Dresden: Klinik und Seniorenheim kümmern sich selbst um Mundschutz

Dresden - Seit Wochen sind wegen des Coronavirus Mundschutz und Desinfektionsmittel Mangelware, praktisch ausverkauft.

ITS-Krankenschwester Sarah Küttner (28) tauscht bei Sicherheitsdienst-Schichtleiter Steffen Liedner (58) ihren gebrauchten Mundschutz gegen einen recycelten ein.
ITS-Krankenschwester Sarah Küttner (28) tauscht bei Sicherheitsdienst-Schichtleiter Steffen Liedner (58) ihren gebrauchten Mundschutz gegen einen recycelten ein.  © Holm Helis

Lieferungen sind schnell wieder vergriffen. Sogar der Freistaat hat Probleme, Nachschub zu besorgen. Jetzt helfen sich viele einfach selbst, produzieren in Eigenregie.

Auch am Dresdner Uniklinikum werden die Reserven knapp. Anstatt lange auf neue Lieferungen des Großhandels oder der Hersteller zu warten, machen die Mitarbeiter aus der Not eine Tugend. 

"Wir haben Möglichkeiten gefunden, Atemmasken aus Stoff zu nutzen. Die können wir aufbereiten und wieder verwenden", sagt Klinikchef Michael Albrecht (70). 

So ließ die Klinik 6000 Mundschutze nähen. Die geben Ärzte und Pflegekräfte nach Benutzung in die klinikeigene Reinigung ab, wo sie aufgekocht werden. Danach sind sie wieder nutzbar, landen nicht wie die sonst eingesetzte Einwegware im Müll.

Im Allo-Seniorenheim in Löbtau (Wernerstraße) produzieren Mitarbeiter und Senioren jetzt für die hauseigene Reserve vorsorglich Mundschutze, bringen dafür sogar Nähmaschinen mit.

Und auch Flüssigware wird selbst gemixt. Nicht nur die Uniklinik stellt Desinfektionsmittel jetzt selbst her, sondern auch viele Apotheken. Allerdings werden Ausgangsstoffe wie Isopropanol und sogar Flaschen zum Abfüllen zunehmend knapp. "Wir würden gerne produzieren, können aber nicht", berichteten gestern verschiedene Apotheker. 

6000 Stück der Mundschutze aus Stoff ließ das Uniklinikum für den Eigengebrauch nähen.
6000 Stück der Mundschutze aus Stoff ließ das Uniklinikum für den Eigengebrauch nähen.  © Holm Helis

Schon in Tschechien, bald in Sachsen? Knackis sollen Schutzmasken nähen

Seit Montag werden im Gefängnis von Pardubice von Häftlingen Schutzmasken genäht.
Seit Montag werden im Gefängnis von Pardubice von Häftlingen Schutzmasken genäht.  © Generaldirektion Gefangenendienste

Tschechien fällt gerade durch originelle Ideen im Kampf gegen Corona auf. Letzte Woche wurden rund 30 000 Liter Schmuggelschnaps zu Desinfektionsmittel verarbeitet. Seit Montag nähen Häftlinge Schutzmasken.

"Wir rechnen mit bis zu 40.000 Masken wöchentlich", so Petra Kucerova, Sprecherin der Generaldirektion der Gefangenendienste. Hier war die Idee geboren worden. Im Knast im ostböhmischen Pardubice wurde der Anfang gemacht. 

Dort wird traditionell Häftlingskleidung hergestellt. Weitere Gefängnisse folgen noch in dieser Woche. Verteilt werden die Näharbeiten der Knackis nicht nur an Staatsangestellte, sondern auch an Altenheime und andere Einrichtungen.

In Sachsen ist man derzeit noch nicht so weit. Gesundheitsministerin Petra Köpping (61, SPD) hatte von einer Schutzmaskenbestellung von zwei Millionen Stück geträumt. Dubiose Angebote verhinderten offenbar das Anliegen. 

Doch das Maskennähen könnte auch in sächsischen Gefängnissen auf den Plan kommen. "Das lassen wir gerade prüfen", so Jörg Herold (39) aus dem Justizministerium. 

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