Tanzschulen-Besitzerin klagt: "Für die meisten Sportbetriebe hat es längst fünf vor zwölf geschlagen"

Berlin - Friseure, Künstler, Veranstalter und viele mehr: Es gibt kaum Bereiche, an welchen die Corona-Krise und der damit verbundene Lockdown spurlos vorbeigeht. Eine junge Frau, die nun beschlossen hat, ihre Stimme zu erheben und für ihre Branche zu kämpfen, ist Marlen Schröder aus Berlin.

Marlen Schröder (23) ist Inhaberin einer Berliner Tanzschule mit mehreren Studios.
Marlen Schröder (23) ist Inhaberin einer Berliner Tanzschule mit mehreren Studios.  © Instagram/_withleni_

"Hallo, ich bin Leni, ich bin 23 Jahre alt und Tanzschulen-Inhaberin aus Berlin", beginnt sie ihr gut achtminütiges Video auf Instagram. "Ich hab' mich jetzt einfach mal ganz spontan, ohne Konzept vor die Kamera gesetzt, weil ich das Gefühl habe, ein paar Worte loswerden zu müssen, die mich in letzter Zeit sehr belasten."

Am 15. März 2020 kam besonders der Indoor-Sportbereich komplett zum Erliegen. Je nachdem, wie gut die Hygienevorschriften und Abstandsregeln in den jeweiligen Studios eingehalten werden konnten, durften diese nach zweieinhalb bis dreieinhalb Monaten wieder öffnen.

"Wir mussten aufgrund der Quadratmeteranzahl trotz aller Hygienemaßnahmen dreieinhalb Monate schließen und in dieser Zeit haben wir 14.000 Euro bekommen", blickt die 23-Jährige zurück. "Das hat in unserem Fall nicht mal für die Miete gereicht. Zusätzlich gibt es ja noch ganz, ganz viele andere Fixkosten wie Strom, Wasser, Heizung, Versicherung, Steuern, Steuerberater, Mitarbeiterkosten und da hat man noch nicht mal beim Inhabergehalt angefangen."

Dennoch seien zum damaligen Zeitpunkt alle glücklich gewesen, endlich wieder öffnen zu können, wenn auch mit strengem Hygienekonzept. So durfte beispielsweise nur noch ein Bruchteil der sonst üblichen Mitglieder an den Kursen teilnehmen. Für Inhaber und Mitarbeiter bedeutete das die doppelte Arbeit. So war es immerhin möglich, in den Sommermonaten die laufenden Kosten zu decken.

Sportbranche kämpft seit 1. November mit zweitem Lockdown

Sport- und Fitnessstudios mussten am 1. November erneut schließen (Symbolbild).
Sport- und Fitnessstudios mussten am 1. November erneut schließen (Symbolbild).  © dpa/Hauke-Christian Dittrich

Für die Sportbranche dauert der zweite Lockdown mittlerweile bereits seit vier Monaten an. Die versprochenen Hilfen scheinen dabei jedoch auf sich warten zu lassen. "Ich habe gerade mal die Dezemberhilfen vor ganz kurzer Zeit erhalten - vor ein paar Tagen. Von ganz vielen anderen Studioinhabern weiß ich, dass nicht mal die Novemberhilfen komplett angekommen sind", ärgert sich die Berlinerin.

"Mittlerweile frage ich mich, wie einfach noch davon ausgegangen werden kann, dass irgendjemand das noch tragen kann. Wie soll irgendjemand noch irgendwas investieren ohne Hilfen. Wer Rücklagen hatte, hat die mit Sicherheit im ersten Lockdown aufgebraucht oder in den Sommermonaten zwischen den beiden Lockdowns."

Neben dem finanziellen Aspekt liege ihr jedoch auch der gesundheitliche sehr am Herzen. "Sport ist nun mal nicht irgendein Hobby, was man machen kann, aber nicht muss, sondern Bewegung ist wichtig, egal für welches Alter", stellt Marlen Schröder klar. "Ich verstehe nicht, wie die gesundheitlichen Aspekte von Sport überhaupt nicht betrachtet werden. Sport wird in 50 Prozent aller Pressekonferenzen nicht mal genannt. Es heißt dann nur: Der Sport hat auch die nächsten sechs Wochen weiterhin geschlossen."

Anschließend ruft sie dem Netz sowie der Politik noch einmal ins Gedächtnis, warum es für den menschlichen Körper so wichtig ist, fit und in Bewegung zu bleiben. "Sport ist wichtig für das Herz-Kreislauf-System, für die Gelenke, für die Muskeln, für die Sehnen. Sport stärkt das Immunsystem. Sport wirkt präventiv für diverse Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck." Auch die Psyche profitiert von regelmäßigen Trainingseinheiten. Das Selbstbewusstsein steigt, Glückshormone werden ausgeschüttet und das Stresslevel sinkt.

Kein Wunder also, dass es denjenigen, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben, besonders schmerzt, dieser nicht mehr nachgehen zu können. "Ich weiß, dass es für die meisten Sportbetriebe schon längst fünf vor zwölf geschlagen hat", stellt die Tänzerin klar, "und dass ganz viele Studioinhaber - wie auch ich selber - darüber nachdenken, ob sich das Kämpfen einfach noch lohnt, weil das einfach sehr perspektivlos ist. Ein Jahr ohne wirkliche Öffnung einen Betrieb zu haben, wenig bis keine Hilfen zu erhalten, auch keine Chancen oder Aussichten auf Besserung in nächster Zeit zu haben."

Aus diesem Grund sei es ihr wichtig, sich für den Sport einzusetzen, auf das Problem aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass sich an der aktuellen Lage dringend etwas verändern muss, "sonst gibt's vielleicht bald keine Studios und keine Vereine mehr, wo wir nach der Pandemie hingehen können".

Immerhin: Mit ihrem Video erreichte Marlen Schröder bislang bereits über 25.000 Menschen. Bleibt zu hoffen, dass es auch die Richtigen erreicht.

Titelfoto: Instagram/_withleni_, dpa/Hauke-Christian Dittrich

Mehr zum Thema Coronavirus:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0