Inzidenz steigt kontinuierlich: Hier müssen Kommunen die Regeln verschärfen

Wiesbaden/Offenbach/Frankfurt - Seit fast einer Woche steigen die Werte der Sieben-Tage-Inzidenz in Hessen kontinuierlich. Nach mehr Freiheiten für die Menschen müssen einige Kommunen nun wieder die Reißleine ziehen und die Maßnahmen verschärfen.

In Frankfurt ist seit Donnerstag wieder ein negativer Testnachweis für die Innengastronomie notwendig
In Frankfurt ist seit Donnerstag wieder ein negativer Testnachweis für die Innengastronomie notwendig  © dpa/Sebastian Gollnow

In Hessen gelten seit Ende Juli deutlich entschärfte Corona-Regeln, wenn die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen, in den einzelnen Kommunen den Wert von 35 nicht übersteigt.

Seit Donnerstag liegen fünf Kommunen über dem Wert. In der Stadt Offenbach liegt er sogar über der 50-Marke.

Andere Kommunen nähern sich dem Wert 35. Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer sieht derzeit keine intensiven Bestrebungen der Politik, mit strengeren Regeln das Infektionsgeschehen einzudämmen (TAG24 berichtete).

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Im Main-Taunus-Kreis (45,3), in Wiesbaden (38,8), in Frankfurt (38,3) und im Landkreis Offenbach (35,7) lagen die Werte am Donnerstag über 35.

Damit fallen eigentlich die seit Juli gelockerten Regeln wie 750 statt 250 Menschen bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen oder im Freien 1500 statt 500 Teilnehmer, zuzüglich Geimpften und Genesenen. Das gleiche gilt für die Testpflicht in der Innengastronomie.

In Frankfurt gelten seit Donnerstag wieder strengere Regeln, Wiesbaden zieht am Samstag nach

Blick vom Opelbad über die Stadt: Auch in Wiesbaden gelten am Samstag wieder strengere Corona-Regeln.
Blick vom Opelbad über die Stadt: Auch in Wiesbaden gelten am Samstag wieder strengere Corona-Regeln.  © dpa/Sebastian Gollnow

Für die Stadt Offenbach mit einer Inzidenz von 55,3 müssten noch schärfere Regeln gelten. Denn ab einem Wert von 50 greifen weitere Einschränkungen, zum Beispiel in der Gastronomie, beim Einzelhandel, bei Veranstaltungen oder Kontaktbegrenzungen.

Nur zwei Tage nach der Einführung von Lockerungen greifen in Hessens größter Stadt Frankfurt seit Donnerstag wieder strengere Corona-Regeln.

Nun ist unter anderem ein negativer Testnachweis für die Innengastronomie notwendig, bei Veranstaltungen gilt eine herabgesetzte maximale Teilnehmerzahl. Um die Maßnahmen wieder zu lockern, muss die Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter 35 liegen.

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In der Landeshauptstadt Wiesbaden werden ab Samstag wegen einer Inzidenz über 35 strengere Regeln gelten. Die entsprechende Allgemeinverfügung werde am Freitag veröffentlicht und trete einen Tag darauf in Kraft, teilte die Stadt mit.

"Wir begrüßen es, dass das Präventions- und Eskalationskonzept einheitliche Vorgaben für die Corona-Regeln in ganz Hessen macht", erklärte Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (58, SPD). "Allerdings ist es für uns nur schwer nachvollziehbar, warum wir diese Vorgaben juristisch durch Allgemeinverfügungen auf kommunaler Ebene umsetzen müssen."

Stadt und Kreis Offenbach suchen nach Gründen für die steigenden Zahlen

Kommt wieder die Maskenpflicht im Hafengebiet von Offenbach? Noch sieht es nicht danach aus. Stadt und Kreis beraten aber über strengere Regeln.
Kommt wieder die Maskenpflicht im Hafengebiet von Offenbach? Noch sieht es nicht danach aus. Stadt und Kreis beraten aber über strengere Regeln.  © dpa/Andreas Arnold

Es wäre effektiver und schneller, wenn es – so wie bereits im Frühjahr – eine rechtsverbindliche Landesverordnung mit Regelungen für verschiedene Inzidenzstufen gäbe.

In der Stadt und dem Kreis Offenbach sollten am Donnerstag die Verantwortlichen zusammenkommen, um über mögliche Verschärfungen zu reden.

Beide Kommunen hatten zunächst noch nach den Gründen für die steigenden Zahlen gesucht, denn der Beschluss vom 19. Juli lässt den Kommunen einen Spielraum.

"Bei einem eng lokalisierten oder klar eingrenzbaren Infektionsgeschehen, zum Beispiel in einer Einrichtung, einem Betrieb oder in einer Kommune, kann das Beschränkungskonzept nur die betroffene Einrichtung oder Kommune umfassen", heißt es dort. "Wir schauen uns das ganz genau an", sagte eine Sprecherin des Kreises.

Der Main-Taunus-Kreis hatte am Mittwoch noch mitgeteilt, dass es zunächst keine weiteren kreisweiten Corona-Einschränkungen geben wird, obwohl die Inzidenz-Schwelle von 35 überschritten wurde.

Ausbruch in Senioreneinrichtung soll schuld an hohem Wert im Main-Taunus-Kreis sein

Die gestiegenen Zahlen seien unter anderem auf einen Ausbruch in einer Senioreneinrichtung in Hattersheim zurückzuführen. Deshalb seien vorerst keine weiteren kreisweiten Einschränkungen notwendig, hatte der Kreis erklärt.

Am Donnerstag sah die Lage dann anders aus, die Neuinfektionen seien nun weiter verbreitet, teilte eine Sprecherin mit. Über die verschärften Regeln werde beraten.

In der Hattersheimer Senioreneinrichtung seien insgesamt vier Pflegekräfte betroffen, von denen drei im Kreis lebten, sowie 14 Bewohner, die alle doppelt geimpft gewesen seien, teilte die Sprecherin mit.

In Hessen sind am Donnerstag innerhalb eines Tages 431 weitere Corona-Infektionen gemeldet worden. Die Inzidenz stieg landesweit auf 26,9. Eine Woche zuvor hatte der Wert noch bei 19,7 gelegen.

Update, 20.36 Uhr: Offenbach verschärft Corona-Regeln

Angesichts steigender Infektionszahlen verschärft auch die Stadt Offenbach ihre Corona-Regeln wieder. Von diesem Sonntag an gelte die sogenannte 3G-Regelung, teilte die Stadt am Donnerstag mit.

Demnach dürfen unter anderem nur noch Genesene, Geimpfte oder negativ getestete Personen die Innengastronomie oder Veranstaltungen in Innenräumen betreten.

Das gilt den Angaben zufolge auch für körpernahe Dienstleistungen, für Sport im Innenbereich, für Hotels und Pensionen sowie für Freizeit- und Kultureinrichtungen. Die Teilnehmerzahl für Veranstaltungen werde zudem auf 500 Personen im Freien und 100 Menschen in Innenräumen zuzüglich Geimpfte und Genesene begrenzt.

Am Donnerstag lag die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen je 100.000 Einwohner in Offenbach bei 55,3 und damit wieder über der 50er-Marke.

Nach einer ersten Analyse der Infektionsschwerpunkte stammten 34 Prozent der Fälle von Reiserückkehrern, 25 Prozent aus dem privaten Umfeld und 20 Prozent aus dem Arbeitsumfeld.

"So sehr es richtig ist, nicht alleine auf die Inzidenz zu gucken: Die Pandemie ist leider nicht vorbei", erklärte Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (42, SPD). "Deshalb reagieren wir jetzt frühzeitig und zur Situation passend."

Zugleich rief er dazu auf, sich impfen zu lassen. Je mehr Menschen dies täten, umso größer sei die Chance, die Rückkehr von Inzidenzen im hohen dreistelligen Bereich mit dann auch wieder mehr Krankenhausfällen in den nächsten Monaten zu verhindern.

Titelfoto: dpa/Sebastian Gollnow

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