Kanzlerin Merkel mahnt zu größter Vorsicht, selbst bei 50er Inzidenz

Berlin - Kanzlerin Angela Merkel (66, CDU) hat zu größter Vorsicht im Umgang mit der Corona-Pandemie selbst für den Fall gewarnt, dass wie angestrebt ein Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Menschen innerhalb einer Woche erreicht werden sollte.

Auf dem Marktplatz in Braunschweig gilt Maskenpflicht.
Auf dem Marktplatz in Braunschweig gilt Maskenpflicht.  © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Man solle "bitte nicht denken, dass, wenn wir bei 50 sind, das Leben des Sommers sofort wieder da ist. Dann sind wir sofort wieder im exponentiellen Wachstum", warnte Merkel am Mittwoch nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur von Teilnehmern in einer Video-Schaltkonferenz der Unionsfraktion im Bundestag.

Dort informierte sie die Abgeordneten über die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen vom Vorabend.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro
100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Mittwoch bei 123,5 - als Zielwert gelten 50.

Merkel sagte nach diesen Informationen, die Gesundheitsämter müssten ertüchtigt werden, bei den Infektionen wieder die Kontaktnachverfolgung zu schaffen.

Sie wurde mit den Worten zitiert: "Ansonsten kriegen wir keinen Spielraum für Öffnungen."

Bloß kein Jojo-Effekt bei Lockerungen und Einschränkungen

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU).
Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU).  © Fabrizio Bensch/Reuters/POOL/dpa

Wenn etwa in Nachbarländern bei einer Inzidenz von 100 oder 120 geöffnet worden sei, habe es dort zwei, drei Wochen gedauert, bis man wieder im exponentiellen Wachstum gewesen sei.

Dann gebe es wieder Beschränkungen, worauf die Infektionszahlen wieder sänken. Je nach Strenge des Lockdowns könne man beobachten, ob die Kurven etwas steiler oder weniger steil seien. Sie würden sich aber wiederholen.

Daher sei es Ansatz der Bundesregierung, darauf zu dringen, die Marke 50 zu schaffen oder darunter zu gehen, betonte Merkel nach diesen Informationen. Auch eine Inzidenz von 50 sei "noch ganz schön wackelig".

Mit ertüchtigten Gesundheitsämtern habe man dann aber "eine faire Chance, ein paar, aber sehr sequenzierte und gut durchdachte Lockerungen zu machen".

Für die Verbreitung des mutierten Coronavirus seien die Themen Homeoffice und Kontaktbeschränkungen von entscheidender Bedeutung, sagte die Kanzlerin.

Merkel sprach demnach von einer sehr ernsten Situation in einer ansonsten sehr hoffnungsfrohen Zeit, nachdem die Inzidenz nach Weihnachten gesunken sei und man einen Impfstoff habe. Nun müsse darauf geachtet werden, dass man in Deutschland ganz kurz vor der "Endstrecke der Pandemie" nicht nochmal einen großen Ausbruch des Virus bekomme.

Titelfoto: Fabrizio Bensch/Reuters/Pool/dpa / Hauke-Christian Dittrich/dpa

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