24-Jähriger erkrankt an Corona und bekommt noch viel schlimmere Diagnose

Japan - Keine guten Nachrichten aus dem fernen Osten: Wie der Fall eines jungen Mannes beweist, kann das Coronavirus wohl auch eine lebensgefährliche Hirnhautentzündung auslösen.

Bei einer genauen Untersuchung des Japaners konnte die schlimme Diagnose gestellt werden. (Symbolbild)
Bei einer genauen Untersuchung des Japaners konnte die schlimme Diagnose gestellt werden. (Symbolbild)  © Santiago Nunez Iniguez/123RF

Wie unter anderem die "Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V." berichtet, habe der 24-jährige Japaner zunächst an den typischen Corona-Symptomen gelitten.

Mit Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Fieber suchte er innerhalb von wenigen Tagen den Arzt auf. Der Mediziner vermutete zunächst eine Grippe und verschrieb dementsprechend nur leichte Medikamente.

Als der Japaner wenig später von seiner Familie bewusstlos aufgefunden wurde, wurde die Sache ernst. Er erleidet mehrere epileptische Anfälle, muss intubiert und beatmet werden. 

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Im Krankenhaus folgt wenig später die umfassende Diagnose: Der Japaner hatte eine ausgeprägte Nackensteifigkeit, was ein Hauptsymptom der Hirnhautentzündung darstellt.

Im Nasen-Rachen-Abstrich wird zunächst das Coronavirus nicht festgestellt - im Nervenwasser allerdings schon. 

Die Sache ist klar: Das Coronavirus kann offenbar auch eine lebensgefährliche Hirnhautentzündung auslösen, da die bereits bekannten Viren Sars und Mers in das zentrale Nervensystem beziehungsweise in das Gehirn eindringen können, das berichtet auch das "International Journal of Infectious Diseases".

"Wie nach den Erfahrungen bei Sars und Mers zu erwarten war, zeigt diese Kasuistik eindrucksvoll, dass das Nervensystem bei Covid-19-Erkrankungen befallen sein kann, und zwar auch bei sehr jungen Patienten“, berichtet Prof. Peter Berlit, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Covid-19 "kein rein pneumologisches Krankheitsbild"

Eine Expertin empfiehlt, bei neurologischer Symptomatik vorsichtshalber auf das Coronavirus testen zu lassen. (Symbolbild)
Eine Expertin empfiehlt, bei neurologischer Symptomatik vorsichtshalber auf das Coronavirus testen zu lassen. (Symbolbild)  © ambrozinio/123RF

Auffällig sei gewesen, dass das Coronavirus im Nasen-Rachen-Abstrich nicht festgestellt werden konnte. 

Berlit: "Das Besondere an diesem Fall ist, dass der Virusnachweis im Nervenwasser positiv war, aber nicht im Nasenrachenabstrich. Das weist darauf hin, dass das neuartige Coronavirus sich hier offensichtlich über den neuralen Infektionsweg ausgebreitet hat."

In früheren Tests konnte tierexperimentell der neurale Infektionsweg bei anderen Coronaviren bereits nachgewiesen werden. 

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Dabei wurden die Viren von Neuron zu Neuron über die Synapsen weitergegeben.

Auch eine Neurologin aus Mailand berichtete, dass einige Covid-19-Patienten in erster Linie neurologische Symptome aufwiesen.

Die Empfehlung: jeder Patient, der sich mit neurologischer Symptomatik vorstellt, sollte routinemäßig auf SARS-CoV2 getestet werden.

"Durch die neue Datenlage verdichten sich die Hinweise, dass Covid-19 kein rein pneumologisches Krankheitsbild ist", berichtet auch Berlit. "Auch bei neurologischen Leitsymptomen muss an den neuartigen Erreger gedacht werden."

Titelfoto: 123RF / Santiago Nunez Iniguez

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