Linken-Chefin nennt Corona-Lockerungen "verantwortungslos" und spricht von "Versagen"

Frankfurt am Main - Die neu gewählte Co-Vorsitzende der Partei "Die Linke", Janine Wissler (39), übt scharfe Kritik an den geplanten Corona-Lockerungen, die am Mittwoch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) und den Ministerpräsidenten der Bundesländer beschlossen wurden.

Janine Wissler (39) wurde Ende Februar auf einem digitalen Parteitag der Partei "Die Linke" zur Vorsitzenden gewählt.
Janine Wissler (39) wurde Ende Februar auf einem digitalen Parteitag der Partei "Die Linke" zur Vorsitzenden gewählt.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Janine Wissler, die auch Vorsitzende der Linken-Fraktion im hessischen Landtag ist, wandte sich am Donnerstagvormittag mit einem Presse-Statement an die Öffentlichkeit. Die Ausführungen der Politikerin wurden zudem auf YouTube veröffentlicht.

Zu den Beschlüssen des Corona-Gipfels am Mittwoch sagte Wissler wörtlich: "Was gestern beschlossen wurde, das ist verantwortungslos, und das gefährdet die Gesundheit und das Leben von Menschen."

Sie wies darauf hin, dass die Infektionszahlen ebenso stiegen wie die Inzidenzwerte, also die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus pro 100.000 Einwohner. "Die Pandemie ist nicht unter Kontrolle", erklärte die Co-Vorsitzende der Linkspartei hierzu.

Wissler betonte, sie verstehe jeden, der sich Öffnungen der Lockdown-Bestimmungen wünsche, sie mahnte aber an, dass diese Lockerungen nachhaltig sein müssten.

Die Impfquote sei nach wie vor zu gering, die Testkapazität nicht hoch genug. "Das droht, das Erreichte aus vier Monaten Lockdown zu gefährden, und damit drohen wir, auch hier in Deutschland in die dritte Welle zu laufen", warnte die Politikerin.

Janine Wissler spricht von einem "Armutszeugnis der Bundesregierung"

Janine Wissler nannte es ein "Armutszeugnis der Bundesregierung", dass nun die Lockdown-Vorgaben gelockert würden, ohne dass die hierfür notwendigen Maßnahmen ergriffen wurden.

Die 39-Jährige unterstellte, hier würde nach Interessen-Lage gehandelt, nicht nach wissenschaftlicher Notwendigkeit.

"Man hat den öffentlichen Gesundheitsdienst in den letzten Jahren kaputt gespart", erklärte Wissler und betonte: Mit den nun beschlossenen Öffnungen würde Politik auf dem Rücken des medizinischen Personals gemacht, das in den Krankenhäusern um das Leben der Covid-19-Patienten kämpfe.

Nach einem Jahr Corona-Pandemie stellte Janine Wissler nicht weniger als ein "Versagen der Bundesregierung" fest.

Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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