"Eingesprungen" oder bevorzugt? Wieso plötzlich 400 Polizisten Covid-19-Impfungen erhielten

Leipzig/Dresden - Schon wieder. Nach Fahrrad- und Diensthunde-Skandal (TAG24 berichtete) hat die Leipziger Polizei nun auch ihre Impf-Affäre. Laut Nachrichtenmagazin "Spiegel" bekamen Hunderte Beamte vorfristig ihre Corona-Schutzimpfung.

Sachsens DRK-Chef Rüdiger Unger (60) muss sich zum umständlichen Anmeldeportal seit Wochen Fragen gefallen lassen.
Sachsens DRK-Chef Rüdiger Unger (60) muss sich zum umständlichen Anmeldeportal seit Wochen Fragen gefallen lassen.  © DPA/Robert Michael

Dem Bericht zufolge wurden im Bereich der Polizeidirektionen (PD) Leipzig und Dresden seit dem 8. Januar mehr als 400 Beamte geimpft - obwohl sie noch gar nicht dran waren.

Auch in Sachsen-Anhalt gab es Ärger, weil dort 320 Polizisten vorgezogen wurden (TAG24 berichtete).

Kollegen der PD Dresden wurden Impfdosen verabreicht, darunter auch Polizisten im Umland wie im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und im Kreis Meißen.

Für die PD Leipzig samt Umland gab es 43 Dosen, so das Magazin. "Tatorte" waren die jeweiligen Impfzentren.

Das "unmoralische Angebot" kam direkt vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), jener Hilfsorganisation, die im Freistaat mit Koordination, Lieferung/Lagerung und Vergabe der Impfmittel betraut ist.

Der "Spiegel" zitiert die PD Leipzig, wonach man als Auffangorganisation für bereits aufgetaute und übrige Dosen vom DRK angefragt wurde.

Weil Impfdosen übrig waren, durften sich einige Beamte der Polizeidirektion Dresden schon impfen lassen. Hier ein Symbolbild einer Dresdner Streife.
Weil Impfdosen übrig waren, durften sich einige Beamte der Polizeidirektion Dresden schon impfen lassen. Hier ein Symbolbild einer Dresdner Streife.  © imago images/xcitepress
Einmal aufgetaut muss der Anti-Corona-Stoff zeitnah verimpft werden.
Einmal aufgetaut muss der Anti-Corona-Stoff zeitnah verimpft werden.  © DPA/Picture Alliance

Doppelbuchungen und Anmeldestau

Meist leer: das Dresdner Impfzentrum. Auch her wurden Polizisten vorgezogen geimpft.
Meist leer: das Dresdner Impfzentrum. Auch her wurden Polizisten vorgezogen geimpft.  © Eric Münch

Der mögliche Grund dafür findet sich im unzuverlässigen Anmeldesystem des DRK Sachsen: "Dort gab es Doppelbuchungen", erklärte gestern DRK-Sprecher Kai Kranich auf TAG24-Anfrage.

"Damit waren in den Zentren Pirna, Kamenz und Dresden an einem Tag plötzlich zu wenig impfbereite Bürger da", aber 200 Dosen, die zu verfallen drohten, beschreibt er ein Beispiel.

Dem steht der Anmeldestau im Impfportal gegenüber. Also keine Anmeldung möglich, 50.000 bereits vergebene Termine in der Warteschleife.

"Voraussichtlich ab Anfang März wird das DRK wieder regelmäßig Termine in Größenordnungen anbieten können", so das Sozialministerium.

Kranich verspricht: "Wenn kommende Woche mal alle Impflieferungen nicht nur versprochen werden, sondern auch vollumfänglich eintreffen, beginnen wir mit der Terminvergabe für vier Wochen im Voraus."

Zwar können sich inzwischen auch Ehepaare für ein und denselben Termin anmelden. Allerdings müssen beide Partner über 81 sein...

Titelfoto: imago images/xcitepress; DPA/Robert Michael / Montage

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