Gute Nachrichten trotz Corona: Sechs Geschichten, die Mut machen

München – Tausende Todesfälle, die Wirtschaft im Stillstand und weitreichende Ausgangsbeschränkungen – in der Corona-Krise häufen sich seit Wochen die schlechten Nachrichten. Doch auch in der schweren Zeit gibt es den einen oder anderen Hoffnungsschimmer. 

Eine Mitarbeiterin einer Hausarztpraxis im Münchner Stadtteil Haidhausen zeigt ein zugeschicktes Paket mit einer Packung Mundschutz, Gummibärchen und einer Karte mit der Aufschrit "Sie brauchen es dringender. Alles Gute für die nächsten Wochen. Und danke für ihre Arbeit!".
Eine Mitarbeiterin einer Hausarztpraxis im Münchner Stadtteil Haidhausen zeigt ein zugeschicktes Paket mit einer Packung Mundschutz, Gummibärchen und einer Karte mit der Aufschrit "Sie brauchen es dringender. Alles Gute für die nächsten Wochen. Und danke für ihre Arbeit!".  © Peter Kneffel/dpa

1. Patientin verschenkt Mundschutze

"Sie brauchen es dringender. Alles Gute für die nächsten Wochen. Und Danke für Ihre Arbeit" – mit diesem Gruß hat eine Patientin der Münchner Allgemeinärztin Petra Weber ein Paket mit Mundschutzen geschenkt. 

"Es ging mir wirklich das Herz auf. Ich fand das so lieb", sagt Weber der Deutschen Presse-Agentur. Der anhaltende Mangel an Hygienemitteln sei bei ihr in der Praxis ein großes Problem.

Zwar habe es auch Material von der Kassenärztlichen Vereinigung gegeben. "Es ist nett gemeint, aber wenn man selbst nichts anderes hätte, könnte man nur eine Woche damit schaffen", so Weber. Darum seien die 50 Mundschutze aus dem Paket der Patientin nicht nur eine schöne Wertschätzung, sondern auch eine wichtige Hilfe.

2. Artistik-Training im Messelager

Sporthallen sind wegen Corona geschlossen – für die Münchner Artistin Ella Hummel ist das aber kein Grund, auf ihr Training zu verzichten. Die 20-Jährige hat ihre Trainingsstätte an der Artistik-Uni in Tilburg in den Niederlanden einfach gegen die Lagerhalle eines Messebauers in Ismaning im Landkreis München getauscht. "Für mich ist es super, dass ich überhaupt einen Ort habe zum Trainieren. Ich habe das so vermisst, mich gescheit zu bewegen", sagt sie.

Für ihre Übungen in luftiger Höhe hat sie ein Seil und ein Tuch an einem Kran in der Halle befestigt, zwischen Traversen, Messeböden und Schildern hat sie zwei Matratzen gelegt, um Stürze abzufedern. "Ich nehme da einfach, was ich zur Verfügung habe", sagt sie. 

Weil das Messelager aber nicht beheizt sei und sie ihren Muskeln nicht schaden wolle, gehe das nur bei mildem Wetter – durchschnittlich komme sie derzeit etwa dreimal die Woche in die Halle.

"Sie war total überwältigt und sprachlos"

Ella Hummel, Studentin an der Akademie für Zirkus und Performance Art, trainiert in einer Lagehalle mit einem Vertikaltuch.
Ella Hummel, Studentin an der Akademie für Zirkus und Performance Art, trainiert in einer Lagehalle mit einem Vertikaltuch.  © Sven Hoppe/dpa

3. Lehrerin übernimmt Monatsmiete für Buchladen

Besonders für viele kleinere Geschäfte sind die wochenlangen Schließungen in der Corona-Krise ein harter Schlag – doch Hilfe kommt auch mal ganz unverhofft. 

So hat die Münchner Lehrerin Ulrike Pauli kurzerhand eine Monatsmiete für eine Buchhandlung in Sendling übernommen. "Ich war spazieren hier im Viertel und habe die Schilder an den Läden gesehen, 'wir haben geschlossen'. Und dann habe ich mich gefragt, wie geht es den Inhabern?", sagt Pauli.

Schon oft habe sie in der Sendlinger Buchhandlung eingekauft und kurzentschlossen die Inhaberin gefragt, ob sie eine Monatsmiete übernehmen dürfe. "Sie war total überwältigt und sprachlos, aber dann hat sie sich gefreut und ich habe es dann einfach gemacht."

Auch wenn die meisten Läden in Bayern am 27. April unter Auflagen wieder öffnen dürfen, bleibt die finanzielle Not bei vielen groß und Hilfe von allen Seiten erwünscht. Deshalb hat Pauli auch die Website "Helfer in der Krise" ins Leben gerufen. 

Hier könnten sich kleinere Läden und Hilfsbereite miteinander verbinden, so Pauli.

"Es klappt hervorragend, die Bewohner sind guten Mutes"

Altenheime sind in der Corona-Krise besonders gefährdet. (Symbolbild)
Altenheime sind in der Corona-Krise besonders gefährdet. (Symbolbild)  © Peter Steffen/dpa

4. Vom Seniorenheim ins Vier-Sterne-Hotel

Fünf Altenheimbewohner wohnen wegen Corona aktuell nicht in ihrem Seniorenheim im Landkreis Freising, sondern in einem Vier-Sterne-Hotel. "Es klappt hervorragend, die Bewohner sind guten Mutes", sagt Werner Wagensonner vom Landkreis. 

Durch die Verlegung könnten die durch das Coronavirus besonders gefährdeten Altenheime entlastet werden. Deshalb genießen die fünf Senioren nun auf Kosten des Landkreises den Komfort des Hotelaufenthaltes. "Die Duschen sind barrierefrei, die Zimmer geräumig und für Rollatoren geeignet. Und es gibt eine große Sonnenterrasse."

Neben den Pflegekräften seien auch die Hotelmitarbeiter auf die neuen Gäste eingestellt – mit Schutzkleidung und einer Einweisung in Hygienegrundsätze im Altenheim. Um die Senioren mit ihren Familien zuhause zu verbinden, helfe man auch gerne beim Videoanruf, sagt Eva Zimmerhof vom Landkreis. 

In der nächsten Zeit könnten noch Dutzende weitere Senioren in der Region in Hotels einquartiert werden, so Wagensonner. Generell sei die Verlegung aber nur bei Heimbewohnern mit Orientierung und geringem Pflegebedarf denkbar.

Lachen gegen den Lagerkoller

Lachen ist die beste Medizin gegen den Lagerkoller. (Symbolbild)
Lachen ist die beste Medizin gegen den Lagerkoller. (Symbolbild)  © Karl-Josef Hildenbrand dpa/lby

5. Digitale Nachbarschaftshilfe für Einzelhändler

Damit sie auch während der Ladenschließungen ihre Waren verkaufen können, bringt ein lokaler Software-Entwickler viele Geschäfte im Landkreis Kulmbach online. 

"Uns ist sehr bewusst, dass kleine Einzelhändler in der Fußgängerzone oft nicht die Möglichkeiten haben, ihre Produkte online zu vertreiben – ob finanziell oder technisch", sagt Wiktoria Kleindienst von der Firma "Dynamic Commerce". Deshalb hat die Firma zwei Onlineshops eingerichtet.

Seit Anfang April präsentieren rund 20 lokale Einzelhändler auf den beiden Seiten ihre Läden. Bis zu zehn Produkte können sie jeweils online zum Verkauf anbieten. 

"Das sind die typischen Händler, Optiker, Parfümerie, Buchhändler, die man in jeder Fußgängerzone findet", so Kleindienst. Für das Angebot müssten die Händler derzeit nicht extra zahlen. Gebühren entstünden nur für Zahlungsmethoden – wie bei jedem anderen Onlineverkauf auch, betont Kleindienst. Der Onlinehandel soll auch weiterlaufen, wenn die Läden in wenigen Tagen wieder öffnen dürfen.

6. Online-Lachseminare gegen den Corona-Koller

Lachen ist bekanntlich die beste Medizin – und deshalb bietet der Lachclub am Münchner Westpark aktuell Online-Lachseminare als Mutmacher in der Corona-Krise an. Wem wegen der Ausgangsbeschränkungen die Decke auf den Kopf fällt, der könne nun regelmäßig im Videochat an den Seminaren teilnehmen, sagt Lachtrainerin Cornelia Leisch. "Es geht darum, aus dem Kopf herauszukommen. Das passiert, wenn man atmet und wenn man lacht."

Die Nachfrage sei groß: Anfangs habe es jeden Sonntag um 11 Uhr einen Termin für das Online-Training gegeben, mittlerweile biete der Lachclub zusätzliche Termine mehrmals die Woche an, so Leisch. Manchmal kämen dann bis zu 50 Lachschüler im Chat zusammen. 

Am wichtigsten sei es, sich von allen Zwängen freizumachen – und das habe nicht unbedingt etwas mit lauten Lachgeräuschen zu tun. "Man muss das natürliche Lachen kommen lassen", sagt Leisch. "Manche können dann so loslassen, dass ihnen die Tränen kommen."

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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