Ist Merkel der Kompass verloren gegangen? Bevölkerung zunehmend unzufrieden

Berlin - Die Krisenkommunikation von Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) hat sich nach Ansicht eines Krisenforschers im Vergleich zum Beginn der Corona-Pandemie verschlechtert.

Krisenforscher Frank Roselieb warnt vor Vertrauensverlust in der Bevölkerung.
Krisenforscher Frank Roselieb warnt vor Vertrauensverlust in der Bevölkerung.  © picture alliance / dpa

Beim Auftritt in der ARD vergangene Woche habe die Kanzlerin "wie eine Schülerin beim 'Verhör' gewirkt, die beim Abschreiben erwischt wurde", sagte der Direktor des Instituts für Krisenforschung in Kiel, Frank Roselieb, der Deutschen Presse-Agentur.

Im Vergleich sei die "nahezu perfekt choreografierte" TV-Ansprache im vergangenen März "grandios" gewesen.

"Mittlerweile scheint der Kompass etwas verloren gegangen zu sein."

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Roselieb warnte vor Vertrauensverlust in der Bevölkerung, sollte es der Politik nicht gelingen, "ihre Entscheidungen im Krisenmanagement wieder nachvollziehbar und glaubwürdig zu gestalten."

Bevölkerung steht Bundesregierung skeptisch gegenüber

Gerade einmal 50 Prozent der Befragten bewerteten das Regierungshandeln als positiv.
Gerade einmal 50 Prozent der Befragten bewerteten das Regierungshandeln als positiv.  © Hannibal Hanschke/Reuters-Pool/dpa

Einzelne Aussagen Merkels - etwa, dass bei der Impfkampagne im Großen und Ganzen nichts schiefgelaufen sei - ließen die Menschen mit dem unguten Gefühl zurück, die Politik wolle aus vergangenen Fehlern nichts lernen.

Einer aktuellen YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zufolge ist die Unzufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung in der Corona-Pandemie gewachsen.

Nur noch 50 Prozent der Befragten bewerteten das Regierungshandeln eher positiv. Im Oktober waren es noch 57 Prozent, während der ersten Corona-Welle im April sogar 67 Prozent.

Titelfoto: Bildmontage: picture alliance / dpa & Hannibal Hanschke/Reuters-Pool/dpa

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