Coronavirus: Sinkende Antikörper-Zahl dämpft Hoffnung auf Impfstoff

Deutschland/Welt - Die Lage rund um das neuartige Coronavirus in Deutschland hat sich in den zurückliegenden Wochen weiter entspant. Grund zur Entwarnung gibt es laut Bundesregierung und RKI jedoch nicht.

Ein Mann geht in Zeiten der Coronavirus-Pandemie an einem Maskenautomaten im Flughafen Stuttgart vorbei.
Ein Mann geht in Zeiten der Coronavirus-Pandemie an einem Maskenautomaten im Flughafen Stuttgart vorbei.  © dpa/Sebastian Gollnow

Viele Politiker sprechen sich weiterhin für das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung aus. Auch Abstandhalten ist nach wie vor eine wichtige und effektive Maßnahme, um eine Infektion mit dem neuartigen Virus zu vermeiden.

In Deutschland summierte sich die Fallzahl mittlerweile auf 199.709 bestätigte Infektionen. 9070 Corona-Patienten starben an der Infektion, 184.266 gelten mittlerweile als genesen (Stand 11. Juli, 22.30 Uhr).

Weiterhin haben die USA weltweit die meisten Fälle registriert - über 3,22 Millionen Infizierte wurden erfasst. 134.580 Personen sind dort bereits gestorben (Stand 11. Juli, 22.30 Uhr).

Weltweit gibt es nun insgesamt über 12,58 Millionen bestätigte Fälle und 562.137 Todesfälle (Stand 11. Juli, 22.30 Uhr).

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Update, 12. Juli, 10.17 Uhr: Regionalwahlen in Nordspanien im Schatten von Corona

Im Baskenland und in Galicien in Nordspanien wählen die Menschen am Sonntag unter strengen Corona-Auflagen neue Regionalregierungen. Ausreichender Sicherheitsabstand, Maskenpflicht, Handhygiene am Eingang, Wahlkabinen ohne Vorhänge und eine gute Lüftung der Wahllokale sollten das Risiko einer Corona-Ansteckung verringern.

Dennoch standen die Angst vor neuen Infektionen und Sorgen wegen einer befürchteten niedrigen Wahlbeteiligung im Vordergrund. Rund vier Millionen Menschen waren stimmberechtigt, das entspricht in etwa elf Prozent aller Wahlberechtigten in Spanien.

Beim Ergebnis wurden nach einem Wahlkampf auf Sparflamme kaum Überraschungen erwartet. Umfragen sahen in beiden Regionen die bisher regierenden Parteien vor einem erneuten Sieg. Im Baskenland sind das die beiden separatistischen Koalitionsparteien, die liberale PNV und linke EH Bildu, in Galicien die konservative Partido Popular (PP).

Die sozialdemokratisch geprägte spanische Regierungspartei PSOE von Ministerpräsident Pedro Sánchez spielt in beiden Regionen keine entscheidende Rolle. Den Wahlen wird deshalb auch kein Testcharakter für die umstrittene Corona-Politik der Regierung Sánchez beigemessen.

Für erheblichen Ärger sorgte der Ausschluss von rund 500 Corona-Infizierten von den Wahlen. Der angesehene Professor für Verwaltungsrecht, Andrés Betancor, betonte im Interview mit der Zeitung "El Mundo" (Samstag), Kranke dürften zwar unter Quarantäne gestellt werden, die Ausübung ihres Wahlrechts aber müsse auch dann garantiert sein, wenn diese zuvor nicht von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch gemacht hätten.

Die Wahlen sollten ursprünglich am 5. April stattfinden, waren aber wegen der Pandemie verschoben worden. Es sind die ersten Wahlen im einstigen Corona-Hotspot Spanien seit dem Ausbruch der Pandemie. Mit belastbaren Ergebnissen wurde bis spätestens Mitternacht gerechnet.

Spanien: Felipe VI. (l), König von Spanien, und Königin Letizia (M) grüßen die Schaulustigen bei einem Spaziergang durch Santo Domingo de la Calzada, La Rioja.
Spanien: Felipe VI. (l), König von Spanien, und Königin Letizia (M) grüßen die Schaulustigen bei einem Spaziergang durch Santo Domingo de la Calzada, La Rioja.  © Show Fotografía/EUROPA PRESS/dpa

Update, 12. Juli, 8.24 Uhr: Sinkende Zahl der Corona-Antikörper dämpft Hoffnung auf Impfstoff

Neue Untersuchungen von genesenen Covid-19-Patienten dämpfen die Hoffnung auf eine lang anhaltende Immunität und damit auch auf eine lange Wirksamkeit einer möglichen Impfung.

Bluttests der ersten Corona-Patienten in Deutschland, die Ende Januar in der München Klinik Schwabing behandelt wurden, zeigten ein deutliches Absinken der Anzahl von sogenannten neutralisierenden Antikörpern im Blut, berichtete Clemens Wendtner, Chefarzt der dortigen Klinik für Infektiologie.

"Bei vier der neun Patienten sehen wir sinkende neutralisierende Antikörper in einem sehr speziellen Test, der nur in einem Hochsicherheitslabor erfolgen kann", sagte Wendtner. "Inwieweit dies Auswirkungen für die Langzeitimmunität und die Impfstrategien hat, ist derzeit noch spekulativ, muss aber im weiteren Verlauf kritisch beobachtet werden." Es deute aber darauf hin, dass nach durchgemachter Krankheit eine Neuansteckung möglich sei.

Dies müsse weiter beobachtet werden, sagte Wendtner. Für die Langzeitimmunität sei neben der sogenannten B-Zell-assoziierten über Antikörper gemessenen Immunität auch die sogenannte T-Zell-Immunität relevant. Wenn Patienten neutralisierende Antikörper verlören, könne diese eventuell einen Schutz geben. T-Lymphozyten können virusinfizierte Zellen gezielt abtöten, wenn sie zuvor ihren Gegner einmal kennen gelernt haben.

Wendtners Erkenntnisse reihen sich ein in Erfahrungen anderer Wissenschaftler und Studienergebnisse. Chinesische Forscher berichteten im Fachblatt "Nature Medicine", dass die Antikörper nach zwei Monaten vor allem bei Patienten mit symptomfreiem Verlauf stark zurückgingen, aber auch bei tatsächlich erkrankten Patienten fielen die Werte deutlich. Patienten mit wenig Symptomen hatten zudem weniger Antikörper und somit eine schwächere Immunantwort entwickelt.

Neue Untersuchungen dämpfen die Hoffnung auf eine Corona-Impfung mit langer Wirksamkeit.
Neue Untersuchungen dämpfen die Hoffnung auf eine Corona-Impfung mit langer Wirksamkeit.  © Sebastien Decoret, Kateryna Kon/123RF

Update, 12. Juli, 7.30 Uhr: Kurz stellt Bedingungen für EU-Hilfspaket

Im Ringen um eine Einigung über ein EU-Milliardenhilfspaket in der Corona-Krise hat der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz Bedingungen für seine Zustimmung gestellt.

"Wenn wir schon sehr viel staatliches Geld in die Hand nehmen, dann sollte es zumindest in die richtigen Bereiche fließen", sagte Kurz der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Allen voran in mehr Forschung und Entwicklung für eine gute digitale Infrastruktur, auch in den technologischen Wandel, der für einen besseren Klimaschutz nötig ist."

Zudem müsse nach seinen Vorstellungen die Vergabe der Hilfsgelder an Reformauflagen wie etwa Bürokratieabbau oder Kampf gegen Steuerhinterziehung gekoppelt werden. "Konditionalität ist nötig, damit das Geld nicht bloß zum Stopfen von Haushaltslöchern dient", sagte er.

Zudem bekräftigte Kurz die Forderung, dass die Empfängerländer zumindest einen Teil der Hilfen später zurückzahlen müssten. "Ich bin dafür, dass es insgesamt eine Balance zwischen Krediten und Zuschüssen gibt und dass die Zuschüsse nicht ins Unermessliche steigen" sagte er.

Österreich gehört mit den Niederlanden, Dänemark und Schweden zu den "Sparsamen Vier", die nicht rückzahlbare Milliardenzuwendungen ablehnen und Finanzhilfen an strikte Reformauflagen knüpfen.

Von den 750 Milliarden Euro des schuldenfinanzierten Wiederaufbauplans sollen nach den Vorstellungen der EU-Kommission 500 Milliarden als Zuschüsse und 250 Milliarden als Kredite vergeben werden.

Vor dem EU-Gipfel am Freitag und Samstag warb Kurz zudem dafür, der Europäischen Union eigene Einnahmequellen zu erschließen. "Nicht nur eine Digitalsteuer, auch CO2-Zölle würde ich begrüßen", sagte er der Zeitung. Im Kampf gegen den Klimawandel sei mehr "Kostenwahrheit" nötig. Es gehöre zu einem fairen und gerecht organisierten Freihandel, auch Klimaschäden etwa durch lange Transportwege zu berücksichtigen.

Österreich, Wien: Sebastian Kurz (ÖVP) spricht während einer Pressekonferenz zur Corona-Pandemie.
Österreich, Wien: Sebastian Kurz (ÖVP) spricht während einer Pressekonferenz zur Corona-Pandemie.  © Hans Punz/APA/dpa

Update, 12. Juli, 7.22 Uhr: Mehr Gewalt in der Corona-Zeit? Ein Blick in die Länder

Seit dem Beginn der Corona-Krise sind in einigen Bundesländern mehr Fälle von häuslicher Gewalt registriert worden. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den zuständigen Ministerien und Behörden der Länder ergeben. Die ersten Zahlen zeichnen aber ein uneinheitliches Bild für die Gesamtsituation in Deutschland.

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Update, 12. Juli, 7.00 Uhr: Deutsche Bahn in der Corona-Krise so pünktlich wie lange nicht

Zwar fahren in der Corona-Krise noch immer deutlich weniger Menschen mit der Bahn als gewöhnlich - doch die kommen so pünktlich ans Ziel wie seit Jahren nicht mehr. Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren im Schnitt 83,5 Prozent der Fernzüge der Deutschen Bahn pünktlich, wie der bundeseigene Konzern am Sonntag mitteilte.

"Zur deutlich gestiegenen Pünktlichkeit hat natürlich auch die geringe Anzahl der Züge während der Corona-Krise beigetragen", hieß es. Demnach erholt sich die Auslastung im Fernverkehr nur langsam und liegt derzeit im Schnitt bei rund 30 Prozent. Zwischenzeitlich waren die Fahrgastzahlen um bis zu 90 Prozent eingebrochen.

Doch auch deutliche Fortschritte beim Baustellenmanagement, eine schnellere Instandsetzung von Zügen sowie generell weniger Störungen an der Infrastruktur hätten zu der Verbesserung beigetragen. "Größere Hallen, erweiterte Werkstätten sowie neue Behandlungs- und Abstellgleise sorgen dafür, dass die Züge schneller und besser instandgehalten und somit rascher zurück in den Betrieb geführt werden können." Inzwischen seien zudem 49 Züge der neuen ICE-4-Reihe im Einsatz.

So pünktlich wie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres war die Bahn eigenen Angaben zufolge zuletzt im Jahr 2008. Noch im vergangenen Jahr lag die Pünktlichkeitsquote im selben Zeitraum bei lediglich 77,2 Prozent. Als pünktlich gilt ein Zug, wenn er nicht mehr als sechs Minuten hinter dem Fahrplan am Ziel ankommt.

Die niedrige Auslastung hilft zwar dabei, den Fernverkehr zuverlässiger fahren zu lassen. Doch weil das Angebot in der Krise nur maximal um ein Viertel reduziert worden war, hat der Konzern hohe Verluste eingefahren. Ein deftiges Sparprogramm und milliardenschwere Staatshilfen sind die Folge.

An den Investitionen in Infrastruktur und den Personalaufbau will der Konzern aber festhalten. "Rund 12,2 Milliarden Euro fließen allein in diesem Jahr in Erhalt und Ausbau von Netz, Bahnhöfen und Energieanlagen", hieß es.

Niedersachsen, Hannover: Mitarbeiter der Deutschen Bahn reinigen in einem Betriebshof einen ICE. Neben der täglichen Reinigung werden die ICE auch regelmäßig einer besonders gründlichen Grundreinigung unterzogen.
Niedersachsen, Hannover: Mitarbeiter der Deutschen Bahn reinigen in einem Betriebshof einen ICE. Neben der täglichen Reinigung werden die ICE auch regelmäßig einer besonders gründlichen Grundreinigung unterzogen.  © Julian Stratenschulte/dpa

Update, 12. Juli, 3.42 Uhr: Trump trägt Maske bei Besuch von Militärkrankenhaus

US-Präsident Donald Trump lehnt Masken in der Corona-Krise für sich selber eigentlich ab - nun hat er bei einem Besuch in einem Militärkrankenhaus einen Mund-Nasen-Schutz getragen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Trump am Freitagabend (Ortszeit) im Walter-Reed-Krankenhaus in Bethesda bei Washington eine blaue Schutzmaske mit dem Siegel des Präsidenten trug.

Nach Angaben des Weißen Hauses wollte Trump in dem Krankenhaus verwundete Soldaten und deren Angehörige treffen. Er wollte zudem mit medizinischem Personal zusammenkommen, dass sich in der Corona-Krise um Erkrankte kümmert.

Trump sagte vor Journalisten auf dem Rasen des Weißen Hauses vor dem kurzen Hubschrauberflug nach Bethesda auf eine entsprechende Frage: "Ich werde wahrscheinlich eine Maske tragen, wenn Sie das wissen müssen." Er fügte hinzu: "Ich finde es großartig, eine Maske zu tragen. Ich war nie gegen Masken, aber ich glaube, es gibt eine Zeit und einen Ort dafür." In dem Krankenhaus, in dem manche Verwundete gerade erst operiert worden seien, sei eine Maske angebracht.

Trump hatte im April Richtlinien der Gesundheitsbehörde CDC verkündet, nach denen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes empfohlen wird. Er hatte aber umgehend deutlich gemacht, dass er selber keine Maske tragen werde. Trump und das Weiße Haus begründen das damit, dass der Präsident regelmäßig auf das Coronavirus getestet werde. Trump wird dennoch vorgeworfen, durch sein Auftreten ohne Maske ein schlechtes Vorbild in der anhaltenden Pandemie abzugeben.

Die Bilder aus dem Walter-Reed-Krankenhaus sind nicht die ersten, bei denen Trump eine Maske trägt. Bei einem Fabrik-Besuch im US-Bundesstaat Michigan im Mai hatte Trump bei einem Teil des Rundgangs eine Maske getragen und war dabei fotografiert worden.

Bethesda: Donald Trump trägt während eines Besuches des Walter-Reed-Militärkrankenhauses einen Mund-Nasen-Schutz mit dem Siegel des Präsidenten.
Bethesda: Donald Trump trägt während eines Besuches des Walter-Reed-Militärkrankenhauses einen Mund-Nasen-Schutz mit dem Siegel des Präsidenten.  © Patrick Semansky/AP/dpa

Update, 12. Juli, 1.10 Uhr: Corona-Quarantäne - Kritik an Tönnies-Antrag auf Lohnkostenerstattung

Die Anträge des Schlachtbetriebs Tönnies auf Erstattung von Lohnkosten für die Zeit der Corona-Quarantäne stoßen weiter auf Kritik. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) kritisierte die Signalwirkung, die eine solche Forderung mit sich bringe.

"Ich habe dafür wenig Verständnis", sagte sie der "Bild am Sonntag". Durch die Vorfälle sei eine ganze Region in Mitleidenschaft gezogen worden. "Der Ärger der Bürger darüber wird durch das jetzige Vorgehen sicherlich nicht kleiner werden."

Der Schlachtbetrieb Tönnies und weitere Subunternehmer haben beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe Anträge auf Erstattung von Lohnkosten durch das Land Nordrhein-Westfalen gestellt. Hintergrund sind die Quarantäne-Maßnahmen, die nach dem massiven Corona-Ausbruch unter Tönnies-Arbeitern am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück verhängt wurden.

Das Infektionsschutzgesetz sieht nach Angaben der Behörden eine Erstattung vor, wenn Gesundheitsämter einen Betrieb schließen und Quarantäne anordnen.

Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hält einen gesetzlichen Anspruch der Firma Tönnies und ihrer Subunternehmer für möglich, mahnte aber in der "Bild am Sonntag": "Ich würde mir anstelle von Herrn Tönnies und seinen Geschäftspartnern sehr genau überlegen, was man den Bürgerinnen und Bürgern in Nordrhein-Westfalen eigentlich noch alles zumuten will."

Für Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sind die Anträge von Tönnies Beweis dafür, dass die Ankündigungen des Unternehmens "nur leere Worte waren und man kein Vertrauen in die Unternehmensführung haben kann". Es sei dreist, wie Tönnies jetzt abkassieren wolle.

"Wer auf ein System der Ausbeutung setzt, die Gesundheit von Menschen riskiert und selbst in der Mitverantwortung für angeordnete Quarantänemaßnahmen steht, sollte sich mit dem Ausreizen von möglichen Erstattungsansprüchen besser zurückhalten."

FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg forderte das Unternehmen auf, jetzt die Verantwortung übernehmen, die es zuvor beim Gesundheitsschutz habe vermissen lassen. "Dafür wurde schon eine ganze Region in Geiselhaft genommen. Ich finde es unanständig, sich auch noch auf Kosten der Steuerzahler schadlos halten zu wollen."

Update, 11. Juli, 23.18 Uhr: Prostituierte fordern auf der Reeperbahn Wiedereröffnung der Bordelle

Es muss endlich wieder Leben in die Bordelle kommen - mit dieser Forderung sind am Samstagabend nach Polizeiangaben rund 400 Prostituierte und Bordellbetreiberinnen und -betreiber aus ganz Deutschland auf der Hamburger Reeperbahn auf die Straße gegangen. Sie hielten Plakate in die Höhe mit Aufschriften wie: "Sexarbeit darf nicht durch Corona in die Illegalität abrutschen" und "wir sind Hygieneprofis".

"Die Situation ist beschissen", schildert eine Frau, die nach eigenen Worten seit zwei Jahren in der Hamburger Herbertstraße als Prostituierte arbeitet. Ihren Namen will sie nicht nennen. Bordelle sind deutschlandweit coronabedingt seit mehr als drei Monaten geschlossen.

"Dass sich die jungen Leute in dieser Sache politisch engagieren, ist toll und es zeigt die Brisanz der Lage", sagte Johanna Weber vom Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen. Die Sexarbeiterinnen und -arbeiter hätten sehr lange viel Verständnis für die Corona-Beschränkungen aufgebracht, doch so langsam schwinde die Geduld.

Das habe auch damit zu tun, dass in vielen Nachbarländern erotische und sexuelle Dienste bereits wieder erlaubt sind. "In der Schweiz ist Prostitution seit vier Wochen wieder erlaubt und es hat seitdem keine Corona-Fälle im Zusammenhang mit Bordell-Besuchen dort gegeben", so Weber, die seit 27 Jahren in Hamburg als Prostituierte arbeitet.

Es gibt keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele Menschen in der Sex-Branche arbeiten. Im Rahmen des Prostituiertenschutzgesetzes hatten sich bis Ende 2018 rund 32.800 Menschen offiziell angemeldet.

Dort würden sich Weber zufolge allerdings nur diejenigen melden, die es müssen, weil sie in Bordellen, Laufhäusern, Domina-Studios, Sauna-Clubs oder ähnlichem arbeiten. Laut Bundeskriminalamt wurden im selben Jahr nur mehrere hundert Fälle von Menschenhandel erkannt, in denen rund 430 Menschen Opfer von sexueller Ausbeutung wurden.

Hamburg: Eine Prostituierte hält in der Herbertstraße ein Schild mit der Aufschrift "Wir zahlen Steuern und nun hilt uns keiner!". Sie demonstriert mit anderen Frauen für die Öffnung der Bordelle auf St. Pauli.
Hamburg: Eine Prostituierte hält in der Herbertstraße ein Schild mit der Aufschrift "Wir zahlen Steuern und nun hilt uns keiner!". Sie demonstriert mit anderen Frauen für die Öffnung der Bordelle auf St. Pauli.  © Markus Scholz/dpa

Update, 11. Juli, 19.53 Uhr: Berlins Sportsenator Geisel zeigt sich offen für Union-Vorstoß

Berlins Sportsenator Andreas Geisel zeigt sich offen für Pläne des Fußball-Bundesligisten 1. FC Union, in der kommenden Saison trotz Corona von Anfang an im komplett gefüllten Stadion zu spielen. "Wir verstehen Unions Ambitionen", sagte der SPD-Politiker am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. "Wir werden uns zeitnah mit der Vereinsführung treffen, um über das Konzept zu sprechen." Natürlich müsse ein Konzept die hygienischen Anforderungen erfüllen und von der DFL getragen werden, fügte Geisel hinzu. "Es sollte keine unterschiedlichen Lösungen innerhalb der Bundesliga geben."

Mit seinem in Deutschland bislang einmaligen Vorhaben, das am Freitagabend veröffentlicht wurde, sorgt Union für mächtig Wirbel. Der Club will "spätestens" ab dem ersten Spieltag der kommenden Saison - also ab Mitte September - wieder eine "Vollauslastung" des Stadions An der Alten Försterei erreichen. Dazu soll es umfassende Tests auf das Coronavirus für alle Stadionbesucher geben. Das Konzept will der Club gemeinsam mit dem Berliner Senat und dem zuständigen Gesundheitsamt des Stadtbezirks Treptow-Köpenick ausarbeiten.

Kritik an dem Plan äußerte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. "Das halte ich für nicht vertretbar", sagte der Politiker dem "Tagesspiegel am Sonntag". Man könne "nicht mit Sicherheit ausschließen, dass Infizierte ins Stadion kommen", urteilte Lauterbach. Zuschauer könnten sich auch noch unmittelbar vor Spielbeginn und damit nach Abgabe des Corona-Tests infizieren, außerdem bestehe die Gefahr falscher negativer Test-Ergebnisse.

Andreas Geisel sieht Spielen in gefüllten Stadien optimistisch entgegen. Andere Politiker hingegen äußern sich besorgt.
Andreas Geisel sieht Spielen in gefüllten Stadien optimistisch entgegen. Andere Politiker hingegen äußern sich besorgt.  © Wolfgang Kumm/dpa

Update, 11. Juli, 17.25 Uhr: Erneut Demonstration gegen Corona-Beschränkungen in Stuttgart

In Stuttgart haben am Samstag erneut einige hundert Menschen gegen die Auflagen zur Eindämmung des Coronavirus und für die Wahrung der Grundrechte demonstriert. Die von der Initiative "Querdenken 711" organisierte Veranstaltung im Unteren Schlossgarten trug den Titel "Fest für Frieden und Freiheit".

Zuvor hatte es laut Polizei eine Demonstration durch die Innenstadt gegeben. Die Polizei sprach von einem ruhigen Verlauf, von Zwischenfällen war nichts bekannt. Offizielle Angaben zur Teilnehmerzahl gab es nicht. Angemeldet zu der mehrstündigen Kundgebung im Schlossgarten waren laut Stadt 5000 Teilnehmer.

Titelfoto: Sebastien Decoret, Kateryna Kon/123RF

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