Baden in Zeiten von Corona: Was passiert jetzt mit Seen und Freibädern?

Frankfurt am Main/Wiesbaden/Kassel/Wetzlar - Lange Warteschlangen vor dem Freibad und Handtuch neben Handtuch an den Stränden der Badeseen. Dazu: Dichtes Tummeln im Wasser und Drängen am Sprungturm. Solche Bilder gehören eigentlich zu jedem Sommer dazu. Doch was wird in diesem Jahr, zu Zeiten von Corona, aus der Badesaison?

Reinigungsarbeiten laufen im Schwimmbecken des Mühltalbades in Darmstadt-Eberstadt. Die Mitarbeiter bereiten sich auf die Eröffnung der Freibadsaison vor. Angesichts der Corona-Krise ist noch unklar, ob und wann die Schwimmbäder oder bewachten Badestellen freigeben werden.
Reinigungsarbeiten laufen im Schwimmbecken des Mühltalbades in Darmstadt-Eberstadt. Die Mitarbeiter bereiten sich auf die Eröffnung der Freibadsaison vor. Angesichts der Corona-Krise ist noch unklar, ob und wann die Schwimmbäder oder bewachten Badestellen freigeben werden.  © DPA/Arne Dedert

"Eins können wir mit Sicherheit sagen: es wird eine Saison, wie wir sie noch nie hatten", sagt der Präsident des hessischen Landesverbands der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Michael Hohmann.

"Wir haben eine sehr komplexe Situation und wissen nicht, was auf uns zukommt." So sei noch unklar, wann und ob die Schwimmbäder und bewachten Badestellen freigegeben würden. "Die Entscheidung liegt in der öffentlichen Hand."

Dennoch laufen die Vorbereitungen der DLRG, um kurzfristig einsatzbereit zu sein. "Das heißt, wir rüsten die Stationen, checken unser Material, planen die Personal-Verfügbarkeiten und stellen uns auf die neuen Hygiene-Vorgaben ein", sagt Hohmann.

In der Regel sind die Freibäder in Hessen im Mai startklar, so auch in Wiesbaden. "Natürlich würden wir gerne planmäßig die Freibad-Saison eröffnen. Aber in dieser außergewöhnlichen Situation geht es nicht darum, was wünschenswert ist", heißt es beim Betreiber der städtischen Bäder. Die Gesundheit der Bevölkerung genieße völlig zu Recht höchste Priorität.

In den Kommunen wird nun auf eine Ansage seitens der Politik gewartet. Dabei könnte auch die konkrete Definition von Großveranstaltungen eine Rolle spielen, die bis Ende August verboten sind. Denn in einem vollen Freibad kommt schnell eine enorme Zahl von Menschen zusammen.

Bäder gehören in Zeiten, in denen die Menschen nicht in Urlaub fahren können, zur "Daseins-Vorsorge"

Ein Bild aus der Zeit vor Corona: Kinder im Bensheimer Badesee.
Ein Bild aus der Zeit vor Corona: Kinder im Bensheimer Badesee.  © dpa/Frederik von Erichsen

In Kassel war eine Öffnung der Schwimmbäder zunächst nicht geplant. "Das ist davon abhängig, was von der Politik entschieden wird", sagt ein Sprecher der Städtischen Werke.

Ein volles Schwimmbad sei ja quasi auch eine Großveranstaltung. Und selbst wenn es grünes Licht gebe, brauche man mindestens drei Wochen Vorlauf, um den Badebetrieb aufzunehmen. Auch am Diemelsee und Edersee war noch unklar, ob beispielsweise Strandbäder im Mai geöffnet werden.

"Wir gehen davon aus, dass wir dieses Jahr noch unsere Freibäder öffnen können", sagt der Geschäftsführer der Frankfurter Bäderbetriebe, Boris Zielinski. "Wenn auch verspätet und unter anderen Bedingungen, als man sie normal kennt."

Derzeit gebe es verschiedene Ideen: Eine Begrenzung der Besucherzahl, Öffnungszeiten nur für Senioren, um diese Risikogruppe zu schützen. Oder eine andere Gestaltung des Eingangsbereichs, um Warteschlangen zu umgehen.

Die Bäderbetriebe beschäftigen rund 260 Mitarbeiter, von denen nun die meisten in Kurzzeit gehen. Es sei wichtig und wünschenswert, dass die Schwimmbäder öffnen können, sagt Zielinski. "Die Bäder gehören zur Daseins-Vorsorge." Und gerade in diesem Sommer, wo viele Menschen nicht in den Urlaub fahren können, sei es ein wichtiges Angebot.

Auch wenn noch nicht klar ist, wann wieder geschwommen werden kann, laufen die Saison-Vorbereitungen im Wetzlarer Freibad Domblick normal, wie ein Stadtsprecher berichtet.

"Selbst wenn das Freibad in diesem Sommer wieder geöffnet werden könnte, ist dies wohl nur unter strengen Abstands-Regeln und Zuzugs-Beschränkungen zum Wasserbecken denkbar." Ob und wann der Dutenhofener See wieder als Badesee genutzt werden könne, sei ebenfalls noch völlig offen.

Den Schwimmbad-Betreibern fehlt die Planungs-Sicherheit

Vielen Schwimmbad-Betreibern fehlt natürlich eine gewisse Planungs-Sicherheit, denn die Bäder können - selbst wenn sie schon gereinigt sind - nicht von heute auf morgen öffnen.

"Das Hochfahren der technischen Anlagen und die Beprobung zur Sicherstellung der Hygiene von Badewasser und Trinkwasser benötigt bei Freibädern bis zu zwei Wochen", sagte kürzlich der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB), Christian Ochsenbauer.

Durch das Badewasser selbst könnten nach derzeitigem Wissens-Stand keine Coronaviren übertragen werden, hieß es von der DGfdB. Das Chlor inaktiviere Bakterien und Viren verlässlich.

Für den DLRG-Präsidenten Hohmann steht bei der Vorbereitung auf die Saison eine Frage ganz oben: Wie kann das eigene Personal geschützt werden?

"Wasserrettung ist eine Tätigkeit mit direktem Körperkontakt, da ist keine Abstandsregelung gewährleistet." Er appelliert an die Menschen, den Sprung ins Wasser derzeit zu vermeiden.

Momentan sollte man auf das Baden verzichten, "um sich selbst, aber auch die Retter nicht in Gefahr zu bringen".

Titelfoto: DPA/Arne Dedert

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