Jetzt nimmt die EMA auch den Russen-Impfstoff "Sputnik V" unter die Lupe

Brüssel (Belgien) - Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bereitet die Entsendung von Experten nach Russland zur Inspektion von Produktionsstätten des Covid-Impfstoffs Sputnik V vor.

Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens macht eine Verpackung mit mehreren Dosen des Corona-Impfstoffs Sputnik V auf.
Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens macht eine Verpackung mit mehreren Dosen des Corona-Impfstoffs Sputnik V auf.  © dpa/Jesus Vargas

Das teilte EMA-Chefin Emer Cooke (59) am Dienstag bei einem virtuellen Treffen mit dem Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments mit. Auch Kliniken, in denen Sputnik V verwendet wird, sollen besucht werden. Nach russischen Angaben ist die EMA-Inspektion für Mitte April vorgesehen.

Die EMA hatte Anfang März ein Prüfverfahren für Sputnik V im Rahmen einer Rolling Review begonnen. Dabei werden Testergebnisse bereits geprüft, auch wenn noch nicht alle Daten vorliegen und noch kein Zulassungsantrag gestellt wurde.

Cooke machte keine Angaben, wann mit einer Zulassung von Sputnik V für die EU gerechnet werden könnte. Sie verwies darauf, dass neue Impfstoffe gründlich geprüft werden müssten und betonte ausdrücklich, dass für Sputnik V "dieselben Standards und Untersuchungen wie bei jeder anderen wissenschaftlichen Bewertung" angewandt werden.

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Zuvor hatte der Chef des staatlichen russischen Direktinvestmentfonds RDIF in einem Interview erklärt, dass mit einer raschen EU-Zulassung wohl nicht zu rechnen sei. "Wenn eine Zulassung kommt - voraussichtlich nach Juni - könnten wir innerhalb von drei, vier Monaten etwa 100 Millionen Dosen für 50 Millionen Menschen in der EU liefern", sagte Kirill Dmitrijew der Berliner Zeitung (Samstag). "Wir erwarten jetzt eine EMA-Delegation für Mitte April, und wir hoffen, dass die Entscheidung über Sputnik V eine rein wissenschaftliche sein wird und keine politische."

Der vom Gamaleja-Forschungszentrum in Moskau entwickelte Impfstoff hat nach Angaben von Experten eine Wirksamkeit von über 91 Prozent gegen das Coronavirus. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Schutz zwei Jahre hält.

Putin beim Impfen ungewöhnlich kamerascheu

Wladimir Putin (68), Präsident von Russland.
Wladimir Putin (68), Präsident von Russland.  © dpa/AP/Pool Sputnik Kremlin/Alexei Druzhinin

Der russische Präsident Wladimir Putin (68) will sich anders als viele andere Staatschefs nach Kremlangaben bei seiner für Dienstag angekündigten Impfung gegen das Coronavirus nicht filmen lassen. "Es gefällt ihm nicht", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Der Präsident sei nie Anhänger öffentlicher Impfungen gewesen und tue schon jetzt sehr viel für die "Propagierung" der russischen Vakzine. In Russland wunderten sich viele über den kamerascheuen Kremlchef, der schon mit nacktem Oberkörper beim Reiten und beim Arzt posierte. "Es bleibt nur, ihm aufs Wort zu glauben", sagte Peskow.

Für viele zögerliche Russen sollte die Impfung des Kremlchefs auch dazu führen, dass sie den im eigenen Land entwickelten Präparaten vertrauen. Es werde auch nicht bekannt gegeben, mit welchem der drei von russischen Forschern entwickelten Präparate sich der Präsident impfen lasse. "Alle drei Vakzine sind absolut zuverlässig", sagte Peskow.

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Putin hatte Sputnik V, das erste registrierte Präparat, als den besten Impfstoff der Welt bezeichnet.

Selbst Staatsmedien reagierten enttäuscht und meinten, dass Bilder mehr als Worte aussagten. Zuletzt hatte sich etwa Großbritanniens Premier Boris Johnson öffentlichkeitswirksam das Vakzin von AstraZeneca spritzen lassen.

Titelfoto: dpa/Jesus Vargas

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