Corona-Krise: Zwangspause könnte für Kinder mit Schulangst problematisch werden

Halle (Saale) - Der Schulausfall während der Corona-Zeit kann aus Sicht von Fachleuten für Kinder mit Angststörungen auch im Nachhinein problematisch sein. Schulpsychologen rechnen in den kommenden Wochen mit mehr Arbeit.

Für Kinder mit Angststörungen könnte die erzwungene Schulpause durch Corona zu Problemen führen.
Für Kinder mit Angststörungen könnte die erzwungene Schulpause durch Corona zu Problemen führen.  © Philipp von Ditfurth/dpa

"Für die meisten Schüler und Schülerinnen mit Schulangst oder Schulphobie war die Situation nicht günstig", sagte die Referatsleiterin der schulpsychologischen Beratung beim Landesschulamt, Carola Wilhayn, in Halle. Die Schulpsychologen und Schulpsychologinnen im Land rechnen für die kommenden Wochen mit mehr Beratungsanfragen - und loben zugleich die Arbeit an vielen Schulen.

Die beiden Angststörungen, die im Zusammenhang mit einem Schulbesuch am bekanntesten seien, seien Schulangst und Schulphobie, erklärte Wilhayn. Schulangst könne sich entweder als Angst vor einer negativen Bewertung, etwa der Furcht vor schlechten Noten, oder als eine soziale Angst, etwa der Angst vor Spott durch andere, äußern.

Kinder mit einer Schulphobie spürten hingegen eher Angst, sich für einen längeren Zeitraum von ihren engsten Bezugspersonen zu trennen. In beiden Fällen mieden die Kinder in der Folge die Schule.

Die Corona-Krise sei eine völlig unerwartete Ausnahmesituation gewesen.

"Die Schulen mussten sich innerhalb kurzer Zeit komplett umstellen und neue Wege finden, um trotzdem mit den Schülerinnen und Schülern Kontakt zu halten", sagte die Schulpsychologin. Anfangs seien die schulpsychologischen Angebote daher zweitrangig gewesen.

Angststörungen: Corona könnte eine Chance sein

Gleichzeitig soll die Zeit jedoch auch als Chance angesehen werden.
Gleichzeitig soll die Zeit jedoch auch als Chance angesehen werden.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Für die Schüler und Schülerinnen mit den Angststörungen könne die Wiedereröffnung der Schulen nun jedoch zu Schwierigkeiten führen. "Wir rechnen damit, dass in den kommenden Wochen mehr Beratungsanfragen auf uns zukommen", sagte Wilhayn. Der Grund: Die betroffenen Kinder würden womöglich wieder häufiger mit ihren Ängsten konfrontiert werden und könnten dadurch ein verstärktes Vermeidungsverhalten zeigen.

Für Kinder mit sozialen Ängsten oder jenen, die Sorge hätten, den Leistungsanforderungen nicht gewachsen zu sein, könne der Neustart nach Corona aber auch eine Chance sein, betonte Wilhayn.

Mitunter hätten die Schülerinnen und Schüler während der Phase der Schulschließung gemerkt, dass ihnen die Schule doch gefehlt habe. Wichtig sei, stets den individuellen Fall zu betrachten und die Ursachen für das schulvermeidende Verhalten zu finden.

Mit Blick auf die Sommerferien rät die Schulpsychologin, die Zeit zu nutzen. "Jeder hat sich die Sommerzeit verdient", sagte Wilhayn. Eltern von Kindern mit Ängsten könnten die Situation aber dafür verwenden, sich beraten zu lassen und zu informieren.

Die Beratungen der Schulpsychologen und Schulpsychologinnen sind nach Angaben des Sozialministeriums kostenlos.

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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