Suspendierter Polizist war für Sicherheit jüdischer Einrichtungen zuständig!

Hannover - Der wegen seiner kritischen Demo-Rede vom Dienst suspendierte Kriminalhauptkommissar aus Hannover hat an Sicherheitskonzepten für jüdische Gemeinden mitgewirkt. 

Menschen demonstrieren in Dortmund gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen
Menschen demonstrieren in Dortmund gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen  © Fabian Strauch/dpa

Das bestätigten der niedersächsische Landespolizeipräsident Volker Kluwe und der Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Hannover.

Der Beamte hatte sich bei der Kundgebung "Querdenken" am vergangenen Sonntag in Dortmund mit vollem Namen als Kriminalhauptkommissar vorgestellt und die aktuellen Corona-Regeln hinterfragt. 

Er zog dabei auch Parallelen zur Nazizeit, wie in einem auf Youtube veröffentlichen Mitschnitt der Rede zu hören ist. Die Polizei hat den Beamten bis zur Klärung der Angelegenheit vom Dienst suspendiert.

Kluwe kündigte nun an, dass die nach dem antisemitischen Terroranschlag von Halle im Oktober 2019 erstellten Sicherheitsgutachten für jüdische Einrichtungen im Raum Hannover von einer unabhängigen Stelle noch einmal überprüft würden.

"Darüber hinaus führt die Polizeidirektion mit allen jüdischen Gemeinden im Zuständigkeitsbereich persönliche Gespräche, um einem möglichen Unsicherheitsgefühl aktiv entgegenzuwirken", sagte er am Mittwoch.

"Das war genau der Polizist des Landeskriminalamts, der uns geschickt worden ist", sagte Katarina Seidler, Vorsitzende des Landesverbands. Sie gehört der liberalen jüdischen Gemeinde in Hannover an. Die Gemeinde habe wegen des Beamten ein erstes Gespräch mit der Polizei geführt.

Sie unterstelle nicht, dass seine Empfehlungen nicht richtig seien, sagte Seidler der Deutschen Presse-Agentur. Aber sie habe Bedenken, ob das Wissen um Stärken und Schwächen der Sicherheit jüdischer Einrichtungen "bei ihm in guten Händen ist". 

Es gehe um Vertrauen. Innenminister Boris Pistorius (60, SPD) solle sich der Sache annehmen, forderte sie.

Titelfoto: Fabian Strauch/dpa

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