Kardiologe über Long-Covid bei Kindern: "Gefahr wird klar unterschätzt!"

Hamburg/Erfurt - Corona bei Kindern: Kaum ein Thema wurde in den vergangenen Wochen und Monaten so kontrovers diskutiert wie dieses. Doch wie sieht es wirklich aus? Sind die Berichte über Long-Covid bei Kindern harte Realität oder nur Panikmacherei? Darüber hat nun ein Arzt aus dem Uniklinikum Jena (UKJ) aufgeklärt.

Kinderkardiologe Daniel Vilser (r.) stellte sich am Freitagabend den Fragen von Ingo Zamperoni.
Kinderkardiologe Daniel Vilser (r.) stellte sich am Freitagabend den Fragen von Ingo Zamperoni.  © Screenshot/ARD Mediathek/Tagesthemen

In der Freitagabend-Ausgabe der Tagesthemen sprach Moderator Ingo Zamperoni (47) mit dem Kinderkardiologen Daniel Vilser über die Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung bei Kindern und die Schwierigkeiten bei der Behandlung.

Vilser ist am UKJ Leiter der ersten speziell auf Kinder ausgerichteten Long-Covid-Ambulanz und betonte zu Beginn des Gesprächs, dass es keine genauen Zahlen gebe, wie viele Kinder in Deutschland mit Long-Covid Folgen kämpfen.

Allerdings leiden in Großbritannien ungefähr 30.000 Kinder unter den Langzeitfolgen von Corona, wie aus Zahlen des nationalen Statistikinstituts hervorgeht. Anhand dieser Werte könne man davon ausgehen, "dass es in Deutschland nicht weniger Kinder seien", erklärte Vilser.

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Zamperoni wollte daraufhin wissen, ob die Corona-Gefahr für Kinder über- oder unterschätzt wird.

Vilser: "Aus meiner Sicht ganz klar unterschätzt." Laut dem Kinderkardiologen haben sich in den Köpfen der Menschen folgender Satz festgesetzt: "Kinder und Corona, das muss uns nicht interessieren."

Vilser: Corona-Fälle bei Kindern werden nicht abnehmen

Der Leiter der Long-Covid-Ambulanz am UKJ sprach über unter anderem über die Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung bei Kindern und gab einen Ausblick in die Zukunft.
Der Leiter der Long-Covid-Ambulanz am UKJ sprach über unter anderem über die Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung bei Kindern und gab einen Ausblick in die Zukunft.  © Screenshot/ARD Mediathek/Tagesthemen

Der Tagesthemen-Moderator fragte im Anschluss, ob Kinder andere Symptome aufweisen als Erwachsene.

"Nein, die Symptome sind relativ ähnlich", stellte der Long-Covid-Arzt klar. Viele Kinder würden demnach unter Kopf- und Bauchschmerzen leiden. Darüber hinaus seien sie nicht mehr so belastbar wie vor der Erkrankung und hätten Probleme sich zu konzentrieren, beim Lernen und beim Schlafen.

Im weiteren Verlauf des etwas mehr als fünf-minütigen Interviews gab der Kinderkardiologe noch einen Ausblick. Er rechnet nicht damit, dass die Zahl der Corona-Infektionen bei Kindern abnehmen wird.

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"Je mehr Kinder sich infizieren, desto mehr Langzeitfolgen wird es geben. Wenn Kinder nicht geimpft werden, nehmen die Long-Covid-Fälle nicht ab", so Vilsers Analyse.

Einer Corona-Infektion werden man laut seiner Einschätzung jedenfalls langfristig nicht aus dem Weg gehen können - außer man sei geimpft.

Beim Blick auf die Schulen prognostiziert er einen Anstieg der Infektionszahlen, gerade unter Schülern. Deshalb gilt es sich gut vorzubereiten, damit der Präsenzunterricht aufrechterhalten werden kann. "Wir dürfen uns nicht so überraschen lassen wie im vergangenen Jahr."

Titelfoto: Screenshot/ARD Mediathek/Tagesthemen

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