Einzelhandel bricht im Lockdown ein: Warum Amazon und Zalando nicht helfen

Köln - Der teilweise Corona-Lockdown im November trifft erneut die Kleidungs-Geschäfte besonders hart. Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE).

Zahlreiche Menschen mit Masken sind auf der Schildergasse, einer der Haupteinkaufsstraßen Kölns, unterwegs.
Zahlreiche Menschen mit Masken sind auf der Schildergasse, einer der Haupteinkaufsstraßen Kölns, unterwegs.  © Marius Becker/dpa

Der stationäre Fashion-Handel ist handelsweit unverändert die Branche, die am stärksten unter der Corona-Pandemie leidet", teilte der BTE stellvertretend für den Textil-Einzelhandel in Deutschland am Dienstag mit.

Als Ursache nennt der BTE den Lockdown für Cafés, Restaurants und Kneipen. So fehlten einfach die Menschen in den Fußgängerzonen, die gleichzeitig einkaufen gehen und im Anschluss einen Kaffee trinken würden.

"Nach ersten BTE-Berechnungen liegen die Umsätze in der ersten Novemberwoche branchenweit rund 40 Prozent unter dem Vorjahr, in etlichen Fällen kämen Modehändler nicht mal auf die Hälfte ihrer üblichen Umsätze", so BTE-Präsident Steffen Jost.

Konkret machten viele Geschäfte täglich Verlust, da sie ohne genügend Käufer kaum ihre Kosten decken könnten.

Amazon und Zalando: Hohe Gebühren belasten Einzelhändler

Der BTE-Verband zeigt ein sehr düsteres Bild für den Mode-Einzelhandel auf: Es sei zu erwarten, dass im nächsten Jahr viele Mode- und Schuhgeschäfte für immer schließen werden, weil sie die neue Ware und die Miete nicht mehr bezahlen können. 

Das Drohbild vom Ladensterben und "Geisterstädten" nutzte der Verband für eine Forderung an die Politik: "Wenn die Politik dies verhindern will, brauchen wir massive direkte Hilfen",  so BTE-Präsident Jost.

In der Kölner Schildergasse und der Hohen Straße sind erste Geschäfte bereits geschlossen. Das Traditions-Schuhgeschäft Kämpgen schloss eine sanierte Filiale an der Ecke zum Kölner Neumarkt.

Laut BTE sei die Misch-Rechnung aus Onlinehandel und Geschäften in Fußgängerzonen nicht immer rentabel. Der Verkauf über große Plattformen wie Amazon und Zalando koste die kleinen Händler zu hohe Gebühren, die sie mit dem Geschäftsbetrieb nicht erwirtschaften könnten.

"Wir können bei insgesamt sinkenden Umsätzen nicht gleichzeitig die Kosten für den Betrieb eines stationären Geschäftes und die eines Online-Händlers stemmen", so der BTE-Vorsitzende.

Eine Lösung seien nur deutlich niedrigere Mieten in den Einkaufsstraßen Deutschlands und deutlich geringere Plattform-Gebühren für Verkäufer bei Amazon und anderen Online-Händlern.

Jost lobte hierfür Zalando: "Die aktuelle Ankündigung von Zalando, zumindest bis zum ersten Quartal im Händler-Programm auf die Partner- Provision zu verzichten, ist da ein richtiger Schritt."

Titelfoto: Marius Becker/dpa

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