Die Sachsen machen's vor! Diese Erfindungen könnten den Umgang mit Corona deutlich verbessern

Görlitz/Zittau - Die Corona-Pandemie hat Unternehmen und Wissenschaftler inspiriert und für zahlreiche Erfindungen gesorgt - auch in Sachsen. Der Freistaat unterstützt mit rund 16 Millionen Euro für Forschung aus dem Corona-Bewältigungsfond.

Das Coronavirus hat Deutschland weiterhin fest im Griff. Doch vier Innovationen aus Ostsachsen könnten helfen. (Symbolbild)
Das Coronavirus hat Deutschland weiterhin fest im Griff. Doch vier Innovationen aus Ostsachsen könnten helfen. (Symbolbild)  © 123RF/Kateryna Kon

Dahinter stehen mehr als 170 Projekte. Ein Teil des Geldes fließt auch in Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Landkreis Görlitz. Vier Corona-Innovationen aus der Region:

MASKE AUS DEM 3-D-DRUCKER: Das Fraunhofer-Kunststoffzentrum Oberlausitz in Zittau erhielt mit der ersten Pandemie-Welle die Anfrage aus der Verwaltung des Landkreises Görlitz, ob sie eine Atemschutzmaske entwickeln könnten.

Nach intensiver Entwicklungsarbeit kam der erste Prototyp mit Hilfe der werkzeugfreien Fertigung aus dem 3D-Drucker. In die serienmäßige Spritzgussfertigung ging die "O-Mask" Ende 2020 in Kooperation mit der Orga.nico GmbH aus Crosta.

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Die Atemschutzmaske mit hoher Filterwirkung und geringem Atemwiderstand wird derzeit für den Medizin-Bereich zertifiziert.

"Messungen im Prüflabor besagen, dass die Maske den Schutzstandard FFP2 weit übertrifft", sagt Sebastian Scholz, Professor für Funktionsintegrierende Kunststofftechnologien und Leiter des Forschungsinstituts in der Dreiländerregion.

Aktuell wird die Neuentwicklung im privaten Bereich und in Arztpraxen, Forschungseinrichtungen, Altenheimen und im ÖPNV getragen. ​Doch schon bald soll sie laut Scholz weltweit Schutz vor Viren und Bakterien bieten.

Warn-Buzzer hilft bei Kontaktnachverfolgung

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (62, SPD) setzt bei Kontaktnachverfolgung auch auf den Corona-Warn-Buzzer.
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (62, SPD) setzt bei Kontaktnachverfolgung auch auf den Corona-Warn-Buzzer.  © Uwe Meinhold

Ebenso eine Zittauer Erfindung ist der Corona-Warn-Buzzer der Digades GmbH, ein kleines Gerät als Ergänzung zur Corona-Warn-App.

Wie funktioniert der Buzzer? Der Mini kann via Bluetooth Kontakte mit anderen Menschen erkennen und speichern, die die Corona-Warn-App über ihr Smartphone oder ebenfalls einen Corona-Warn-Buzzer nutzen.

Die gespeicherten Daten werden nach 14 Tagen gelöscht. Meldet ein App- oder Buzzer-Nutzer eine Infektion, werden alle Nah-Kontakte elektronisch oder über das Gesundheitsamt ermittelt.

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Der sächsische Datenschutzbeauftragte hat das Projekt von Anfang an begleitet. Projekt- und Entwicklungsstart war am 17. August 2020. Vier Monate später erfolgte der erste Großversuch in Augustusburg.

Eingesetzt werden soll der Buzzer bei Kita- und Grundschulkindern sowie Senioren ohne Smartphone. Das Gerät könne dazu beitragen, eine sichere und langanhaltende Öffnung der Schulen zu ermöglichen.

Die Buzzer-Entwicklung wird durch das Sozialministerium mit zwei Millionen Euro unterstützt. Das Bundesgesundheitsministerium prüft aktuell seine Anbindung an die Infrastruktur der Corona-Warn-App.

Test-Plattform "Where2Test" unterstützt Strategien zur Eindämmung des Coronavirus

Casus-Institutsleiter Dr. Michael Bussmann (45) im Institutsgebäude in Görlitz. Hier wurde die Plattform "Where2Test" entwickelt.
Casus-Institutsleiter Dr. Michael Bussmann (45) im Institutsgebäude in Görlitz. Hier wurde die Plattform "Where2Test" entwickelt.  © Miriam Schönbach/dpa-Zentralbild/dpa

Auch gezieltes Testen soll bei der Eindämmung der Corona-Pandemie helfen. Hier setzt die Plattform "Where2Test" an, an der Forscher am Görlitzer Casus-Zentrum für digitale interdisziplinäre Systemforschung arbeiten.

Der Prototyp ist online, sagt Projektkoordinatorin Weronika Schlechte-Welnicz. Casus bündelt das Wissen von Forschern aus aller Welt, um mit digitalen Methoden komplexe Systeme besser zu verstehen.

Die neue Plattform soll die Grundlage für die Aufnahme, Darstellung und Modellierung von Daten legen.

Langfristiges Ziel: Politik und Gesundheitswesen bei der Definition von optimalen Teststrategien zu unterstützen. Insbesondere soll die Plattform bei der Beantwortung folgender Fragen helfen: Welche Gruppen sollten getestet werden? Welche Testverfahren sollten angewandt werden? Wo, wann und wie oft müssen die Tests durchgeführt werden?

Der Freistaat Sachsen finanziert das Projekt mit einer Million Euro.

Binnen weniger Tage: Görlitzer Forscher entwickeln Raumluftreiniger "Sasoo" gegen Corona-Viren

ULT-Vorstand Alexander Jakschik (34) in der Produktion der Raumluftreiniger gegen Corona-Viren.
ULT-Vorstand Alexander Jakschik (34) in der Produktion der Raumluftreiniger gegen Corona-Viren.  © Miriam Schönbach/dpa-Zentralbild/dpa

Ein Gemeinschaftsprojekt ist auch ein Raumluftreiniger. Innerhalb weniger Tage entwickelten die Konstrukteure der ULT AG Löbau und der Novus air GmbH in Weinböhla im Sommer 2020 ein Filter-Gerät für Aerosole, Viren, Pollen und Keime in geschlossenen Räumen.

"Was nicht in die Luft gehört, können wir absaugen", sagt ULT-Vorstand Alexander Jakschik (34). Sein Unternehmen ist spezialisiert auf Luftreinigung, auch für Partikel in Nano-Größe, und Filtersysteme für große Räume, wie Fabrikhallen. Übrigens: Auch an der "O-Mask" waren die Löbauer Ingenieure ein stückweit beteiligt.

Seit Mitte Dezember wird ihr Reiniger "Sasoo" produziert. Der Test im Institut für Luft- und Kältetechnik in Dresden ergab, dass die Apparatur in Räume bis zu 100 Quadratmetern die Virenlast innerhalb von 20 Minuten um 90 Prozent mindert.

"Wir wollen dem Alltag ein Stück Normalität geben", sagt Jakschik. Er wünscht sich, dass die Entwicklung aus der Oberlausitz vor allem bei der Öffnung von Schulen ohne Stoßlüften hilft. Einige Bundesländer würden bereits die Anschaffung der Raumluftreiniger fördern.

Bis jetzt sind die Raumluftreiniger unter anderem in Görlitzer Hanf- und Drahtseilerei, in Arztpraxen, beim Diakoniewerk Oberlausitz und der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien im Einsatz.

Titelfoto: Bildmontage: 123RF/Kateryna Kon, Uwe Meinhold

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