Gefeuert! Deutscher Nationalspieler besuchte umstrittene Corona-Demo in Berlin

Bonn/Köln/Berlin - Basketballprofi und deutscher Nationalspieler Joshiko Saibou (30, Telekom Baskets Bonn) hat sich an der umstrittenen Kundgebung gegen die Corona-Beschränkungen am vergangenen Wochenende in Berlin beteiligt.

Deutschlands Joshiko Saibou (30) im Februar 2020 bei einem Basketball-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich.
Deutschlands Joshiko Saibou (30) im Februar 2020 bei einem Basketball-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich.  © Carmen Jaspersen/dpa

Der in Köln geborene Basketballspieler zeigte sich mit seiner Freundin bei der Protest-Aktion gegen die Corona-Maßnahmen.

Die Protestaktion wurde vielfach kritisiert, da sich viele der Tausenden Teilnehmer nicht an eben jene Corona-Maßnahmen hielten. Die Menschen kamen vielfach ohne Masken, hielten keinen Abstand. Fotos und Videos belegen diese Verstöße gegen die Demo-Auflagen.

Die Polizei musste die Protest-Aktion letztlich auflösen

Spätestens da musste auch Joshiko Saibou das Feld räumen und die Corona-Demo in Berlin verlassen.

Laut "General Anzeiger" hatte er die "Tag der Freiheit"-Aktion mit einem Foto bei Instagram geteilt. 

Er schrieb laut der Zeitung dazu: "Think for yourself. Aloud." Kurzum: Denkt selbstständig und verschafft euch Gehör.

Einen Tag nach der Demo mit Tausenden Teilnehmern ging Joshiko Saibo dann in ein Fitness-Studio und bereite sich auf die nächste Basketball-Saison vor. Schutz, Rücksichtnahme und Vorsorge? Fehlanzeige.

Dabei steht sein Basketballverein, die Telekom Baskets Bonn, vor enormen Problemen aufgrund des Coronavirus. Fehlende Fans und eine unklare Aussicht auf den weiteren Spielbetrieb könnten viele Jobs in der BBL bedeuten.

Telekom Baskets und BBL wollen sich noch äussern

Tausende bei einer Kundgebung am 1. August 2020 gegen die Corona-Beschränkungen auf der Straße des 17. Juni. Zu der Demonstration gegen Corona-Maßnahmen hatte die Initiative "Querdenken 711" aufgerufen.
Tausende bei einer Kundgebung am 1. August 2020 gegen die Corona-Beschränkungen auf der Straße des 17. Juni. Zu der Demonstration gegen Corona-Maßnahmen hatte die Initiative "Querdenken 711" aufgerufen.  © Christoph Soeder/dpa

Zuletzt war der Basketballspieler der Bonner Mannschaft im Mai mit kritischen Aussagen zu den Corona-Maßnahmen negativ beim Management seines Vereins aufgefallen.

Im Gespräch mit dem "General Anzeiger" hatte Baskets-Sportmanager Michael Wichterich kurz vor der Demo-Teilnahme des Schützlings bereits Stellung zu den ersten verbreiteten Verschwörungstheorien des Spielers Position bezogen: "Dass uns das nicht gefallen hat und wir seine Meinung nicht teilen, haben wir denke ich auch in der Öffentlichkeit klar zum Ausdruck gebracht. Und ja, wir haben geredet. Seitdem war es auch recht ruhig."

Wenige Stunden später besuchte der Spieler die Demo in Berlin.

Der Deutsche Basketball Bund mit Sitz in Köln will an diesem Dienstag Stellung beziehen.

Update, 13.17 Uhr: Telekom Baskets kündigen Joshiko Saibou!

Die Telekom Baskets Bonn haben ihrem Spieler Joshiko Saibou fristlos gekündigt. Dies teilte der Verein am Dienstag mit.

Geschäftsführer Wolfgang Wiedlich teilte mit: "Die Vereine der BBL arbeiten gerade akribisch an Hygienekonzepten für die Zuschauer in der nächsten Saison und an speziellen Arbeitsschutzrichtlinien für die Aktiven. Deshalb können wir ein permanentes Infektionsrisiko, wie es der Spieler Saibou darstellt, weder gegenüber seinen Arbeitskollegen in unserem Team noch gegenüber anderen BBL-Teams im Wettkampf verantworten."

Der Verein bezog sich weiter auf die Verstöße gegen die geltenden Schutzregeln, gegen die der Basketball-Profi verstoßen hatte.

Update, 21.28 Uhr: Keine Konsequenzen für Saibou-Freundin und Kölner Weitspringerin Alexandra Wester

Der Deutsche Leichtathletik-Verband will gegen Weitspringerin Alexandra Wester wegen ihrer möglicherweise nicht ordnungsgemäßen Teilnahme an einer Großdemonstration zurzeit keine Maßnahmen ergreifen.

"Unsere Sportler können jederzeit an Demonstrationen teilnehmen, denn das ist ihr Grundrecht", sagte Cheftrainerin Anett Stein am Dienstag auf dpa-Anfrage. Allerdings erwarte der DLV, dass sie sich wie alle Teilnehmer an die Regeln halte.

"Wir reden derzeit noch nicht über Konsequenzen, sondern werden zunächst mit ihr darüber sprechen, um ihren Auftritt bei der Demonstration besser einordnen zu können", erklärte Stein.

"Wir möchten verstehen, wie sie selbst diesen Vorgang bewertet." Der DLV wisse nicht, ob sich Wester an die Anordnungen gehalten habe, "falls nein, wäre dies von unserer Seite aus nicht zu akzeptieren."

Die Olympia-Teilnehmerin von 2016 hatte zuletzt in einem auf Instagram veröffentlichten Video beklagt, durch die Corona-Maßnahmen ihrer Freiheit beraubt zu werden.

Zudem sprach sie in dem Beitrag von einem Impfzwang für die Bevölkerung oder von Ärzten und Anwälten, die die Menschenrechte verteidigen und dafür in Gefängnispsychiatrien eingesperrt würden.

Titelfoto: Carmen Jaspersen/dpa Christoph Soeder/dpa

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