French-Open-Sieger jobbt in Corona-Krise im Supermarkt

Brunnthal - Grand-Slam-Sieger Kevin Krawietz (28) hatte schon länger mal vor, Einblicke in einen normalen Job zu gewinnen. In der Coronavirus-Krise und somit gänzlich ohne Tennis-Turniere arbeitet der 28-Jährige deshalb nun in einem Supermarkt im Freistaat Bayern, räumt Regale ein und zählt Kunden.

Arbeit in Zeiten der Corona-Krise: Kevin Krawietz (l.) räumt in einem Discounter Kartoffeln neben dem Filialleiter Mirnis Terzic (r.) in ein Regal ein.
Arbeit in Zeiten der Corona-Krise: Kevin Krawietz (l.) räumt in einem Discounter Kartoffeln neben dem Filialleiter Mirnis Terzic (r.) in ein Regal ein.  © Lino Mirgeler/dpa

Eins nach dem anderen sortiert Krawietz in die Regale ein. Er trägt Handschuhe und Maske, emsig packt er Kartoffeln, Spargel und Heidelbeeren an ihren Platz. Schon am frühen Donnerstagmorgen kurz nach der Öffnung um 7 Uhr ist der Discounter gut besucht. Der French-Open-Sieger im Doppel wäre unter normalen Umständen keinesfalls hier.

Eigentlich würde sich Krawietz derzeit auf die Titelverteidigung in Paris vorbereiten. Doch in Corona-Zeiten steht auch die Tennis-Tour still. 

Und der Grand-Slam-Sieger nutzt die kurzfristige Gelegenheit für einen doch eher ungewöhnlichen Perspektivwechsel - und zwar auf 450-Euro-Basis.

"Am Anfang war es eher im Scherz gedacht", erzählt Krawietz der Deutschen Presse-Agentur. Doch der Bedarf war aufgrund der Krise da. Eine Bekannte vermittelte ihn und seinen Tennis-Kumpel Hannes Wagner (24) an eine Filiale im bayrischen Brunnthal.

"Wir wollten einfach mal sehen, ob es anstrengend ist, ob es eine Herausforderung ist, früh aufzustehen und Regale einzuräumen, ganz stupide Arbeit zu machen", sagt der 28-Jährige im Gespräch. 

Um das Geld geht es ihm nicht, er hat dank seines herausragenden Tennisjahres 2019 bisher ein Preisgeld von knapp einer Million Euro gewonnen. Gegen halb sechs Uhr musste er an diesem Donnerstag schon im Laden sein, eine halbe Stunde hat er für die Anfahrt gebraucht. Krawietz sammelt generell gern neue Eindrücke, weit entfernt vom Leben auf der Tour. 

Hier im Supermarkt ist Tennis kaum ein Thema.

Kevin Krawietz: Arbeit kurzzeitig im Supermarkt statt auf dem Tennisplatz

Kevin Krawietz räumt in einem Discounter Spargel ein. Der French-Open-Sieger hat wegen der Turnierausfälle einen 450-Euro-Job angefangen.
Kevin Krawietz räumt in einem Discounter Spargel ein. Der French-Open-Sieger hat wegen der Turnierausfälle einen 450-Euro-Job angefangen.  © Lino Mirgeler/dpa

In Paris hatte der Coburger gemeinsam mit dem Kölner Andreas Mies (29) für den ersten Triumph eines deutschen Tennis-Doppels bei einem Grand-Slam-Turnier seit 1937 gesorgt. "Echt eine Sensation", wie nicht nur Boris Becker meinte. 

Das Weltklasse-Doppel ist für Bundestrainer Michael Kohlmann (46) seitdem natürlich Kandidat für den Davis Cup, bei der Finalwoche im November in Madrid vertraten Krawietz und Mies die Auswahl.

Zwischen Paletten und Regalen mit Klopapier und Backzutaten half das Krawietz natürlich wenig, er musste erst einmal neue Begriffe lernen. 

Anfangs haben es die Kollegen lustig gefunden, wenn er nicht wusste, was gemeint war, erzählt er. 

Inzwischen weiß er, dass es beim Abschachteln darum geht, leere Kartons auszusortieren oder zwei halb gefüllte Kartons im Regal in einen zu räumen. Und dass Wälzen heißt, entsprechende Kühlwaren nach dem Ablaufdatum zu sortieren.

"Wir haben großen Respekt vor den Mitarbeitern. Sie machen alle ihre Arbeit fleißig, keiner ist schlecht drauf. Das hat uns überrascht", sagt Krawietz. Spaß macht ihm die Arbeit aber nicht immer. "Klar gibt es Momente, wo ich sage, jetzt habe ich gar keinen Bock mehr", erzählt er. Momente, in denen er denkt, "jetzt wird es zäh", in denen er auf die Uhr schaut. "Reiß dich mal zusammen", denke er letztlich dann aber.

Zum Beispiel, als er einmal von 15 bis 20 Uhr eingeteilt war, die Einkaufswagen zu desinfizieren und den Eingang zu kontrollieren. Geduldig habe er erklärt, dass jeder Kunde einen Wagen nehmen müsse. Denn nur so behalte er den Überblick, dass nicht mehr als 40 Kunden den Discounter betreten. "Ich habe schon gesehen, dass es viele gibt, die unfreundlich sind", sagt Krawietz. "Ein paar haben es nicht akzeptiert, sind einfach reingelaufen, und ich musste hinterherlaufen."

"Wie cool" es ist, Tennisprofi zu sein, hat er durch die Erfahrungen noch mehr zu schätzen gelernt. Vom 8. Juni an würde er gern an einer neuen Turnierserie des Deutschen Tennis Bunds teilnehmen, ohne Publikum und Weltranglistenpunkte. Beim Discounter hatte Krawietz am Donnerstag vorläufig seine letzte Schicht.

Titelfoto: Lino Mirgeler/dpa

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