Eindringlicher Appell einer behandelnden Ärztin: "Das Virus ist nicht zu unterschätzen"

Dresden - Die Internistin Dr. Julia Fantana (40) behandelte an der Dresdner Uniklinik Notfälle wie Lungen-, Gallenwegsentzündungen oder Magenblutungen. Seit 9. März arbeitet sie als Ärztin in der Corona-Notaufnahme und ärgert sich über Corona-Leugner:

Wiederholt sich Geschichte? Notfallmediziner bringen einen Corona-Patienten aus Italien in Schutzkleidung auf die Intensivstation des Dresdner Uniklinikums.
Wiederholt sich Geschichte? Notfallmediziner bringen einen Corona-Patienten aus Italien in Schutzkleidung auf die Intensivstation des Dresdner Uniklinikums.  © Ronald Bonss

"Wenn ich die Maskenverweigerer sehe, die Corona nicht wahrhaben wollen, stößt das bei mir auf Unverständnis. Ich habe die schweren Krankheitsverläufe gesehen.

Es stimmt: Wir verstehen inzwischen die Angriffsweise des Virus besser und wissen, dass es die Gefäße in der Lunge angreift und Blutgerinnsel auslösen kann. 

Und wir können die COVID-19-Erkrankung mit einem virenhemmenden Medikament und Dexamethason behandeln, das entzündungshemmend und dämpfend auf ein durch Corona überschießendes Immunsystem wirkt.

Doch das Virus ist nicht zu unterschätzen! 14 Prozent der positiv Getesteten müssen im Krankenhaus behandelt werden, 17 Prozent davon auf der ITS. 

Deshalb machen mir die jetzt stetig steigenden Infektionszahlen Sorgen, weil schon bald die Belastungsgrenzen der ITS erreicht sein können.

Coronavirus kann Langzeitschädigungen mit sich bringen

"Wir wissen jetzt genauer, worauf wir bei der Corona-Behandlung achten müssen und können besser therapieren", sagt Dr. Julia Fantana (40).
"Wir wissen jetzt genauer, worauf wir bei der Corona-Behandlung achten müssen und können besser therapieren", sagt Dr. Julia Fantana (40).  © Holm Helis

Nicht nur den Maskenverweigerern und Patientenbesuchern, die ihre ganze Familie mitbringen wollen, sage ich: Das Tückische am Virus ist, dass Corona zu 44 Prozent vor dem Auftreten erster Symptome übertragen wird - wenn man sich also noch gesund und in Sicherheit fühlt.

Um Skeptiker zu überzeugen, sollte man übrigens nicht nur Zahlen und Fakten anführen, sondern besser von Schicksalen berichten. Das hilft beim Verstehen von Krankheitsgeschichten.

Nicht zuletzt sollte man sich die Langzeitschädigungen bewusst machen. 

Kürzlich habe ich einen Patienten wiedergetroffen, der im Frühjahr bei uns auf der ITS lag und lange künstlich beatmet werden musste. Er war danach bei einer Reha, ist aber bis heute arbeitsunfähig. Solche Schicksale verdeutlichen den Schrecken, der von der Krankheit ausgeht."

Titelfoto: Holm Helis

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