreich und Tschechien, die in den zurückliegenden Tagen zu Risikogebieten erklärt wurden", so der Sprecher. Zudem seien die neuen, überarbeiteten Einreisequarantäneregeln des Bundes für Rückkehrer aus Risikogebieten noch nicht veröffentlicht worden.

Eigentlich hatte das Kabinett von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am 8. September beschlossen, die Corona-Teststationen an den Autobahnen, an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg und am Zentralen Omnibusbahnhof München zum Ende der Sommer-Hauptreisezeit einzustellen - und zwar bis zum 30. September, das wäre an diesem Mittwoch. 

Die Autobahn-Teststationen befinden sich an den Raststätten Donautal-Ost (A3), Hochfelln-Nord (A8) und Heuberg (A93). Nun könnte sich dies wieder ändern und der Termin nach hinten verschoben werden.

Am Wochenende hatten sich zeitweise lange Staus vor der Teststation auf der Autobahn 93 gebildet. Nach der Einstufung von Tirol als Risikogebiet gab es dort lange Wartezeiten für die Reiserückkehrer, die sich dort auf eine Infektion mit dem Virus testen lassen wollten.

Das Kabinett hatte beschlossen, die freiwerdenden Testkapazitäten "bedarfsorientiert" etwa für die kommunalen Testzentren in den Landkreisen und kreisfreien Städten zur Verfügung zu stellen. Die Stationen an den Flughäfen München, Nürnberg und Memmingen bleiben.

Eine Frau scannt mit ihrem Smartphone an einem Corona-Testzentrum an der Autobahn 93 (A93) an der Rastanlage Inntal-Ost einen QR-Code, mit dessen Hilfe man sich für den Test anmelden kann.
Eine Frau scannt mit ihrem Smartphone an einem Corona-Testzentrum an der Autobahn 93 (A93) an der Rastanlage Inntal-Ost einen QR-Code, mit dessen Hilfe man sich für den Test anmelden kann.  © dpa/Sven Hoppe

Update, 28. September, 20.20 Uhr: WHO will Corona-Schnelltests für ärmere Länder bereitstellen

Die Weltgesundheitsorganisation WHO setzt auf Corona-Schnelltests zur Bekämpfung der Pandemie in ärmeren Ländern. 120 Millionen sogenannte Antigen-Tests sollen für 133 Länder mit kleinen und mittleren Einkommen zur Verfügung gestellt werden, kündigte die WHO am Montagabend in Genf an. Das soll umfangreiche Tests an Orten ermöglichen, an denen der Nachweis des Virus-Erbguts im Labor (ein sogenannter PCR-Test, wie er standardmäßig zum Nachweis des Virus genutzt wird) nur schwer oder zu langsam möglich ist.

Für das Projekt im Rahmen der WHO-Kampagne "ACT-Accelerator" (Access to Covid-19 Tools Accelerator) hat die Bill and Melinda Gates Stiftung demnach einen Vertrag mit den Herstellern SD Biosensor und Abbott geschlossen, der die Abnahme von 120 Millionen Tests zum Stückpreis von 5 US-Dollar garantiert. Insgesamt wären dafür 600 Millionen US-Dollar nötig. Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria steuert 50 Millionen US-Dollar bei. Darüber hinaus erwarte man Unterstützung von anderen internationalen Institutionen wie Unicef und Weltbank sowie Staaten, sagte der Chef des Fonds, Peter Sands.

"Wenn Länder mit kleinem und mittleren Einkommen auf demselben Niveau testen würden wie Staaten mit hohem Einkommen, würden die 120 Millionen Tests weniger als zwei Wochen reichen", so Sands.

Die WHO empfehle die Schnelltests im Allgemeinen vor allem als Ergänzung zu PCR-Tests, sagte die WHO-Covid-19-Beauftragte Maria van Kerkhove. Antigen-Tests seien vor allem bei hoher Viruslast effizient und könnten helfen, wenn es etwa um die Nachverfolgung von Ausbrüchen rund um mindestens einen bereits per PCR-Test bestätigten Fall gehe. Wo Labortests tagelang dauern würden, seien Antigen-Tests dennoch eine sinnvolle Alternative.

Die Tests suchen in Abstrich-Proben nicht aufwendig nach dem Erbgut des Virus, sondern nach Molekülen, die charakteristisch für die Viren sind. Ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest wird innerhalb von 15 bis 30 Minuten auf einem Teststreifen angezeigt, ob das gesuchte Molekül gefunden wurde und die Person positiv ist oder nicht.

Ein Wissenschaftler zeigt einen Corona-Schnelltest.
Ein Wissenschaftler zeigt einen Corona-Schnelltest.  © dpa/Bodo Schackow/dpa-Zentralbild

Update, 28. September, 20.15 Uhr: Niederlande verschärfen Corona-Regeln für drei Wochen

Die Niederlande verschärfen angesichts schnell steigender Fallzahlen ihre Corona-Regeln für zunächst drei Wochen. "Jeder hat die alarmierenden Berichte gesehen", sagte Ministerpräsident Mark Rutte am Montagabend in Den Haag. Daraus müssten jetzt Konsequenzen gezogen werden.

Dazu gehört, dass ab Dienstagabend alle Sportveranstaltungen ohne Publikum stattfinden müssen. Cafés und Restaurants müssen um 22 Uhr schließen und dürfen ab 21 Uhr keine neuen Gäste mehr einlassen. Außerdem dürfen insgesamt nur noch 30 Menschen zugleich in einem Lokal sein, im Freien 40.

Für alle Kontaktberufe wie Friseur oder Masseur ist eine Registrierung der Kunden verpflichtend. Mund- und Nasenschutz wird für Geschäfte empfohlen, ist aber nicht Pflicht. Die Niederlande sind bei Gesichtsmasken bisher sehr zurückhaltend gewesen. Zuhause soll man nur noch drei Gäste empfangen. Außerdem sollen alle wieder möglichst von zu Hause aus arbeiten.

"Entweder wir schaffen es, die Zahl der Infizierungen zu senken oder wir schaffen es nicht", sagte Gesundheitsminister Hugo de Jonge. "Dann sind härtere Maßnahmen nötig." Dies könne die Stilllegung des gesamten Gastronomie-, Sport- und Kultursektors sein. Es gehe dann wieder in Richtung Lockdown.

Die Zahl der Corona-Infektionen ist in den Niederlanden zuletzt stark angestiegen. Am Samstag gab es laut der Universität Johns Hopkins rund 2760 Neuinfektionen in dem Land mit rund 17,5 Millionen Einwohnern. Die täglichen Fallzahlen waren damit höher als in Deutschland, das mehr als viermal so viele Einwohner hat.

Update, 28. September, 20.10 Uhr: Bundesländern fehlen Teams zur Kontaktverfolgung bei Corona

Einige Bundesländer haben zu wenig Personal zur Kontaktnachverfolgung bei Coronavirus-Infektionen im Einsatz - anders als im April verabredet. Bund und Länder hatten sich damals verständigt, mindestens fünf Personen pro 20.000 Einwohner einzusetzen. Auf Anfrage von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" (Dienstag-Ausgabe) erklärten jedoch mehrere Länder, aktuell seien weniger Teams im Einsatz.

Bayern hat demnach beispielsweise 13 Millionen Einwohner, also müssten dort 650 Teams zur Verfügung stehen. Der FDP-Landtagsabgeordnete Sebastian Körber erhielt den Angaben zufolge vergangene Woche jedoch die Auskunft der Staatsregierung, dass nur 288 solcher Teams "im Einsatz" seien. 

Baden-Württemberg müsste dem Bericht zufolge gemessen an der Bevölkerungszahl 553 solche Teams haben. Tatsächlich gibt es dort nach Auskunft des Gesundheitsministeriums aber nur 292, bis Ende dieser Woche sollen es 314 Teams sein.

In Hessen gebe es 268 Teams, gefordert wären 313, im Saarland existieren 34 Teams, nötig wären 50. Nur Bremen hat dem Bericht zufolge nach eigenen Angaben ausreichend Personal für diese Aufgabe. Die anderen Länder antworteten demnach ausweichend, gar nicht oder gaben an, dass ihnen diese Zahlen nicht vorliegen.

Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Berlin-Mitte mit Gesichtsschutzschirmen telefonieren im Lagezentrum des Gesundheitsamtes Mitte.
Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Berlin-Mitte mit Gesichtsschutzschirmen telefonieren im Lagezentrum des Gesundheitsamtes Mitte.  © dpa/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild

Update, 28. September, 19.25 Uhr: Corona nach Hochzeit in Polen - Gesundheitsamt sucht Kontaktpersonen

Nach einer Corona-Infektion von drei Personen aus dem Kreis Nordfriesland im Nachgang einer Hochzeit sucht das Gesundheitsamt nach Kontaktpersonen im Norden. Insgesamt hätten sieben Personen aus dem Kreis an der Hochzeitsfeier Mitte September in Polen teilgenommen, sagte Kreissprecher Hans-Martin Slopianka am Montag. 

Weil sich Symptome aber erst später zeigten, seien die Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus erst später festgestellt worden. Zuvor hatten die "Husumer Nachrichten" über den Fall berichtet.

Laut dem Kreis hatten die Hochzeitsgäste in den vergangenen Tagen im Norden diverse Kontakte, die das Gesundheitsamt nun aufwendig zu rekonstruieren versucht. Die Suche dauere weiter an, sagte Slopianka. Betroffen sei beispielsweise auch eine Kita in Klanxbüll, die derzeit im Notbetrieb ist. Demnach hatte einer der Hochzeitsgäste Kontakt zu mehreren Erziehern der Einrichtung. Alle fünf wurden zwar negativ auf Covid-19 getestet, bei dreien sei der Kontakt aber eng gewesen. Sie müssten vorerst in Quarantäne bleiben, sagte der Kreissprecher.

Update, 28. September, 19.20 Uhr: Gastronomen in Paris verärgert über neue Corona-Regeln

Bei Pariser Gastronomen wächst der Ärger über die neuen Corona-Maßnahmen. Das Schließen von Bars ab 22 Uhr sei ungerechtfertigt, diskriminierend und kontraproduktiv, prangerte der Hotel- und Gastroverband GNI am Montag an. Der Verband betonte, dass Restaurants und Bars strenge Hygienemaßnahmen einhalten würden.

Die Regierung hatte in der vergangenen Woche angeordnet, dass in Paris und anderen größeren Städten wie Toulouse oder Lille ab Montag Bars zwischen 22 und 6 Uhr geschlossen bleiben müssen. Für Großveranstaltungen gilt nun außerdem eine Begrenzung von 1000 Personen - im öffentlichen Raum dürfen sich nicht mehr als zehn Menschen treffen. Sporthallen müssen geschlossen bleiben.

Paris ordnete an, dass der Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen und der Konsum auf öffentlichen Plätzen ab 22 Uhr verboten ist. In dieser Zeit sei auch das Abspielen von Musik auf der Straße nicht erlaubt, so die Stadt. Restaurants dürfen auch nach 22 Uhr geöffnet bleiben - Alkohol darf allerdings nur zusammen mit einer Mahlzeit verkauft werden.

In Marseille mussten Bars und Restaurants aufgrund der angespannten Corona-Lage komplett schließen. Gastronomen hatten am Wochenende in der südfranzösischen Hafenmetropole dagegen demonstriert. Die örtlichen Behörden warfen der Regierung in Paris vor, ohne Absprache über ihre Köpfe hinweg entschieden zu haben. Sie konnten durchsetzen, dass die Schließungen vorerst nur 7 statt 15 Tage andauern sollen.

Menschen sitzen an Tischen in einem Restaurant in Paris.
Menschen sitzen an Tischen in einem Restaurant in Paris.  © dpa/AP/Lewis Joly

Update, 28. September, 18.20 Uhr: Bund will sich Rekordsumme an Finanzmärkten leihen

Der Bund will sich zur Bewältigung der Folgen der Corona-Krise eine Rekordsumme an den Finanzmärkten leihen. Allein in den Monaten Oktober bis Dezember sollen Bundeswertpapiere in einem Volumen von 50,5 Milliarden Euro platziert werden, teilte die für das Schuldenmanagement zuständige Finanzagentur am Montag mit. Das sind sechs Milliarden Euro mehr als ursprünglich geplant. Für das gesamte Jahr wird ein Volumen von 407 Milliarden Euro angepeilt, die höchste Summe seit Gründung der Finanzagentur vor 20 Jahren.

Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise hat die Bundesregierung eine deutliche Ausweitung der Staatsverschuldung beschlossen. Die deutsche Wirtschaft ist in eine tiefe Rezession gerutscht. Außerdem sorgt die Krise für starke Ausfälle bei den Steuereinnahmen.

Das Volumen der Wertpapiere, die am Markt platziert werden, liegt damit deutlich höher als im Jahr 2009, als die deutsche Wirtschaft im Zuge der globalen Finanzkrise in eine tiefe Rezession gerutscht war. Für das Jahr 2009 bezifferte die Finanzagentur das Emissionsvolumen auf 334 Milliarden Euro.

Außerdem soll im November zum zweiten Mal eine sogenannte grüne Bundesanleihe auf den Markt gebracht werden, hieß es in der Mitteilung. Anfang September hatte der Bund die erste "grüne Anleihe" mit einer Laufzeit von zehn Jahren angeboten, die auf hohe Nachfrage stieß. Bei der zweiten Auflage handelt es sich den Angaben zufolge um ein Wertpapier mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Der Bund will sich als Anbieter am grünen Anleihemarkt etablieren und einen Beitrag zur Entwicklung nachhaltiger Finanzprodukte leisten.

Update, 28. September, 18.15 Uhr: Müller rechnet mit Verschärfung von Corona-Regeln

Angesichts steigender Infektionszahlen in Berlin wie bundesweit stimmt Berlins Regierungschef Michael Müller die Bevölkerung auf eine mögliche Verschärfung von Corona-Regeln ein, darunter bei den Kontaktmöglichkeiten. "Ich glaube schon, dass wir etwas neu verabreden werden", sagte der SPD-Politiker vor der Senatssitzung und einer Schalte der Länderchefs mit Kanzlerin Angela Merkel am morgigen Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

"Das muss nicht heißen, dass die Beschlüsse auch sofort umgesetzt werden", so Müller. "Aber ich glaube, dass es Beschlüsse sein müssen, die uns schnell Handlungsmöglichkeit geben, wenn eine Situation bundesweit eskaliert oder unsere Ampeln in Berlin von Gelb auf Rot springen."

Ziel sei es, einen Lockdown zu verhindern. "Aber wir wollen natürlich zielgerichtet agieren und jetzt nicht einfach sagen, ganz breit wird alles wieder eingeschränkt", erläuterte Müller. "Wir werden schon genau hinsehen, wo sich die Infektionsherde befinden. Bisher ist für uns nicht erkennbar, dass Schulen, der Arbeitsplatz, die Kultur oder Sportveranstaltungen dazugehören. Vielmehr kommt es zum Beispiel bei privaten Feiern vermehrt zu Infektionen."

Nun sei die Frage, wie man dafür einen Hebel findet. "Höchstwahrscheinlich wird es so sein, dass die Kontaktmöglichkeiten wieder eingeschränkt werden müssten."

Müller machte deutlich, dass er eine allgemeine Maskenpflicht im öffentlichen Raum - also auch dort, wo genügend Abstand einzuhalten ist - nicht für sachgerecht hält. Das gelte auch für ein allgemeines Alkoholverbot. "Das heißt, dass wir wahrscheinlich darüber diskutieren, ob ein Alkoholverbot oder eine Maskenpflicht zu bestimmten Uhrzeiten oder an bestimmten Orten sachgerecht ist."

Michael Müller (SPD), Berlins Regierender Bürgermeister.
Michael Müller (SPD), Berlins Regierender Bürgermeister.  © dpa/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild

Update, 28. September, 18.10 Uhr: Verstöße gegen Corona-Regeln: Privatparty in Gelsenkirchen aufgelöst

Die Stadt Gelsenkirchen hat am Wochenende erstmals eine Party wegen erheblicher Verstöße gegen die lokal verschärften Corona-Regeln aufgelöst. Mit 100 Gästen seien in der angemieteten Gaststätte doppelt so viele Menschen gewesen wie zulässig, teilte die Stadt am Montag mit. Zudem sei gegen die geltenden Hygieneregeln verstoßen worden. 

Den Vermieter der Gaststätte sowie den Veranstalter der den Behörden nicht gemeldeten privaten Feier erwarte ein Ordnungswidrigkeitsverfahren sowie ein Zwangsgeld. Nachbarn der Gaststätte hatten sich über laute Musik beschwert und das Ordnungsamt verständigt. Gemeinsam mit der Polizei schritten die Ordnungskräfte am Samstag ein, schickten die Gäste nach Hause und versiegelten die Zugänge zur Gaststätte.

Seit der vergangenen Woche dürfen in der Ruhrgebietsstadt Feste nur mit höchstens 50 Teilnehmern und unter Einhaltung strenger Auflagen stattfinden. Die Anordnung gilt, weil die Neuinfektionen auf den kritischen Warnwert von mehr als 35 neuen Fällen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen geklettert waren, ab dem Kommunen und Kreise besondere Gegenmaßnahmen zur Eindämmung ergreifen müssen. Nach Angaben des RKI lag der Sieben-Tage-Wert am Montag weiterhin bei mehr als 37 - der dritthöchste Wert in NRW nach Remscheid und Hamm.

Ein Polizeiauto steht auf einer Straße.
Ein Polizeiauto steht auf einer Straße.  © dpa/Caroline Seidel

Update, 28. September, 17.35 Uhr: Schleppende Ticketerstattung: Verbraucherzentrale verklagt Lufthansa

Wegen der schleppenden Ticketerstattung bei stornierten Flügen hat die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nun die Lufthansa verklagt. Die Verbraucherschützer hatten das Unternehmen abgemahnt, die Kunden über ihre Rechte zu informieren, das Recht auf schnelle Erstattung nicht zu verschweigen und zudem den Flugpreis innerhalb der gesetzlichen Frist von sieben Tagen zurückzuzahlen. Da die Fluggesellschaft nicht auf die Abmahnung reagiert habe, sei nun Klage beim Landgericht Köln erhoben worden, berichtete die Zentrale am Montag. Ein Verhandlungstermin stehe noch nicht fest.

Die vom Staat gestützte Lufthansa hatte in der Corona-Krise seit März Millionen Tickets storniert und nicht fristgemäß erstattet, wie sie selbst eingeräumt hat. Im laufenden Jahr seien inzwischen konzernweit Tickets in einem Gesamtwert von 2,8 Milliarden Euro an rund 6,6 Millionen Passagiere erstattet worden, hatte es vor zehn Tagen geheißen. Offen seien noch rund 900.000 Vorgänge. Die Klage des Verbandes sei noch nicht eingegangen, erklärte eine Sprecherin des Unternehmens am Montag in Frankfurt. Zu laufenden Verfahren werde man sich nicht äußern.

Der Reiseexperte der Verbraucherzentrale, Oliver Buttler, warf dem Unternehmen anhand konkreter Fälle gezielte Desinformation vor, indem bevorzugt Umbuchungen angeboten und nicht über die mögliche Rückerstattung informiert worden seien. 

"Verbraucher, die nicht wissen, dass sie einen Anspruch auf die Rückzahlung haben, werden durch die falschen Informationen getäuscht", erklärte Buttler. "Gerade ein Unternehmen, das durch staatliche Mittel massiv unterstützt wird, darf sich nicht so vor seiner Verantwortung und vor seinen gesetzlichen Pflichten drücken."

Die Zentrale hat nach eigenen Angaben bereits in sechs weiteren Fällen Unterlassungsklagen eingereicht, darunter gegen die DER Touristik und die Lufthansa-Tochter Eurowings. Mehrere Unternehmen hätten aber auch die geforderten Unterlassungserklärungen abgegeben, hieß es.

Eine Lufthansamaschine rollt über die Startbahn am Flughafen Frankfurt.
Eine Lufthansamaschine rollt über die Startbahn am Flughafen Frankfurt.  © dpa/Andreas Arnold

Update, 28. September, 17.20 Uhr: Corona-Zahlen im Landkreis Dingolfing-Landau weiter über Grenzwert

Im Landkreis Dingolfing-Landau liegen die Corona-Zahlen weiterhin deutlich über der kritischen Marke von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Wie das Landesamt für Gesundheit (LGL) am Montag berichtete, war dieser Wert mit 63,4 ähnlich hoch wie in der Vorwoche.

Der zweithöchste Wert im Freistaat wurde mit 38,9 im Landkreis Rhön-Grabfeld registriert. Wie dort wurde auch in der Landeshauptstadt, die vor einigen Tagen den Grenzwert 50 ebenfalls überschritten hatte, erneut ein Rückgang festgestellt. Mit einem Sieben-Tages-Wert von 37,6 lag München allerdings immer noch knapp über der Vorwarnstufe von 35. Danach kamen der Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge (32,8) und die Stadt Fürth (30,5).

Im gesamten Freistaat sind bisher 67.375 Menschen positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet worden (Stand: Montag, 8 Uhr). Im Freistaat sind bislang 2657 Menschen gestorben, die sich mit dem Erreger infiziert hatten. Als genesen galten rund 59.240 Menschen.

"Landkreis Dingolfing-Landau" steht neben dem Wappen des Landkreises.
"Landkreis Dingolfing-Landau" steht neben dem Wappen des Landkreises.  © dpa/Armin Weigel

Update, 28. September, 16.55 Uhr: Vom Urlaub zum Test: Corona-Teststationen an der Autobahn machen zu

Lang waren die Schlangen der Reiserückkehrer an den Corona-Teststationen in den Urlaubswochen. Nun werden die Stellen an den Autobahnen A5 auf Höhe Neuenburg-Ost, auf der A8 am Rastplatz Kemmental-Ost sowie am Stuttgarter Hauptbahnhof und am Flughafen Friedrichshafen eingestellt, wie das baden-württembergische Sozialministerium ankündigte. 

Während dort bereits zum 1. Oktober keine Tests mehr angeboten werden, soll es diese Möglichkeit an den Flughäfen Stuttgart und Karlsruhe/Baden-Baden bis mindestens Ende Oktober geben.

"Der Betrieb der Sonder-Teststationen war wichtig und erfolgreich", zog Sozialminister Manne Lucha (Grüne) am Montag Bilanz. Insgesamt wurden nach seinen Angaben an den sechs Einrichtungen für Reiserückkehrende bisher etwa 190.000 Menschen getestet. Bei rund 1500 von ihnen fiel das Testergebnis positiv aus.

Eine elektronische Anzeigetafel weist an der Autobahn 5 auf die Einfahrt zum Corona-Testzentrum hin.
Eine elektronische Anzeigetafel weist an der Autobahn 5 auf die Einfahrt zum Corona-Testzentrum hin.  © dpa/Philipp von Ditfurth

Update, 28. September, 16.45 Uhr: Positive Corona-Tests auf der "Mein Schiff 6" in der Ägäis

Auf dem Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 6" der Reederei Tui Cruises sind zwölf Besatzungsmitglieder positiv auf das Coronavirus getestet worden. "Am Montagfrüh haben wir von einem externen Labor positive Testergebnisse von zwölf Crew-Mitgliedern der 'Mein Schiff 6' erhalten", teilte TUI Cruises in Hamburg mit. Das Schiff ist nun auf dem Weg in die Hafenstadt Piräus nahe Athen. An Bord befinden sich den Angaben zufolge 922 Passagiere und 666 Crew-Mitglieder.

Bei der gesamten Besatzung seien in den vergangenen 14 Tagen keine Auffälligkeiten festgestellt worden, keines der zwölf Crew-Mitglieder habe Symptome gezeigt, hieß es bei Tui Cruises. Die Betroffenen seien an Bord isoliert worden und würden erneut getestet. 

Wie die ersten Befunde ausfielen und wie es für die Passagiere an Bord weitergeht, lest Ihr hier.

Das Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 6" liegt im Hafen.
Das Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 6" liegt im Hafen.  © 123RF/Marcel Ibold

Update, 28. September, 16.40 Uhr: Umfrage: Viele Menschen blicken skeptisch auf Corona-Winter

Nur etwa jeder dritte Mensch in Deutschland (36,1 Prozent) ist einer Umfrage zufolge zuversichtlich, dass die Corona-Pandemie in der kalten Jahreszeit unter Kontrolle bleibt. 41,6 Prozent sind hingegen "eher nicht" oder "gar nicht" zuversichtlich, wie die Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Funke-Mediengruppe ergeben hat. Weitere 21,1 Prozent der Teilnehmer sehen den kommenden Monaten offenbar mit gemischten Gefühlen entgegen und wählten die Antwortmöglichkeit "teils/teils".

Unter den Zuversichtlichen sind Männer (39,2 Prozent) etwas häufiger vertreten als Frauen (33,2 Prozent). Die Befragten der Altersgruppe 18 bis 29 Jahre (42,3 Prozent) gaben sich optimistischer als die 40- bis 49-Jährige (30,7 Prozent) und die Über-65-Jährigen (38,5 Prozent).

Bei den Anhängern der Parteien ist die Diskrepanz zwischen Grünen- und FDP-Wählern am größten: Während nur 25,8 Prozent der Grünen-Anhänger zuversichtlich auf die kalte Jahreszeit blicken, äußerten sich 49,1 Prozent der FDP-Anhänger dementsprechend.

Passanten tragen Mundschutze, während sie auf einer Straße gehen.
Passanten tragen Mundschutze, während sie auf einer Straße gehen.  © dpa/XinHua/Gideon Markowicz

Update, 28. September, 16.15 Uhr: Hans: Keine Denkverbote bei weiterer Bekämpfung von Corona

Bei der weiteren Bekämpfung der Corona-Pandemie darf es laut Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) grundsätzlich keine Denkverbote geben. "Es kommt darauf an, einen Weg zu finden, mit dem wir es Sars-CoV-2 so schwer wie möglich machen und gleichzeitig den Menschen in unserem Land nur so wenige Einschränkungen wie nötig abverlangen", sagte er am Montag mit Blick auf die Beratungen der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Dienstag. "Das ist ein schwieriger Spagat, aber ich bin überzeugt, dass wir ihn gemeinsam meistern können."

Hans sagte weiter, er erwarte von der MPK "ein Signal der politischen Führung in der Krise: Es ist jetzt nicht die Zeit für Partys und Treffen ohne Abstand und Maske". Wie dieses "Signal" ausgestaltet werden könne, darüber solle am Dienstag beraten werden.

Klar sei: Die Deutschen dürften "nicht leichtfertig werden" und die bisher "stabile Situation verspielen". Man müsse davon ausgehen, dass die Infektionszahlen im Herbst und im Winter wieder "deutlich ansteigen".

Tobias Hans (CDU), Ministerpräsident des Saarlandes.
Tobias Hans (CDU), Ministerpräsident des Saarlandes.  © dpa/Oliver Dietze

Update, 28. September, 16.12 Uhr: Pflegeheim in Neu Wulmstorf nach Corona-Ausbruch unter Quarantäne

In einem Pflegeheim in Neu Wulmstorf haben sich 40 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert - es wurde daher unter Quarantäne gestellt. Das Gesundheitsamt habe strikte Hygienemaßnahmen angeordnet, Besucher dürften das Heim derzeit nicht betreten, teilte der Landkreis Harburg am Montag mit. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen seien sieben Mitarbeiter sowie 33 Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden. In der Einrichtung leben nach Angaben eines Landkreissprechers etwa 120 Menschen.

Die Infektionen wurden dem Landkreissprecher zufolge festgestellt, nachdem eine Bewohnerin aus anderen Gründen in ein Krankenhaus verlegt worden war. "In enger Abstimmung mit dem Landesgesundheitsamt haben wir alle Maßnahmen ergriffen, um Kontaktpersonen zu ermitteln, Infektionsketten zu unterbrechen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern", sagte Landrat Rainer Rempe. Die Bewohner würden in ihren Zimmern versorgt, nur in einem Fall habe es eine Verlegung in ein Krankenhaus gegeben.

Das Gesundheitsamt habe sämtliche Bewohner und Mitarbeiter testen lassen. Weitere Ergebnisse standen zunächst aber noch aus. "Die Lage im Pflegeheim führt uns noch einmal deutlich vor Augen, wie fragil die Situation zurzeit ist", betonte Landrat Rempe. 

Titelfoto: dpa/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild

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