Youtube-Video von Chemikerin geht viral: Corona-Krise hat gerade erst begonnen!

Heppenheim - Ganz Deutschland fiebert dem 20. April und einer möglichen Lockerung der Maßnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie entgegen. Auf ihrem YouTube-Channel "maiLab" versetzt die Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim (32) mit ihrem viral gegangenen Video allen Hoffenden aber einen gewaltigen Dämpfer. Denn sie behauptet, die Corona-Krise gehe jetzt erst so richtig los.

Chemikerin, Wissenschaftsjournalistin und Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim.
Chemikerin, Wissenschaftsjournalistin und Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim.  © dpa/Henning Kaiser

Am 2. April veröffentlichte die deutsche Chemikerin mit vietnamesischen Wurzeln ihren aktuellsten Clip, der es mittlerweile schon auf mehr als sage und schreibe vier Millionen Klicks gebracht hat - aufgrund des gewählten Titels aber auch nur wenig verwunderlich.

Auf smarte Art und Weise erklärt die Wissenschaftsjournalistin mit dem Stand von rund 73.000 Infizierten und etwa 800 bis zum 2. April verstorbenen Corona-Patienten, dass auf absehbare Zeit nicht mit einem Ende der Pandemie zu rechnen sei.

Denn ihrer Rechnung nach sei - auch beim aktuellen Stand der Infektionen - nur etwas mehr als ein Prozent Herdenimmunität erreicht. Theoretisch müsste für das Ende der Epidemie aber ein Prozentsatz von 60 bis 70 Prozent erreicht werden, was allein in Deutschland 48 bis 56 Millionen Menschen entsprechen würde. Ihr Fazit also: "Die Corona-Krise geht also gerade erst richtig los". 

Doch ist auch Nguyen-Kim klar, dass das Erreichen einer solchen Herdenimmunität das Gesundheitssystem in die Knie zwingen und schlichtweg zu lange dauern würde. Ziel müsse es sein, aus der aktuell herrschenden Phase 2, also der sogenannten Mitigation (Schadensbegrenzung) zurück zu Phase 1, dem Containment (Eindämmung) zu kommen. 

Phase 1 sei in Deutschland nur dann zu erreichen, wenn eine infizierte Person, weniger als eine weitere Person anstecke (Anm. d. Red.: sogenannte Basisreproduktionszahl R0). Erst dann käme der Ausbruch zum Erliegen.

Containment nur bei einer Ansteckungsrate von unter 1 möglich

Der Screenshot zeigt eine Sequenz aus dem viral gegangenen YouTube-Video von Mai Thi Nguyen-Kim, das mittlerweile über vier Millionen Klicks hat.
Der Screenshot zeigt eine Sequenz aus dem viral gegangenen YouTube-Video von Mai Thi Nguyen-Kim, das mittlerweile über vier Millionen Klicks hat.  © Screenshot Youtube/maiLab

Ab unter 1000 Corona-Fällen halte sie die Situation für die zuständigen Ämter wieder stemmbar. In einem Rechenbeispiel zeigte sie auf, dass Phase 1 binnen 56 Tagen erreicht werde, wenn der R0 bei einem Wert von 0,5 läge. Doch dafür benötige man eine Art "Wuhan-style Lockdown".

Darüber hinaus betonte sie, dass die Eindämmung noch immer kein Ende der Epidemie darstelle. Jedoch wären Gesundheitssystem und Wirtschaft in diesem Zustand funktionsfähig.

Schließlich stellte sie aber klar, dass ihre Berechnungen nur ein "Beispiel-Szenario" sei, "um ein Gefühl dafür zu kriegen, wie lange das noch dauern könnte". Verkürzend wirken könnten übrigens bislang unbekannte Eigenschaften des Virus, wie Saisonalität oder eine gewisse Grundimmunität der Menschen.

Eines gibt sie den Zweiflern eindeutig mit auf den Weg: "Dass dieser Lockdown beschlossen wurde, ist definitiv angemessen und richtig" und "auf keinen Fall übertrieben oder unangemessen streng", so die 32-Jährige. Und auch ein Ende der Corona-Krise nach Ostern hält sie für eine "leider realitätsferne Fantasie".  

Ihr kurzes und knappes Fazit des etwa 22-minütigen Videos: Nur ein Impfstoff kann und wird die Epidemie endgültig beenden. Dies kann jedoch noch bis zum Frühjahr 2021 andauern - einem vollkommen normalen Alltag kann man also wohl schon mal getrost adé sagen.

Die gebürtige Heppenheimerin (Kreis Bergstraße) Mai Thi Nguyen-Kim ist mehrfach ausgezeichnete Chemikerin, die unter anderem auch die WDR-Sendung "Quarks" moderiert. 

Auch privat läuft es bei der 32-Jährigen rund. Erst kürzlich kam ihr erstes Kind auf die Welt, ihr aktueller YouTube-Clip war ihre erste Amtshandlung nach der Babypause.

Titelfoto: dpa/Henning Kaiser

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