Corona-Krise trifft öffentlichen Verkehr in Baden-Württemberg extrem hart

Stuttgart - Die Corona-Krise stellt die vielfältige Landschaft des öffentlichen Nahverkehrs in Baden-Württemberg auf eine harte Probe.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (67, Grüne).
Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (67, Grüne).  © Tom Weller/dpa

Erlöse aus dem Verkauf von Einzelfahrscheinen und Zeittickets fallen weg und bringen vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen ins Wanken.

Da deutlich weniger Menschen in der Krise mit Bus und Bahn unterwegs sind, wurden und werden auch weiterhin die Fahrpläne angepasst: Längere Taktungen, kürzere Züge und Wegfall von Freizeit-, Spät- und Nachtverkehr.

Besonders im Bussektor kommen kleinere Familienunternehmen schnell an ihre Finanzgrenzen, da sie unter anderem auch Reisen anbieten, die aktuell alle nicht stattfinden können.

"Es ist uns ein sehr großes Anliegen, in diesen Krisenzeiten die Grundversorgung des ÖPNV aufrechtzuerhalten", sagte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (67, Grüne) in einer Telefon-Pressekonferenz am Montagnachmittag.

Denn es gebe nach wie vor viele Bürgerinnen und Bürger, die für den Weg zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen seien.

Doppelter Rettungsschirm für Verkehrsunternehmen, Arbeitsgruppe will Lösungen entwickeln

Der Bus- und Bahnverkehr in Baden-Württemberg ist von der Corona-Krise stark betroffen. (Fotomontage)
Der Bus- und Bahnverkehr in Baden-Württemberg ist von der Corona-Krise stark betroffen. (Fotomontage)  © Montage: Screenshots Marijan Murat/dpa

Um dies zu gewährleisten, fährt das Verkehrsministerium die Strategie eines doppelten Rettungsschirms: Neben den für alle Branchen geltenden Soforthilfen des Wirtschaftsministeriums verspricht das Verkehrsministerium weitere Zuwendungen.

So werden beispielsweise alle Züge, die das Land bestellt hat, gezahlt, obwohl nur rund 60 Prozent von ihnen aktuell tatsächlich fahren. 

Außerdem wurde eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Verkehrs-, Wirtschafts- und Finanzministerium, sowie dem VDV (Verband Deutscher Verkehrsunternehmen) Baden-Württemberg, dem WBO (Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer) und drei kommunalen Spitzenverbänden gegründet.

Sie soll in engem Austausch möglichst schnell finanzielle Modelle erarbeiten, wie die einzelnen Verkehrsunternehmen die Corona-Krise überstehen können. "Wir müssen unbedingt verhindern, dass die Einnahmen zu stark wegbrechen", so Witgar Weber, Geschäftsführer des WBO.

"Sonst gerät ein System, das sich über Jahre bewährt hat, ins Rutschen, was einige Busunternehmen nicht überleben werden. Dann wäre die Buslandschaft in Baden-Württemberg gefährdet", fügte Weber hinzu.

Winfried Hermann bittet deshalb alle Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs um Kulanz und Nachsicht für die momentane Ausnahmesituation. Die Bürgerinnen und Bürger sollten jetzt nicht "nur auf ihr Recht beharren" und deshalb von Abonnement-Kündigungen, sowie Forderungen von Rückzahlungen absehen.

Das Land sei gewillt, weiterhin eine stabile Grundversorgung anzubieten und nicht auf Notfahrpläne umzustellen.

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Titelfoto: Montage: Screenshots Marijan Murat/dpa

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