Forscher finden selbst bei mildem Corona-Verlauf Organschäden

Hamburg - Auch eine milde Corona-Erkrankung hinterlässt Schäden im Körper. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), die jetzt veröffentlicht wurde.

Eine Infektion mit dem Coronavirus hat wohl immer Folgen für den Körper.
Eine Infektion mit dem Coronavirus hat wohl immer Folgen für den Körper.  © Uncredited/NIAID-RML/AP/dpa

Demnach konnten Schäden in Organen und Blutgefäßen festgestellt werden. Das Fazit der Wissenschaftler: Milde bis moderate Krankheitsverläufe mit Covid-19 können vermehrt zu Beinvenenthrombosen führen und die Funktionen von Herz, Lunge und Nieren mittelfristig beeinträchtigen.

Vor dem Hintergrund der Omikron-Variante, bei der milde Verläufe anscheinend dominieren, habe die Erkenntnis höchste Bedeutsamkeit, heißt es in einer Mitteilung der Wissenschaftsbehörde.

Seit Mitte 2020 wurden für die Studie 443 Menschen zehn Monate nach einer überstandenen Corona-Infektion untersucht. Die Daten wurden mit 1328 nicht erkrankten Teilnehmern der lokalen Gesundheitsstudie Hamburg City Health Study (HCHS) verglichen.

Auch für gesunde Kinder zwischen fünf und elf Jahren: Impfkommission weitet Empfehlung aus
Coronavirus Auch für gesunde Kinder zwischen fünf und elf Jahren: Impfkommission weitet Empfehlung aus

Die Forscher fanden in diesem Direktvergleich Anzeichen von mittelfristigen Organschädigungen bei den zuvor an Corona erkrankten Menschen.

Diese Schäden richtet Covid-19 im Körper an

Forscher am UKE wollen die Corona-Folgen weiter untersuchen. (Archivbild)
Forscher am UKE wollen die Corona-Folgen weiter untersuchen. (Archivbild)  © Bodo Marks/dpa

So war das Lungenvolumen um etwa drei Prozent reduziert und der Atemwegswiderstand leicht erhöht. Die durchschnittliche Pumpkraft des Herzens nahm um ein bis zwei Prozent ab. Außerdem war ein Markerprotein um 41 Prozent erhöht, das auf eine Herz-Belastung hinweist. Auch die Nierenfunktion nahm um etwa zwei Prozent ab.

Besonders auffällig war aber die Ultraschalluntersuchung der Beine. Dabei wurden zwei- bis dreifach häufiger Zeichen einer erfolgten Beinvenenthrombose nachgewiesen.

Überraschend positiv fiel dagegen die Untersuchung des Gehirns aus. Die Forscher fanden keine Verschlechterung der Struktur und Leistungsfähigkeit. Die Organschäden haben auch keine spürbaren Verschlechterungen der Lebensqualität zur Folge, wie aus Befragungen der untersuchten Menschen hervorging.

Österreich setzt Maskenpflicht aus
Coronavirus Österreich setzt Maskenpflicht aus

Stefan Blankenberg, HCH-Studienleiter und Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums des UKE, ist sich sicher: "Die Ergebnisse ermöglichen es uns, frühzeitig mögliche organische Folgeerkrankungen zu erkennen und die entsprechenden therapeutischen Maßnahmen einzuleiten."

Ob sich die Organe von den Schäden erholen, ist noch unbekannt. Die UKE-Wissenschaftler wollen diese Frage und mögliche Langzeitfolgen in einer weiteren Studie untersuchen.

Titelfoto: Uncredited/NIAID-RML/AP/dpa

Mehr zum Thema Coronavirus: