Ex-Präsident zur Corona-Lage in Brasilien: "Größter Genozid unserer Geschichte"

Brasilien - Das südamerikanische Land Brasilien hat erstmals mehr als 100.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag registriert. Die Kritik am amtierenden Präsidenten Jair Bolsonaro (66) wird immer lauter.

Demonstranten der NGO Rio de Paz halten neben Bahren mit Laken und Kissen Rosen hoch, während eines Protestes im Gedenken an die rund 300.000 Corona-Toten in Brasilien.
Demonstranten der NGO Rio de Paz halten neben Bahren mit Laken und Kissen Rosen hoch, während eines Protestes im Gedenken an die rund 300.000 Corona-Toten in Brasilien.  © Andre Borges/dpa

Das Gesundheitsministerium in Brasília meldete am Donnerstagabend (Ortszeit) 100.158 neue Fälle in den vergangenen 24 Stunden. Insgesamt haben sich im größten Land Lateinamerikas mehr als 12,3 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert.

Am Mittwoch hatte Brasilien die Marke von 300.000 Toten überschritten, am Dienstag erstmals mehr als 3000 Tote innerhalb eines Tages verzeichnet. Brasilien hat 210 Millionen Einwohner.

Angesichts des dramatischen Anstiegs der Corona-Zahlen ist das Gesundheitssystem vielerorts überlastet oder sogar zusammengebrochen. Die große Sorge besteht nun darin, dass Medikamente, unter anderem zur Intubation von Covid-19 Patienten, zur Neige gehen könnten.

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Die Zeitung "O Globo" hatte diese Woche unter Berufung auf den Verband der Arzneimittel-Vertreiber Abradimex berichtet, dass deren Vorrat maximal noch für sieben Tage ausreiche.

Der frühere Präsident Brasiliens, Inácio Lula da Silva (75), äußerte sich am Freitag besorgt über die Lage in dem Land. "Am Dienstag sind in Brasilien 3158 Menschen an Covid gestorben, es ist der größte Genozid unserer Geschichte", sagte Lula dem "Spiegel". "Wir müssen Brasilien vor Covid-19 retten."

São Paulo: Friedhofsarbeiter in voller Schutzausrüstung tragen auf dem Friedhof Vila Formosa einen Sarg, der die Überreste einer Person enthält, die an Komplikationen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben ist.
São Paulo: Friedhofsarbeiter in voller Schutzausrüstung tragen auf dem Friedhof Vila Formosa einen Sarg, der die Überreste einer Person enthält, die an Komplikationen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben ist.  © Andre Penner/AP/dpa
Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat die Bedrohung durch Corona massiv unterschätzt.
Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat die Bedrohung durch Corona massiv unterschätzt.  © Eraldo Peres/AP/dpa

Er warf dem amtierenden Präsidenten Jair Bolsonaro vor, das Virus ein Jahr lang nicht ernst genommen zu haben. "Wenn er ein bisschen Größe hätte, dann hätte er sich bei den Familien der 300.000 Covid-Toten und Millionen Infizierten entschuldigt. Er ist dafür verantwortlich."

Titelfoto: Andre Penner/AP/dpa

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