Löst die Grippe-Impfung eine zweite Corona-Welle aus?

Deutschland - "!!! Achtung: AN ALLE ELTERN - So wird die zweite Welle ausgelöst!!!" Ein solches Facebook-Posting sorgt dieser Tage für Aufregung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die Grippe-Regelimpfung für alle Kinder ab einem Alter von sechs Monaten. (Symbolbild)
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die Grippe-Regelimpfung für alle Kinder ab einem Alter von sechs Monaten. (Symbolbild)  © Komsan Loonprom/123RF

Darin heißt es: Eltern würden aufgefordert, ihre Kinder in diesem Jahr gegen die Grippe impfen zu lassen. Der Impfstoff, der das H1N1-Virus enthalte, werde den Kindern per Nasenspray verabreicht - und würde genau dorthin gesprüht, wo ein Corona-Abstrich entnommen werde. 

Nebenwirkungen der Impfung seien unter anderem Schnupfen, Gliederschmerzen, Fieber. "Aufgrund der Symptome wird der Arzt einen PCR-Test anordnen ... was kommt also raus; Corona positiv, weil nämlich H1N1 ein Coronavirus ist ... und wir wissen ja alle, dass der PCR-Test so unspezifisch ist (Sic!)", heißt es im Posting. Und weiter: "Was haben wir dann im Herbst wenn die Eltern ihre Kinder impfen lassen? OH JA DIE ZWEITE WELLE (Sic!)"

Realität sieht anders aus

Deutschlands Kinderärzte haben Eltern in diesem Jahr dazu aufgerufen, auch ihren Nachwuchs gegen Grippe impfen zu lassen. 

"Wir wissen seit längerem, dass Kinder maßgeblich daran beteiligt sind, das Grippevirus zu übertragen", begründet Arne Simon, Kinderarzt am Universitätsklinikum des Saarlandes und zweiter Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädriatrische Infektiologe. 

Es gelte vorzubeugen. "Denn eine größere Grippewelle und die Pandemie kann das Gesundheitssystem nur schwer verkraften", so Simon.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die Grippe-Regelimpfung für alle Kinder ab einem Alter von sechs Monaten; die USA oder auch skandinavische Länder folgen längst diesem Rat. Die deutsche Ständige Impfkommission (StiKo) hingegen empfiehlt lediglich, Kinder mit Grund- und Vorerkrankungen regelmäßig gegen Grippe zu immunisieren.

Kinder können ab einem Alter von sechs Monaten die Impfung erhalten. Sie bekommen entweder zweifach die halbe Erwachsenendosis eines Totimpfstoffes gespritzt oder - um ihnen den Pieks zu ersparen - einen Lebendimpfstoff per Nasenspray verabreicht.

"Das ist vollkommener Quatsch!"

Beim Corona-Test mittels der PCR-Technologie machen sich Wissenschaftler vor allem die Unterschiede im Erbgut der Viren zunutze. (Symbolbild)
Beim Corona-Test mittels der PCR-Technologie machen sich Wissenschaftler vor allem die Unterschiede im Erbgut der Viren zunutze. (Symbolbild)  © Kateryna Kon/123RF

Die Impfung sei sehr gut verträglich, weiß Kinderarzt Arne Simon. Nur bei wenigen Geimpften träten allenfalls leichte Erkältungssymptome wie eine laufende Nase auf. "Kein Mediziner würde darum einen Corona-Test veranlassen - zumal, wenn er um die vorherige Impfung weiß." Auch die Testkriterien des Robert Koch-Instituts (RKI) hielten davon ab.

"Und selbst wenn ein Corona-Test vorgenommen würde, reagiert dieser nicht auf Grippeerreger wie H1N1", erläutert Matthias Stoll, Immunologe an der Medizinischen Hochschule Hannover. Denn anders als bei Facebook behauptet, sei dieser Virustyp kein Corona-, sondern ein Influenzavirus. "Das ist vollkommener Quatsch!", so Stoll. 

Die beiden Erregergruppen unterschieden sich deutlich, seien verschieden aufgebaut und besäßen ein spezifisches Genom.

Beim Corona-Test mittels der PCR-Technologie (englisch: polymerase chain reaction = Polymerase-Kettenreaktion) machen sich Wissenschaftler vor allem die Unterschiede im Erbgut der Viren zunutze. Mittels sogenannter "Primer", die von der WHO zur Verfügung gestellt worden sind, fahnden sie nach Gensequenzen, die sich allein in der Erbinformation von SARS-CoV-2-Viren finden lassen und eben nicht in Influenzaviren. 

Die Primer heften sich - wie passende Puzzleteile - an die gesuchten Erbgutstücke und geben sie so zu erkennen.

Titelfoto: Komsan Loonprom/123RF

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