Corona-Ausbruch bei Blohm+Voss: Gewerkschaft hat fiesen Verdacht

Hamburg – Hat sich das Coronavirus nicht auf dem Werksgelände von Blohm+Voss ausgebreitet, sondern in den Unterkünften von Werkarbeitern?

Bei der Hamburger Werft sind zahlreiche Mitarbeiter am Coronavirus erkrankt.
Bei der Hamburger Werft sind zahlreiche Mitarbeiter am Coronavirus erkrankt.  © Marcus Brandt/dpa

Der Corona-Ausbruch bei der Werft Blohm+Voss könnte nach Einschätzung der IG Metall möglicherweise mit unzureichenden Wohnbedingungen von osteuropäischen Arbeitern zusammenhängen. 

Nach Informationen der Gewerkschaft seien unter den positiv Getesteten auf der Werft kaum Mitglieder der Stammbelegschaft zu finden, sagte Emanuel Glass, Geschäftsführer IG Metall Region Hamburg, der Deutschen Presse-Agentur. 

Infiziert seien dagegen zahlreiche Arbeiter von Subunternehmen, die mit Werkverträgen auf dem Gelände arbeiten.

"Sollten sich diese Hinweise bestätigen, so ist Blohm+Voss in der Pflicht, sich um die Hygienebedingungen der Arbeiter bei Subunternehmen zu kümmern", sagte Glass. Die IG Metall kritisiere seit langem den Einsatz von Leiharbeitern und Werkverträgen auf den deutschen Werften. 

Die Unternehmen vergeben je nach Arbeitsanfall Werkverträge an Subunternehmen für einfachere Arbeiten auf den Werften, zum Beispiel bestimmte Schweißarbeiten oder an Maler und Lackierer. 

Ähnlich wie in der Fleischwirtschaft kommen die Arbeiter oft aus Rumänien, Bulgarien oder anderen osteuropäischen Ländern.

55 positive Corona-Tests bei Blohm+Voss

Ein großes Banner mit dem Hinweis auf ein Informationsportal zur Corona-Pandemie hängt am Schwimmdock 11 der Hamburger Werft Blohm+Voss.
Ein großes Banner mit dem Hinweis auf ein Informationsportal zur Corona-Pandemie hängt am Schwimmdock 11 der Hamburger Werft Blohm+Voss.  © Christian Charisius/dpa

Bei Blohm+Voss wurden in der vergangenen Woche sechs und am Montag weitere 49 Personen positiv auf das Coronavirus getestet, insgesamt also 55 bei rund 1000 Tests. 

Getestet wurden nicht nur die eigene Belegschaft, sondern auch die Mitarbeiter von Fremdfirmen, die auf dem Werksgelände im Hamburger Hafen tätig sind.

Alle getesteten Personen wurden nach Hause geschickt, bis ein Testergebnis vorliegt. Die Arbeit auf dem Werftgelände ist vorübergehend zum Erliegen gekommen. Bei negativ Getesteten soll in der kommenden Woche ein zweiter Kontrolltest vorgenommen werden.

"Die uns vorliegenden Testergebnisse zeigen nicht den Ursprung der Infektion", sagte eine Sprecherin. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise habe Blohm+Voss schon vor einigen Monaten zahlreiche Präventionsmaßnahmen umgesetzt. 

"Neben diversen Hygienemaßnahmen haben wir beispielsweise auch zeitversetztes Arbeiten in der Fertigung sowie rollierendes, mobiles Arbeiten für diverse Bürofunktionen eingeführt." 

Die Maßnahmen folgten sowohl den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts als auch den Vorgaben der Gesundheitsämter und gingen teilweise über diese hinaus.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

Mehr zum Thema Coronavirus:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0