Delta sorgt für dritte Corona-Welle in Afrika: Menschen "müssen ihren Angehörigen beim Sterben zusehen"

Kampala (Uganda) - In mehreren afrikanischen Ländern wütet Corona so schlimm wie nie zuvor. Schuld daran ist zum einen die sich ausbreitende Delta-Variante. Hinzu kommt der weiter andauernde Mangel an Impfstoffen.

Kampala: Ein Motorradfahrer transportiert eine Sauerstoffflasche. Die ugandische Armee produziert Sauerstoff zur Entlastung der staatlichen Krankenhäuser.
Kampala: Ein Motorradfahrer transportiert eine Sauerstoffflasche. Die ugandische Armee produziert Sauerstoff zur Entlastung der staatlichen Krankenhäuser.  © Nicholas Kajoba/XinHua/dpa

Bislang konnte Delta bereits in 14 Ländern Afrikas nachgewiesen werden, berichtet der Spiegel.

Catherine Kyobutungi aus Uganda gehört zu den führenden Epidemiologinnen des Kontinents, doch auch sie wurde von der hereinbrechenden dritten Welle überrascht.

Auch ihr eigener Vater erkrankte an Covid-19. Er ist 82 Jahre alt und gilt mit seiner Diabetes-Erkrankung als Risikopatient.

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Nur durch einen Sauerstoffzylinder, den Kyobutungi für ein paar Tage mieten konnte, überlebte ihr Vater. "Doch andere, die nicht über das nötige Geld und medizinische Wissen verfügen, müssen ihren Angehörigen beim Sterben zuschauen", sagt die Expertin.

In den Krankenhäusern des Landes wird die Lage immer dramatischer. Dabei mangelt es gar nicht unbedingt an Betten, sondern vielmehr an Sauerstoff. Um die Kliniken etwas zu entlasten, stellt mittlerweile sogar die ugandische Armee Sauerstoffkanister her.

"Wir haben Probleme mit der Verfügbarkeit von Sauerstoff. Natürlich bedeutet solch ein Mangel, dass es mehr Tote geben wird", sagt auch die Gesundheitsministerin des Binnenlandes, Jane Aceng.

Uganda und Namibia gehören zu den größten Opfern der dritten Corona-Welle in Afrika

Schülerinnen verlassen ihre Schule in Ugandas Hauptstadt Kampala. Landesweit wurden Bildungseinrichtungen geschlossen, nachdem die Anzahl der Corona-Infektionen gestiegen ist.
Schülerinnen verlassen ihre Schule in Ugandas Hauptstadt Kampala. Landesweit wurden Bildungseinrichtungen geschlossen, nachdem die Anzahl der Corona-Infektionen gestiegen ist.  © Nicholas Kajoba/XinHua/dpa

Dass die Delta-Mutante potenziell gefährlicher als andere Varianten ist, davon zeugt auch die höhere Sterblichkeit junger Menschen.

"Wir begraben mittlerweile sehr junge Menschen, einige von ihnen erst 15 oder 20 Jahre alt", erzählt Joseph Nsubuga, der Chef von Uganda Funeral Services.

Inzwischen hat Präsident Yoweri Museveni einen strengen Lockdown verhängt. Die WHO begrüßt die Entscheidung und untersucht weiterhin, inwieweit sich Delta bereits im Land ausgebreitet hat.

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Neben Uganda gehört derzeit vor allem Namibia zu den größten Leidtragenden der Pandemie. Am Freitag wurde überraschend der Tod von Vekuii Rukoro bekannt gegeben. Der Herero-Chief war einer der prominentesten Kritiker des Deutsch-Namibischen Versöhnungsabkommens.

Titelfoto: Nicholas Kajoba/XinHua/dpa

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