Offizielle Corona-Warn-App ist da: Grund zur Freude oder Sorge?

Deutschland - Seit dem frühen Dienstagmorgen steht die Corona-Warn-App für Apple und Android zum Download zur Verfügung. Der Zweck ist klar: die Ausbreitung des Coronavirus durch Tracking zu entschleunigen und Infektionsketten nachzuvollziehen. Mit der Umsetzung sind allerdings nicht alle zufrieden. Um 10.30 Uhr wird die App offiziell vorgestellt.

So sieht die Corona-Warn-App aus.
So sieht die Corona-Warn-App aus.  © Kay Nietfeld/dpa

Neben viel Lob für die Corona-App, unter anderem von Gesundheitsminister Jens Spahn (40) und dem Ärzteverband, hagelt es auch Kritik. 

Verantwortlich für die Entwicklung der Corona-App sind SAP und die Telekom. Die Entwicklungskosten betragen rund 20 Millionen Euro.

Trotz des offengelegten Quellcodes der App, sind der Datenschutz, die Privatsphäre und die Freiwilligkeit der Nutzung ein großes Thema.

Um die privaten Daten der Nutzer tatsächlich zu schützen, wurde sogar der Wunsch nach einem zusätzlichen Gesetz laut. Dieser wurde von der Bundesregierung abgelehnt.

Die Angst vor einem Datenmissbrauch konnten Politik und Entwickler den Deutschen bisher scheinbar nicht völlig nehmen. Deshalb wirbt jetzt die Bundesregierung massiv für eine breite Nutzung der App. 

Allgemein gilt nämlich: Je mehr Deutsche mitmachen, desto besser funktioniert die App. Ein Ersatz zum Abstandsgebot oder zur Maskenpflicht, ist sie natürlich nicht. Sie ist "nur" ein Mittel, um Infektionswege besser nachzuvollziehen zu können, und im Falle einer eventuellen Corona-Infektion schneller reagieren (Isolation) zu können.

Im Folgenden haben wir für Euch zusammengestellt, was die App überhaupt leisten kann, was kritisiert wird und wie sie im Idealfall funktioniert. 

Das kann die Corona-Warn-App

Sie kann messen, ob sich Handynutzer über eine längere Zeit näher als etwa zwei Meter gekommen sind. Ist ein Nutzer positiv getestet worden und hat dies in der App geteilt, meldet sie anderen Anwendern, dass sie in der Nähe eines Infizierten waren. Kontaktdaten werden nicht - wie zunächst vorgesehen - zentral gespeichert, sondern nur auf den Smartphones. 

So funktioniert die Corona-Warn-App

Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy (62). (Archivbild)
Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy (62). (Archivbild)  © dpa/Fabian Strauch

Wer positiv auf Covid-19 getestet wurde, kann diesen Status selbst in die App eintragen. Um einen Missbrauch zu verhindern, muss dieser Status aber offiziell bestätigt werden. 

Das geschieht zum einen über einen QR-Code, den man vom Testlabor erhält. Alternativ kann man auch eine TAN - also eine Transaktionsnummer - eingeben, die man von einer Telefon-Hotline bekommt, da nicht alle Labore in der Lage sind, QR-Codes zu generieren. 

Im Infektionsfall erhalten die betroffenen App-Kontakte dann einen Hinweis, dass sie sich testen lassen sollen. 

Der Deutsche Städtetag appellierte an die Nutzer der App, den Kontakt zum örtlichen Gesundheitsamt zu suchen, wenn die App ihnen eine Warnung anzeigt: "Damit können sie ein effizientes und zügiges Arbeiten der Gesundheitsämter unterstützen", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy (62) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die App setzt auf die Funktechnik Bluetooth. Sie funkt je nach Smartphone-Modell im Abstand von zweieinhalb bis fünf Minuten eine anonymisierte Identifikationsnummer 16 Mal in die nähere Umgebung. Zugleich lauscht das Telefon, ob es Bluetooth-Signale von Anderen empfangen kann. Halten sich Nutzer, die beide die App laufen haben, nebeneinander auf, tauschen die Smartphones ihre IDs aus.

Die Entwickler sagen, dass die App nicht viel Strom zieht und nur einen winzigen Bruchteil der Akkukapazität in Anspruch nimmt. 

Datenschutz, Privatsphäre und Freiwilligkeit

Neben viel Lob, wird die Corona-Warn-App auch kritisiert. (Symbolbild)
Neben viel Lob, wird die Corona-Warn-App auch kritisiert. (Symbolbild)  © dpa/Kay Nietfeld

Datenschützer loben inzwischen die App, nachdem es an ersten Konzepten noch heftige Kritik gehagelt hat. Bei der App und den dazugehörigen Diensten werden nun nicht die wahren Identitäten der Anwender ausgetauscht, sondern nur anonymisierte IDs, die sich mehrfach in der Stunde ändern. 

Die Kontaktdaten werden auch nicht zentral gespeichert - wie zu Beginn vorgesehen -, sondern dezentral auf den jeweiligen Smartphones. Nur die Liste der anonymisierten IDs der Infizierten wird auf einem zentralen Server vorgehalten, der Abgleich findet ausschließlich auf den einzelnen Smartphones statt.

Der Download der App ist und bleibt freiwillig, wird immer wieder betont. Das bekräftigte Kanzleramtsminister Helge Braun (47) immer wieder: "Es gibt keinen Zwang, die App zu installieren. Ein Gesetz, das die Deutschen zum Download der Corona-App zwingt, schließe ich ausdrücklich aus. Wir werden beim freiwilligen Modell bleiben." 

Aber wie sieht es eigentlich mit Diensthandys aus? 

Eine solche Frage hätte eigentlich im Arbeitsvertrag geregelt werden müssen, wird dort aber meist nicht erwähnt. In vielen Fällen wird der Arbeitgeber daher trotz seiner Fürsorgepflicht gegenüber Arbeitnehmern und Kunden den Download der App nicht anordnen können. 

Manche Juristen meinen aber, dass dies bei reinen Diensthandys und häufigen Kontakten mit Kolleginnen, Kollegen und Kunden durchaus angeordnet werden kann. 

Auch die Verbraucherzentralen pochen darauf, dass die App tatsächlich freiwillig bleibt. So dürfe es nicht sein, dass etwa Arbeitgeber, Restaurants oder Behörden eine Nutzung der App doch einmal als Zutrittsvoraussetzung definierten. 

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (54) sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: "Ich bin davon überzeugt, dass es einen breiten gesellschaftlichen Konsens darüber gibt, dass niemand benachteiligt werden darf, der die App – aus welchen Gründen auch immer – nicht nutzt."

Lob und Kritik

Kanzleramtsminister Helge Braun (47). (Archivbild)
Kanzleramtsminister Helge Braun (47). (Archivbild)  © dpa/zb/Oliver Killig

Die Regierung wirbt für eine breite Nutzung und verspricht hohen Datenschutz. Forderungen nach einem Gesetz lehnte sie ab. Die Ärzte unterstützen die neue App.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt (60), sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Das ist ein sehr sinnvolles Instrument." Die App sorge auf einfache Weise dafür, Infektionsketten zu erkennen. "Sie ermöglicht aber auch, persönliche Vorsorge zu treffen - indem man sich bei einer entsprechenden Warn-Meldung testen lassen kann." 

Die App wirke natürlich nur dann, wenn man möglichst viele Menschen fürs Mitmachen gewinne. "Sie würde noch besser wirken, wenn man das System grenzüberschreitend in Europa gangbar machen könnte."

Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas (53), nannte die App einen sinnvollen Baustein im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus. "Es ist absolut sinnvoll, die Chancen der Digitalisierung für den Kampf gegen Corona zu nutzen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Eine längere Entwicklungszeit sei auch allemal besser als schlecht funktionierende Schnellschüsse, wie Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten. Baas äußerte sich zugleich kritisch zur Rolle von Apple und Google. "Das Gesundheitswesen darf nicht in eine Abhängigkeitsfalle der großen US-Konzerne geraten - gerade, wenn es um den Umgang mit und die Nutzung von Daten geht."

Kanzleramtsminister Helge Braun (47) beschwor die Sicherheit des Programms. "Diese App ist so sicher, wie sie nur sein kann", sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenportal "t-online.de". Der Quellcode sei offengelegt worden, ein höheres Maß an Transparenz könne man "kaum leisten". 

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (57) versicherte, die Nutzung sei aus Sicht des Datenschutzes unbedenklich: "Niemand wird kontrolliert", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Es werden nur Zahlencodes ausgetauscht. Von diesen Zahlen aus kann niemand auf die Person schließen. Der gesamte Vorgang ist anonym." Er verspreche sich "keine Wunder davon, aber eine Menge im Kampf gegen das Virus."

Die Regierung wies Forderungen aus der Opposition zurück, Regelungen zur Freiwilligkeit und zum Datenschutz in einem eigenen Gesetz festzuschreiben. In der Datenschutzgrundverordnung sei alles Notwendige geregelt, argumentierte etwa Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Wer sollte sich die App herunterladen

Für ein gutes Funktionieren der App sollten sich natürlich möglichst viele Menschen die Corona-Warn-App herunterladen. 

Besonderes Augenmerk legt die Deutsche Stiftung Patientenschutz auf Beschäftigte in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Arztpraxen. Justizministerin Lambrecht sagte den Funke-Zeitungen, aus ihrer Sicht sei die Warn-App auch für Kinder mit Smartphones zu empfehlen, das müsse aber jede Familie für sich selbst beurteilen.

Ihr wollt die App herunterladen? Ein Besuch im PlayStore oder App Store kann einen da leicht überfordern. Neben der Corona-App des Bundes gibt es nämlich noch unzählige weitere Anbieter. Über diesen Link kommt ihr zu der offiziellen Corona-Warn-App.

Titelfoto: dpa/Kay Nietfeld

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