Winfried Kretschmann: "Haben die Krise am Anfang unterschätzt"

Stuttgart  - Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (71, Grüne) hat in der Radiosendung SWR1 Leute am Dienstag eingeräumt, dass man die Gefahr durch das Coronavirus in Deutschland am Anfang etwas unterschätzt habe. 

Winfried Kretschmann sprach in der Radiosendung SWR1 Leute über die Corona-Krise.
Winfried Kretschmann sprach in der Radiosendung SWR1 Leute über die Corona-Krise.  © Franziska Kraufmann/dpa

Man wollte jedoch erstmal keine Panik und Hysterie verbreiten und mit zu frühen, vielen und einschneidenden Maßnahmen reagieren, da die Bürgerinnen und Bürger sonst sich nicht an die neuen Gegebenheiten halten würden, begründete Kretschmann das Vorgehen gegenüber Moderator Wolfgang Heim. 

Inzwischen habe sich der Ernst der Lage in den Köpfen der Menschen verankert, die Maßnahmen würden weitestgehend befolgt.

Den übermittelten Streit zwischen dem bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder und NRW-Regierungschef Armin Laschet (TAG24 berichtete) bei den Beratungen von Bund und Ländern zur Corona-Krise habe Kretschmann indessen nicht mitbekommen. Er halte das für "einen ausgemachten Blödsinn". 

Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg lobte vielmehr die sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den bayrischen Nachbarn - er und Söder seien die Treiber bei den Beratungsgesprächen gewesen und mitentscheidend dafür, dass die bundesweiten Regelungen sich an denen des Südens orientierten.

Auf Corona-Krise folgt Wirtschaftskrise, wobei Umweltproblematik nicht verschwindet

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (71, Grüne).
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (71, Grüne).  © Sebastian Gollnow/dpa

Baden-Württemberg sei Kretschmann nach indes gut vorbereitet für die Bewältigung der Corona-Krise. Man habe beispielsweise in den Krankenhäusern frühzeitig reagiert, indem die Kapazitäten erhöht wurden, so der 71-Jährige.

Eminent wichtig werde jetzt das Hilfsprogramm für die Wirtschaft, das das Land in einem nie vorher da gewesenen Eiltempo beschlossen habe. 5 Milliarden Euro sollen bereitgestellt werden, um den Unternehmen unter die Arme zu greifen. Dafür musste unter anderem die Schuldenbremse ausgesetzt werden. Das Programm soll am Mittwoch in Kraft treten.

Der Grünen-Politiker machte mit Nachdruck klar, dass das Gesamtausmaß der Corona-Krise enorm sei und man die Begleitumstände nicht außer Acht lassen dürfe. "Auf die Gesundheitskrise folgt eine Wirtschaftskrise und die kann dramatisch werden. Und die Umweltkrise verschwindet ja auch nicht, dagegen gibt es keinen Impfstoff!"

Die Corona-Krise sei "global und tief, krempelt den Alltag für jeden um und wir können noch nicht sagen, wie lange sie dauert", sagte Kretschmann.Alle Menschen würden die Folgen spüren und vielen werde es teils längere Zeit nicht mehr gleich gut gehen wie noch vor kurzer Zeit oder heute.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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