Der neue Corona-Richtwert? Er ist der Erfinder der "Betten-Inzidenz"

Dresden - Hat die bisherige Inzidenz als Corona-Richtgröße ausgedient? Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert jetzt nicht nur die Inzidenz, sondern auch die Bettenbelegung in den Kliniken zur Einschätzung des Pandemiegeschehens heranzuziehen. In Sachsen wird das längst praktiziert. Erfinder der "Betten-Inzidenz" ist Prof. Michael Albrecht (71) von der TU Dresden.

Im Winter waren die Corona-Betten in Sachsen sowohl auf Normal- als auch Intensivstationen voll. Das Meldesystem von Prof. Albrecht sorgte dennoch für ein ausgezeichnetes Klinikmanagement in Sachsen.
Im Winter waren die Corona-Betten in Sachsen sowohl auf Normal- als auch Intensivstationen voll. Das Meldesystem von Prof. Albrecht sorgte dennoch für ein ausgezeichnetes Klinikmanagement in Sachsen.  © Imago Images / Max Stein

Als im Frühjahr 2020 die Bilder von massenhaften Corona-Toten Europa in Schockstarre versetzen und Deutschland in den ersten Lockdown schlittert, ist Michael Albrecht sofort klar: "Das kann auch uns passieren."

Er wird aktiv, entwickelt ein sachsenweites Meldesystem für die Bettenbelegung mit Corona-Patienten und schafft es, die Politik vom Nutzen der Neuerung zu überzeugen.

Seit Frühjahr 2021 spielt der "Bettenindikator" neben den Inzidenzzahlen die entscheidende Rolle bei Lockerungen oder Verschärfungen der Corona-Schutz-Verordnung durch die sächsische Staatsregierung.

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Das System funktioniert, wird gelobt und Albrecht ein wichtiger Berater für die Politik.

Dafür und für seine dreißigjährigen Verdienste um das sächsische Gesundheitswesen erhält er im Mai dieses Jahres die sächsische Verfassungsmedaille.

Michael Albrecht war früher Rennarzt in der Formel 1

Medizinischer Vorstand des Uniklinikums Dresden und "Erfinder" des Bettenindikators: Prof. Dr. Detlev Michael Albrecht (71). Im Mai erhielt er die sächsische Verfassungsmedaille.
Medizinischer Vorstand des Uniklinikums Dresden und "Erfinder" des Bettenindikators: Prof. Dr. Detlev Michael Albrecht (71). Im Mai erhielt er die sächsische Verfassungsmedaille.  © Eric Münch

"Dresden ist meine Heimatstadt", sagt der Vorzeigemediziner. Geboren ist er jedoch in München.

Dort studiert er auch und landet über Stationen in Lübeck und Mannheim in Heidelberg, bevor ihn 1994 ein Ruf auf einen C4-Professoren-Lehrstuhl aus Dresden erreicht.

Seine beiden Kinder sind hier geboren, erzählt Albrecht, der sich als "echten Autonarr" bezeichnet.

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Früher fuhr er selbst Autorennen und fungierte in der Formel 1 als Rennarzt. Inzwischen ist der Dresdner Neumarkt zu einem seiner Lieblingsorte geworden. "Ich mag das Ambiente und sitze gerne draußen", sagt Albrecht. Die Verfassungsmedaille habe ihn überrascht und gefreut.

Trotz seines Alters will er noch ein Weilchen weitermachen. Der Stress hält ihn jung. Und wie wird der Corona-Herbst?

"Wenn rund 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, bin ich optimistisch." Wenn nicht, ist Sachsen sicher für eine vierte Welle gewappnet - auch dank Michael Albrecht.

Titelfoto: Montage: Imago Images / Max Stein, Eric Münch

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