Führt fehlende Funktion der Luca-App zu falschem Corona-Alarm?

Rostock - Wägen sich Nutzer der Luca-App in falscher Sicherheit? Diese Frage drängt sich immer stärker auf.

Die Luca-App wirbt mit automatischen Check-outs auf ihrer Internetseite (links unten), die aber bislang nicht möglich sind.
Die Luca-App wirbt mit automatischen Check-outs auf ihrer Internetseite (links unten), die aber bislang nicht möglich sind.  © Screenshot/luca-app.de

Der automatische Check-out funktioniert bislang nicht auf Android-Geräten. Dabei versprechen die Macher dies als eine wichtige Funktion der App zur Kontaktverfolgung auf ihrer Internetseite.

Nutzer verlassen sich darauf - anscheinend zu Unrecht.

Das könne dazu führen, dass Ladenpersonal in Quarantäne und der Betrieb eingestellt werden muss, da sich Gäste eigentlich woanders infiziert haben, aber nicht ausgecheckt waren, warnte der Rostocker IT-Spezialist Martin Steinbach bereits Anfang März.

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Und weiter: "Das kann natürlich auch Gäste treffen, die sich auf das automatische Auschecken verlassen und später eine Quarantäne-Aufforderung bekommen, obwohl sie schon lange nicht mehr vor Ort waren."

TAG24 fragte bei den Machern der Luca-App nach.

Der automatische Check-out sei eine optionale Zusatzfunktion, die als Opt-in - also nur nach Zustimmung - zur Verfügung stehe, antwortete Patrick Hennig (32), Mitgründer und Geschäftsführer von neXenio, das die App entwickelt.

Luca-Nutzerin berichtet von Check-out-Problemen

Funktion soll demnächst in Luca-App zur Verfügung stehen

Mithilfe eines QR-Codes können Luca-Nutzer sich beim Betreten eines Ladens anmelden. Das soll die Kontaktverfolgung im Infektionsfall einfacher machen.
Mithilfe eines QR-Codes können Luca-Nutzer sich beim Betreten eines Ladens anmelden. Das soll die Kontaktverfolgung im Infektionsfall einfacher machen.  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

"Aus Datenschutzgründen ist es erforderlich, dass diese nicht ein zentral notwendiges Element darstellt, sondern lediglich als Komfortfunktion zu betrachten ist. Daher ist das Feature aktuell bei iOS in der Testphase und wird auch sehr zeitnah bei Android zur Verfügung stehen."

Wieso dennoch mit der Funktion geworben wird, obwohl sie noch nicht für alle Geräte funktioniert, ließ Hennig unbeantwortet.

Als Alternative zum Smartphone gibt es einen Schlüsselanhänger. Doch hier taucht ein neues Problem auf: Manuelle und automatische Check-outs sind nicht möglich. Der Ladenbetreiber kann nur alle Nutzer gleichzeitig abmelden, auch diejenigen, die noch bleiben.

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Die Luca-App wird seit mehreren Wochen als das Mittel zur Kontaktverfolgung angepriesen. Prominente Unterstützung kam durch Rapper Smudo (53). Restaurant- und Konzertbesuche sollen wieder möglich sein. Nach Monaten des Lockdowns ein Hoffnungsschimmer für viele Menschen.

Inzwischen setzen zahlreiche Städte und Mecklenburg-Vorpommern auf das System, andere Länder wie Bremen und Berlin stecken in den Kaufverhandlungen. Mittlerweile machen schon etwa 40.000 Betriebe mit, sagte Hennig im Netzpolitik Podcast.

Steuerfinanzierte Corona-Warn-App als Alternative?

Das Geschäft in Rostock ist am Sonntag zu, doch ein Check-in ist per QR-Code auch aus der Ferne möglich.
Das Geschäft in Rostock ist am Sonntag zu, doch ein Check-in ist per QR-Code auch aus der Ferne möglich.  © Screenshot/Luca-App

Die Luca-App verspricht: Registrierte Nutzer checken beim Betreten eines Ladens per Scannen eines QR-Codes ein, beim Verlassen können sie sich manuell oder automatisch abmelden.

Gibt es im Geschäfte eine Infektion, kann das Gesundheitsamt Kontaktpersonen informieren.

Im Gegensatz zur bisherigen Zettelwirtschaft sollen falsche Namen wie Micky Maus und Datenschutzprobleme der Vergangenheit angehören.

Allerdings reicht auch ein bloßes Foto des QR-Codes zum Check-in aus. TAG24 Hamburg hat sich damit am Sonntagmittag erfolgreich in einem geschlossenen Geschäft in Rostock angemeldet.

Falsche Besucherlisten sind somit auch möglich.

Übrigens arbeiten an einer ähnlichen Lösung auch die Entwickler der mit Steuergeldern bezahlten Corona-Warn-App. Die Check-in-Funktion sei schon fast fertig, berichtet t3n.

Wann die neue Version veröffentlicht werden soll, steht nicht fest.

Titelfoto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

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