Impf-Skeptiker schlucken Pferdewurm-Mittel gegen Corona: Frau landet auf Intensivstation

Österreich - In Österreich geht das Medikament Ivermectin derzeit weg wie warme Semmeln. Angeblich soll das Anti-Parasiten-Mittel gegen Corona helfen, doch Ärzte warnen vor gefährlichen Nebenwirkungen.

Auch in Bolivien wurde Ivermectin zwischenzeitlich zum Corona-Hoffnungsträger und verkaufte sich in großer Stückzahl.
Auch in Bolivien wurde Ivermectin zwischenzeitlich zum Corona-Hoffnungsträger und verkaufte sich in großer Stückzahl.  © Rodrigo Urzagasti/dpa

Besonders in Impfskeptiker-Kreisen erfreuen sich die Anti-Wurm-Tabletten großer Beliebtheit, vielerorts ist die Arznei sogar ausverkauft.

Eigentlich wird Ivermectin in der Tiermedizin eingesetzt und dient dort größeren Säugern wie Pferden, Rindern, Schafen oder Schweinen zur Entwurmung.

Beim Menschen ist es zur Anwendung gegen Krätzmilben, Zwergfadenwürmern, tropischen Fadenwürmern und Kupferakne zugelassen.

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In Chatgruppen und den sozialen Medien wird es zur Vorbeugung und Behandlung gegen Corona empfohlen, doch wissenschaftlich lässt sich das nicht belegen, im Gegenteil.

Das Robert-Koch-Institut und die Weltgesundheitsorganisation WHO warnen vor dem Einsatz von Ivermectin gegen SARS-CoV-2, die Uniklinik Würzburg sprach dem Medikament nach Durchführung einer Studie sogar jegliche Wirksamkeit im Zusammenhang mit Corona ab.

Am Mittwoch schloss sich auch der Hersteller MSD (Merck Sharp & Dohme Ges.m.b.H.) an und veröffentlichte ein Statement. Das Unternehmen spricht sich "im Einklang mit den gängigen medizinischen Empfehlungen klar gegen die Einnahme von Ivermectin (Stromectol) bei Covid-19" aus.

Mehr noch: Bei Überdosierung kann die Arznei toxisch wirken und zu schlimmen Nebenwirkungen führen.

Eine Österreicherin soll deshalb sogar mit einer Ivermectin-Vergiftung auf der Intensivstation gelandet sein, wie der Standard berichtete.

Die Gesundheitsbehörde FDA warnt vor der Einnahme von Ivermectin bei einer Corona-Erkrankung

FPÖ-Chef Kickl empfiehlt Ivermectin als Alternative zum Impfen

FPÖ-Politiker Herbert Kickl (53) setzte sich für Ivermectin als Alternative zum Impfen ein. Mittlerweile ist er selbst an SARS-CoV-2 erkrankt.
FPÖ-Politiker Herbert Kickl (53) setzte sich für Ivermectin als Alternative zum Impfen ein. Mittlerweile ist er selbst an SARS-CoV-2 erkrankt.  © Hans Punz/APA/dpa

Der Chef der Oberösterreichischen Apothekerkammer Thomas Veitschegger erklärte gegenüber dem Portal OÖ Nachrichten, dass viele Menschen die Wurm-Tablette falsch gebrauchen. Es habe auch andere Vergiftungsfälle gegeben.

Uninformierte Konsumenten nehmen zum Teil eine weitaus höhere Dosis, die eigentlich für Pferde gedacht ist. So kann es zu schlimmen Vergiftungen kommen.

Außerdem erzeugt der vermehrte Verkauf von Ivermectin Lieferengpässe, was die tatsächliche Behandlung parasitärer Krankheiten behindert.

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Ein Grund für den Hype des Mittels könnte FPÖ-Chef Herbert Kickl (53, FPÖ) sein. Der mittlerweile positiv auf das Coronavirus getestete Politiker propagierte das Medikament als "Plan B" gegen die Pandemie.

Der 53-Jährige lehnte die Maßnahmen der österreichischen Regierung ab. Aus seiner Sicht sollen statt Impfungen Ivermectin und Paracetamol zur Behandlung gegen Covid-19 eingesetzt werden.

Damit stellte er sich klar gegen die medizinische Lehrmeinung und musste deutliche Kritik von Ärzten und Politikern hinnehmen.

In den Vereinigten Staaten warnt die Gesundheitsbehörde vor Ivermectin

Nicht nur in Österreich ist die Nachfrage groß. Laut den Gesundheitsbehörden wird die Parasiten-Arznei darüber hinaus in den USA immer beliebter.

Auch dort wurden Patienten nach falscher Einnahme mit Vergiftungen, Zitteranfällen und Halluzinationen ins Krankenhaus eingeliefert.

Die FDA warnte die amerikanische Bevölkerung deshalb bereits im August vor dem Tiermedikament.

"Ihr seid kein Pferd, ihr seid keine Kuh. Im Ernst jetzt, Leute. Hört auf damit."

Titelfoto: Rodrigo Urzagasti/dpa

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