Insiderin fordert unbürokratische Hilfen für Prostituierte in Corona-Krise

Stuttgart - Die Corona-Krise ist überall angekommen und reißt riesige Löcher in die Kassen vieler Unternehmer, Handwerker und Selbstständiger. Dabei trifft es die Schwachen der Gesellschaft besonders hart.

Alice Frohnert setzt sich für Sexarbeiterinnen ein.
Alice Frohnert setzt sich für Sexarbeiterinnen ein.  © Alice Frohnert

Die Schließung der Bordelle und die Untersagung der Prostitution war eine der ersten Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung des Coronavirus. Seit etwa einem Monat ruhen die Etablissements. 

Und damit ruht auch die Arbeit vieler Prostituierter. Alice Frohnert hat selbst 16 Jahre als Sexarbeiterin gearbeitet und kennt sich in der Branche aus. 

Sie weist darauf hin, dass es in der Krise viele Frauen besonders hart trifft und hat einen Lösungsvorschlag, um ihnen zu helfen. TAG24 hat sie per Telefon interviewt. 

"Durch das Virus ist die Situation für Sexarbeiterinnen sehr hart geworden, Millionen von Frauen bangen um ihre Existenzgrundlage", sagt Frohnert. 

Dabei spielt sie insbesondere auf die Frauen an, die nicht angemeldet sind. "Nur ein geringer Bruchteil hat den Hurenpass und bekommt Hilfsgelder", erklärt Frohnert, die sich seit Jahren für bessere Bedingungen, gegen die Diskriminierung und Kriminalisierung der Branche einsetzt. 

Der umgangssprachlich "Hurenpass" genannte Ausweis ist ein Dokument, dass die Sexarbeiterinnen bei sich führen sollen, um gegenüber Behörden zu zeigen, dass sie angemeldet sind. Damit stehen den Frauen auch Hilfsleistungen zu. 

Das Prostituiertenschutzgesetz gilt seit Juli 2017 und sollte dir Frauen vor Ausbeutung und Zwang schützen. "Für den Pass sei allerdings ein Wohnort in Deutschland erforderlich und viele Frauen kommen aus dem EU-Ausland" erklärt Frohnert. 

Soforthilfen kommen bei vielen nicht an

Viele Frauen würden trotz Verbot aus finanzieller Not weiterarbeiten.
Viele Frauen würden trotz Verbot aus finanzieller Not weiterarbeiten.  © Andreas Arnold/dpa

Die Soforthilfen des Staats kommen also bei einem großen Teil der Frauen gar nicht an." Viele Frauen werden weiterarbeiten, weil es anders nicht geht", sagt Frohnert. Sie gehen damit das Risiko einer Ansteckung ein. 

Das ist besonders fatal, denn viele von ihnen seien nicht krankenversichert. Im Fall einer Infektion mit dem Virus kommen auf die Frauen erhebliche Arztkosten zu. Doch nicht nur die Frauen selbst, sondern auch ihre Kunden sind dem Risiko einer Ansteckung ausgesetzt.

Viele Frauen werden die Mieten nicht mehr bezahlen können. Frohnert sieht weitere Risiken: "Aus finanzieller Not werden manche Frauen ohne Kondom und unter dem üblichen Preisniveau arbeiten, um Kunden zu halten".

Damit die Frauen an Hilfsgelder kommen hat Frohnert einen Vorschlag: Die Behörden sollten sich mit den Besitzern der Etablissements oder einem Verband für Prostituierte in Verbindung setzen und anonym Hilfsgelder an die Frauen ausbezahlen.

Den Frauen rät Frohnert das Risiko einer Ansteckung zu vermeiden: "Sexarbeiterinnen sollen sich lieber an die Vertreterorganisationen in ihrer Stadt wenden, die wissen meistens Rat und können das Schlimmste verhindern, vor allem auch etwas finanziell helfen, sei es durch Spenden oder Schuldnerberatung."

"Die Prostituierten leisten für die Gesellschaft einen großen Dienst", sagt Frohnert. Sie würden dafür sorgen, dass viele Ehen weiter bestehen könnten und Menschen ihre Triebe ausleben können. Es sei ein Elend, wenn man die Frauen jetzt hängen lässt. 

Titelfoto: Alice Frohnert/ Andreas Arnold/dpa (Fotomontage)

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