Experten fürchten Langzeitfolgen für Kinder durch Corona-Pandemie

Hessen - Die Einschränkungen in der Lebenswelt von Kindern durch die Corona-Pandemie werden aus Sicht von Experten sehr wahrscheinlich Langzeitfolgen haben.

Durch den Lockdown, Home Office und Homeschooling steigen nach Aussagen der Experten Spannungen und Stress in den Elternhäusern (Symbolbild).
Durch den Lockdown, Home Office und Homeschooling steigen nach Aussagen der Experten Spannungen und Stress in den Elternhäusern (Symbolbild).  © dpa/Rolf Vennenbernd

Laut dem hessischen Sozialministerium zeichnen schon jetzt erste Studien ein Bild, das bei Kindern und Jugendlichen Anzeichen für Zukunftsängste, psychische Auffälligkeiten wie Hyperaktivität, emotionale Schwierigkeiten oder Verhaltensprobleme zeigt.

Auch Psychologen, Kinderschutzbund und Jugendämter befürchten Langzeitfolgen. "Es wird dauerhaft Folgen geben, in wirtschaftlicher Hinsicht durch mangelhafte Ausbildung und auch psychologisch", sagte die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes in Hessen, Olivia Rebensburg.

In Kinder- und Jugendpsychiatrien in Hessen sind die Folgen der Corona-Krise bereits deutlich spürbar. Dort werden unter anderem viele junge Patienten behandelt, die mit Schulängsten, -unlust und Trennungsängsten kämpfen.

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Zunächst könne für solche Kinder das Homeschooling zwar eine scheinbare Entlastung bedeuten, weil sie für die Schule zurzeit nicht mehr ihr Zuhause verlassen müssten, sagt der Kinderpsychiater und stellvertretende Direktor der Vitos Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit Herborn, Christoph Andreis.

Dritter Lockdown? "Die Langzeitfolgen werden dann zum entscheidenden Thema"

"Im Moment ist Resignation zu spüren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das keine Auswirkungen hat", sagte die Leiterin Beratungsstelle Eltern, Kinder und Jugendliche (Symbolbild).
"Im Moment ist Resignation zu spüren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das keine Auswirkungen hat", sagte die Leiterin Beratungsstelle Eltern, Kinder und Jugendliche (Symbolbild).  © dpa/Ingo Wagner

Oft sei das aber nur eine "Pseudolösung", weil das eigentliche Problem fortbestehe und nur auf später verschoben werde, wenn wieder Schulbesuch, Zusammenkünfte mit Gleichaltrigen und Klassenkameraden, Praktika oder vielleicht auch Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz oder ähnliche soziale Anforderungen anstünden.

Hinzu komme: Die entzerrende Wirkung der Schule auf das häusliche Umfeld falle durch den Lockdown derzeit weg. Dadurch steigen Spannungen und Stress in den Elternhäusern - zumal viele Eltern zu Hause gleichzeitig ihrer Arbeit im Homeoffice nachgehen und womöglich auch kleinere Kinder betreuen müssen.

"Es kommt viel häufiger zu Momenten, in denen Konflikte aufbrechen", sagt Andreis. Streits, Impulsdurchbrüche oder sogar häusliche Gewalt nähmen tendenziell zu.

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Bei den Beratungsstellen der Kommunen macht man teils unterschiedliche Erfahrungen, zum Beispiel bei den Anfragen für Beratungen. Sicher ist man sich aber, dass die Extremsituation an den Kindern nicht spurlos vorübergehen wird.

Die Jugendamtsleiterin des Kreises Offenbach, Sandra Hansmann sagt zu psychischen Belastungen: "Wir haben noch keine Erhöhung festgestellt. Das wird sich 2021 herauskristallisieren."

Der Sozialdezernent des Kreises, Carsten Müller, ist aber sicher: "Das wird irgendwann Folgen haben." Für den Fall eines dritten Lockdowns glaubt er: "Die Langzeitfolgen werden dann zum entscheidenden Thema."

Auch die Leiterin der Beratungsstelle Eltern, Kinder und Jugendliche in Ober-Ramstadt, Kordula Gruhn, sagt: "Im Moment ist Resignation zu spüren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das keine Auswirkungen hat."

Titelfoto: dpa/Rolf Vennenbernd

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