Ehrenamtliche arbeiten als Einkaufshelfer

Freiburg - Soziales Engagement als Antwort auf die Krise: Ehrenamtliche gehen für Bedürftige einkaufen oder führen den Hund aus. Corona sorge für eine große Hilfsbereitschaft, sagen die Organisatoren. Die Hilfen stoßen bei denen, die wegen des Virus daheim bleiben müssen, auf Dankbarkeit. Unterwegs mit Helferinnen der Malteser in Freiburg.

Mitarbeiter des Malteser Hilfsdiensts beladen ein Fahrzeug. 
Mitarbeiter des Malteser Hilfsdiensts beladen ein Fahrzeug.   © Patrick Seeger/dpa

Das ältere Ehepaar an der Wohnungstür freut sich über Karotten und Konserven, die alleinstehende Seniorin ein paar Straßen weiter über Bananen und Äpfel. 

In den Einkaufsmarkt gehen sollen oder können die Rentner wegen des Coronavirus nicht. Lebensmittel und Hygieneartikel bekommen sie daher geliefert. 

Sozialverbände, Kommunen und Ehrenamtliche organisieren in der Corona-Krise vielerorts Einkaufshilfen. Landes- und bundesweit entstehen derzeit solche Angebote. Und stoßen auf Dankbarkeit.

Annika Ott (19), Julia Gerst (20) und Nina Kohler (26) starten mit vollgepacktem Kofferraum. Die drei Mitarbeiterinnen des Malteser Hilfsdienstes in Freiburg sind in Zeiten der Corona-Krise Helferinnen in der Not. Innerhalb von drei Tagen haben sie gemeinsam mit Kollegen einen Einkaufs- und Lieferdienst für Bedürftige auf die Beine gestellt. Nutzen können ihn Menschen, die einer der Risikogruppen angehören, in Quarantäne oder häuslicher Isolation sind. Sie werden beliefert, damit sie zum Schutz vor dem Virus daheim bleiben können.

"Die Menschen begegnen uns mit großer Dankbarkeit", sagt Julia Gerst, als sie gemeinsam mit ihren zwei Kolleginnen die tägliche Einkaufs- und Liefertour beginnt. Das Coronavirus habe viele in eine unerwartete Notlage gebracht. Helfende Hände seien da herzlich willkommen. "Gefragt sind vor allem Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel", sagt Annika Ott. Nutzer können telefonisch ihre Einkaufsliste durchgeben, die Helfer kaufen dann ein und liefern.

"Ich lebe alleine", sagt eine ältere Frau, die bei den Maltesern in Freiburg bestellt hat: "Mein Sohn wohnt mit seiner Familie in Norddeutschland, er kann mich beim Einkaufen nicht unterstützen." Wegen Corona bleibe sie zuhause. Und sei auf helfende Hände angewiesen: "Ohne die Einkaufshilfe würde es für mich sehr schwierig, mich zu versorgen. Ich habe ja sonst niemanden", sagt die Rentnerin. Sie habe dankbar das Hilfsangebot angenommen. Und werde es auch in den kommenden Tagen und Wochen nutzen.

Viele wollen einfach nur reden

Eine Mitarbeiterin trägt eine Kiste mit Lebensmitteln. 
Eine Mitarbeiterin trägt eine Kiste mit Lebensmitteln.   © Patrick Seeger/dpa

Helferin Nina Kohler hat die Anrufe entgegengenommen. "Viele Anrufer wollen einfach nur reden", sagt sie. Die Corona-Krise sorge für Verunsicherung und Einsamkeit. Der Besuch des Einkaufs- und Lieferdienstes sei für viele, die daheim bleiben, nicht nur Hilfe, sondern auch gerngesehene Abwechslung.

Der Service ist kostenlos, sagt Kohler: "Bezahlt werden muss nur, was eingekauft und geliefert wird." Die Hilfsdienste gehen finanziell in Vorleistung. Die, für die eingekauft wird, zahlen nach der Lieferung per Bankeinzug. Bargeld ist wegen der Infektionsgefahr tabu. An der Haustüre halten Helfer zum Schutz vor dem Virus Abstand.

Einkaufen müssen die Helfer, da sie viele Menschen versorgen, in größeren Mengen. "Wir hamstern nicht", steht auf einem Schild der Helfer. Supermärkte akzeptieren, wenn der Einkaufswagen voll ist.

"Wir werden das Angebot solange aufrecht erhalten, wie es wegen Corona notwendig ist", sagt Marija Galjer von den Maltesern. Überwältigt sind die Organisatoren von der großen Hilfsbereitschaft: "Es haben sich in den vergangenen Tagen sehr viele Ehrenamtliche gemeldet, die helfen wollen - vom Schüler bis zum Rentner." Darunter seien viele Menschen, die sich sonst nicht sozial engagierten. Vor allem junge Leute meldeten sich, um mitzuwirken und zu helfen.

"Freiwillige sind bereit, Einkaufshilfen zu übernehmen oder mit Hunden Gassi zu gehen", sagt Galjer: "Diese große Welle der Solidarität ist beeindruckend. Und eine gute Antwort auf die Krise." Gestärkt werde so der Gemeinsinn.

Die Helferinnen Ott, Gerst und Kohler füllen unterdessen weiter den Kofferraum. Eingekauft und ausgeliefert wird in Freiburg täglich.

Auch in anderen Orten bieten die Malteser sowie weitere Hilfsorganisationen, Sozialverbände und Kommunen solche Dienste. Den Angaben zufolge werden die Hilfsangebote derzeit ausgebaut und mit zunehmender Dauer der Corona-Krise verstärkt angenommen. Zum Einsatz kommen örtliche, ehrenamtliche Helfer.

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Titelfoto: Patrick Seeger/dpa

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