Mediziner aus Sachsen, der an Impfstoff gegen Coronavirus mitarbeitet, sagt, er sei nun nach Impfung immun

Görlitz - "Ich bin jetzt immun gegen Sars-CoV-2", sagt Winfried Stöcker (73). 
Winfried Stöcker hat sich selbst geimpft und geheilt. Die wissenschaftliche Aussagekraft ist zweifelhaft - alles vielleicht nur ein PR-Coup für seine Firma Euroimmun aus Lübeck?
Winfried Stöcker hat sich selbst geimpft und geheilt. Die wissenschaftliche Aussagekraft ist zweifelhaft - alles vielleicht nur ein PR-Coup für seine Firma Euroimmun aus Lübeck?  © Daniel Bockwoldt/dpa

Der Görlitzer Warenhaus-Investor, der zuletzt mit kühnen politischen Thesen aneckte, bleibt auch bei seinem neuesten Vorstoß umstritten. Denn er hat sich selbst geimpft und trägt jetzt Antikörper gegen das Corona-Virus.

Der bei Bernstadt in der Oberlausitz geborene Mediziner hat 1987 in Lübeck die nun weltweit agierende Labordiagnostik-Firma Euroimmun gegründet. 

In seinem Labor werden nicht nur Coronatests entwickelt, sondern auch für einen Totimpfstoff geeignete Antigene. Und solch ein künstliches Antigen hat er sich selbst mehrfach in den Muskel verimpft.

Stöcker: "Wie erwartet, habe ich die Impfungen gut vertragen. Ich fühlte mich während der ganzen Zeit wohl und blieb gesund." Und erwartungsgemäß - ergaben weitere Tests - haben sich spezifische Antikörper entwickelt, die das Virus neutralisieren.

Aus Stöckers Sicht könnten binnen eines halben Jahres drei Viertel der Bevölkerung Deutschlands oder der USA mit diesem Mittel immunisiert werden. 

Stöcker: "Mit einem einzigen 2000-Liter-Reaktor kann man 35 Gramm Antigen pro Tag produzieren. Das würde für 350.000 Personen reichen."

Wissenschaftler ist nicht beeindruckt

Auch ein Totimpfstoff muss sämtliche Hürden der Zulassung und Freigabe überwinden.
Auch ein Totimpfstoff muss sämtliche Hürden der Zulassung und Freigabe überwinden.  © 123rf/scyther5

Winfried Stöckers heroischer Akt der Selbstimpfung soll uns vielleicht Hoffnung machen. 

Er ist aber nicht nur gefährlich, sondern er bringt die Wissenschaft nicht weiter. Dr. Georg-Christian Zinn (Bioscientia): 

"Einzelfallbeobachtungen sind genauso zu verwerten wie 'Ich habe eine Zitrone gegessen und bin den ganzen Winter nicht krank geworden' - nett, aber hilft uns nicht."

Denn ein Impfstoff, der millionenfach verabreicht werden soll, muss erst an tausenden Menschen auf Wirksamkeit und Verträglichkeit geprüft werden, bevor gefährliche Nebenwirkungen ausgeschlossen werden können. 

Weltweit gibt es 123 Impfstoff-Projekte gegen Corona, von denen sich derzeit zehn in der klinischen Studienphase mit Freiwilligen befinden.

Titelfoto: 123rf/scyther5/Daniel Bockwoldt/dpa

Mehr zum Thema Coronavirus:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0