Einzelhändler drohte, trotz Lockdown zu öffnen: Intersport distanziert sich

Rosenheim - Erst wollte er trotz des Lockdowns öffnen, dann doch nicht, nun hat sich Intersport von Sportartikelhändler Udo Siebzehnrübl aus Rosenheim distanziert.

Intersport hat sich von dem Prostest-Händler aus Rosenheim distanziert. (Symbolbild)
Intersport hat sich von dem Prostest-Händler aus Rosenheim distanziert. (Symbolbild)  © Bernd Thissen/dpa

"Hier geht es um gesellschaftliche Verantwortung und die haben wir alle zu tragen", sagte Vorstandschef Alexander von Preen.

Zwar würden auch der Verbund und seine Geschäfte vor große wirtschaftliche Herausforderungen gestellt, hieß es in der Mitteilung vom Mittwoch. Die Beschlüsse von Bund und Ländern trage man aber mit, um eine weitere Verbreitung des Corona-Virus zu verhindern.

Der Intersport-Händler Siebzehnrübl hatte vor, nächsten Montag seine Läden in Rosenheim und Altötting zu öffnen, um auf die Notlage des Einzelhandels aufmerksam zu machen. Inzwischen trat er von seiner Ankündigung zurück.

Coronavirus in Berlin: Inzidenz in der Hauptstadt steigt an
Coronavirus Coronavirus in Berlin: Inzidenz in der Hauptstadt steigt an

Die rechte Szene habe die Aktion für ihre Zwecke ausgenutzt, sagte Siebzehnrübl am Dienstag dem Bayerischen Rundfunk.

"In dieses Fahrwasser soll Intersport nicht gezogen werden, da ist eine Grenze für mich erreicht."

Update 5. Januar, 19.02 Uhr: Sportartikelhändler will nun doch nicht öffnen

Rosenheim (dpa) - Eigentlich wollte der bayerische Sportartikelhändler Udo Siebzehnrübl seine Läden am nächsten Montag trotz Lockdowns öffnen. Und so auf die Notlage vieler Händler aufmerksam machen - jetzt macht der Betreiber von Intersport-Läden allerdings einen Rückzieher.

Die rechte Szene habe die Aktion für ihre Zwecke ausgenutzt, sagte Siebzehnrübl am Dienstag dem Bayerischen Rundfunk. "In dieses Fahrwasser soll Intersport nicht gezogen werden, da ist eine Grenze für mich erreicht." Er trete von seiner Ankündigung wieder zurück.

Originalmeldung: Lockdown hin oder her: Deshalb will dieser Sportartikelhändler am Montag seine Läden öffnen!

Rosenheim - Der Sportartikelhändler Udo Siebzehnrübl aus Bayern will am kommenden Montag zumindest zwei seiner fünf Intersport-Läden wieder öffnen.

Udo Siebzehnrübl will zwei seiner Läden am Montag öffnen. (Symbolbild)
Udo Siebzehnrübl will zwei seiner Läden am Montag öffnen. (Symbolbild)  © Peter Kneffel/dpa

"Ich bin kein Corona-Leugner und kein Querdenker", sagte Siebzehnrübl am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Aber sein Familienunternehmen mit 100 Mitarbeitern mache Millionenverluste, habe das Lager voller Winterware und habe vom Staat seit März gerade einmal 15.000 Euro Hilfe bekommen.

Weil sein Umsatzeinbruch unter 40 Prozent lag, habe er auch keinerlei Aussicht auf Überbrückungshilfe.

Der Handelsverband Bayern sprach von einem "Hilfeschrei", der die Wut und Verzweiflung unzähliger Einzelhändler zeige, die um ihre Existenz kämpften.

Coronavirus in Bayern: Virologie-Chef sicher, dass Zahlen im Winter ansteigen werden
Coronavirus Coronavirus in Bayern: Virologie-Chef sicher, dass Zahlen im Winter ansteigen werden

Während das Gastgewerbe Umsatzausfälle durch die Novemberhilfe zu 75 Prozent ersetzt bekomme, lasse die Politik den Handel "am ausgestreckten Arm verhungern", sagte Geschäftsführer Bernd Ohlmann: "Bis jetzt ist nur heiße Luft gekommen."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) habe im September versichert, man werde "keinen Einzelhandel mehr schließen. Das wird nicht noch mal passieren."

Im Vertrauen darauf hätten Textil-, Schuh- und Sporthändler Winterware für hunderte Millionen Euro bestellt, sagte Ohlmann. Viele Händler äußerten jetzt Verständnis und Respekt für Siebzehnrübls Aktion: "Viele schimpfen über die Politik."

5000 Euro Bußgeld bei Verstößen gegen Lockdown

Siebzehnrübl sagte, der Fachhandel müsse schließen, während Aldi und Lidl Jacken und Sportartikel verkauften. Er sei CSU-Mitglied, aber die Politik handle einäugig und ignoriere die langfristigen Zerstörungen.

Er wolle am Montag zumindest seine Läden in Rosenheim und Altötting öffnen - ob auch die drei Filialen in Passau und München, kläre er noch mit Blick auf die rechtlichen Konsequenzen. Aus der Bevölkerung bekomme er viel Zuspruch.

Händlerkollegen aus anderen Städten hätten sich aus Solidarität für Montag zum Einkaufen bei ihm angekündigt. Bei einer Ladenöffnung im Lockdown droht dem Händler ein Bußgeld von 5000 Euro, im Wiederholungsfall mehr.

Titelfoto: Bernd Thissen/dpa

Mehr zum Thema Coronavirus: