Corona-Krise: Tui muss um weiteres Urlaubsgeschäft bangen

Hannover – Nach der wegen der Corona-Folgen wohl schwierigsten Phase in der bisherigen Konzerngeschichte zieht Tui am Donnerstag (ab 8 Uhr) eine erste Zwischenbilanz der vergangenen Monate. 

Eine Boeing 737-800 der Tuifly startet am Flughafen Hannover.
Eine Boeing 737-800 der Tuifly startet am Flughafen Hannover.  © Julian Stratenschulte/dpa

Das Unternehmen legt in Hannover seine Zahlen zum 3. Geschäftsquartal (April bis Juni) vor, in das der so gut wie vollständige Einbruch des internationalen Tourismus während des Beginns der Viruskrise fiel.

Seit Mitte Juni läuft der Betrieb beim weltgrößten Reisekonzern zwar wieder schrittweise an. Vorstandschef Fritz Joussen dürfte diesmal aber kaum Umsatz ausweisen, weil die Aktivitäten in fast allen Ländern lange ruhten. Beim Ergebnis werden tiefrote Zahlen erwartet - so wie auch bei vielen anderen Unternehmen aus der Reisebranche.

Im ersten Geschäftshalbjahr 2019/2020 (bis März) hatte die Tui-Gruppe unterm Strich schon einen im Vorjahresvergleich deutlich höheren Verlust von 892,2 Millionen Euro verbucht. Im Winter ist das Geschäft der Reiseanbieter allerdings auch traditionell schwach, sie verdienen in Geld in regulären Jahren vor allem im Sommer.

Damit die Finanzierung bei einem gleichzeitigen harten Sparkurs gesichert bleibt, erhielt Tui bereits im April als erstes deutsches Großunternehmen einen staatlichen Kredit über 1,8 Milliarden Euro. Diese Hilfe soll um weitere 1,05 Milliarden Euro über die Förderbank Kfw erweitert werden. 

Außerdem sollen den am Mittwoch verkündeten Plänen zufolge 150 Millionen Euro über eine Wandelanleihe an Tui gehen, die der Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes zeichnet. Solche Anleihen können vom Besitzer unter bestimmten Bedingungen in Aktien umgetauscht werden. So könnte der Bund mit bis zu neun Prozent bei der Tui als Miteigentümer einsteigen.

Damit zeichnet sich ab, dass sich der Staat - nach der Lufthansa - an noch einem großen Tourismus- und Verkehrskonzern beteiligt. Tui-Chef Fritz Joussen sieht das aufgestockte Darlehen allerdings vor allem als Vorsorgemaßnahme für den Fall, dass die Nachfrage der Kunden nicht spätestens ab dem Herbst wie erhofft wieder mehr anzieht.

Update, 9 Uhr: Milliardenverlust für Tui

Ende Juli nahm Tui das Kreuzfahrtgeschäft wieder auf. Die "Mein Schiff 2" läuft nach einem dreitägigen Tripp in Hamburg ein.
Ende Juli nahm Tui das Kreuzfahrtgeschäft wieder auf. Die "Mein Schiff 2" läuft nach einem dreitägigen Tripp in Hamburg ein.  © Daniel Bockwoldt/dpa

Der Reisestopp wegen der Corona-Pandemie hat den weltgrößten Tourismuskonzern Tui tief in die roten Zahlen gerissen. Weil das Unternehmen im dritten Geschäftsquartal von April bis Juni fast alle Urlaubsreisen absagen musste, verlor Tui unterm Strich rund 1,4 Milliarden Euro. 

Dies teilten die Hannoveraner am Donnerstag mit. Ein Jahr zuvor hatte Tui knapp 23 Millionen Euro Gewinn eingefahren. Der Umsatz sackte nun um 98,5 Prozent auf 72 Millionen Euro ab, sodass das Geld für die Deckung der Betriebskosten nicht ausreichte.

Vorstandschef Fritz Joussen hofft, den Abfluss im laufenden Sommerquartal bis Ende September stoppen zu können. Dazu braucht der Konzern möglichst viele Urlauber. Seit der Wiederaufnahme der Reisen seien 1,7 Millionen Neubuchungen eingegangen, hieß es. 

Um die Krise zu überstehen, hat sich Tui inzwischen Staatshilfen im Umfang von drei Milliarden Euro gesichert. Außerdem hat der Vorstand ein umfangreiches Sparprogramm angeschoben.

Am Mittwoch hatte Tui bekannt gegeben, dass ein im April gewährter Kredit der Förderbank KfW um weitere 1,05 Milliarden Euro aufgestockt werden soll. Überdies sollen 150 Millionen Euro über eine Wandelanleihe an Tui gehen, die der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes zeichnet. 

Solche Anleihen können vom Besitzer unter bestimmten Bedingungen in Aktien umgetauscht werden. So könnte der Bund mit bis zu neun Prozent bei Tui als Miteigentümer einsteigen.

Titelfoto: Julian Stratenschulte/dpa

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