Corona-Einsätze: So verändert das Virus den Polizei-Alltag

Karlsruhe - Polizisten haben es oft mit schwierigen Situationen zu tun. Das ist die Natur ihres Geschäfts.

Polizist Gerald Lopp.
Polizist Gerald Lopp.  © Uli Deck/dpa

Die Coronavirus-Pandemie mit der Einschränkung des öffentlichen Lebens bringt aber auch für die uniformierten Frauen und Männer neue Unsicherheiten mit sich.

"Der Druck ist gewachsen zum normalen Dienstgeschehen vor Corona", sagt Gerald Lopp, der als Erster Kriminalhauptkommissar eine Dienstgruppe im Innenstadtrevier am Karlsruher Marktplatz leitet. 

"Wir wollen alle gesund nach Hause kommen, niemand möchte das Virus nach Hause schleppen", sagt der 56-Jährige. Die Gefahr ist nicht zu sehen, zu hören oder zu riechen. Aber sie ist da.

"Der Polizeiberuf ist ein Kontaktberuf", sagt Lopp. Auf Eigenschutz seien die Beamten dabei immer bedacht, nicht nur im Umgang mit Drogensüchtigen und Obdachlosen. Sei es, um auf überraschende Angriffe reagieren zu können, sei es, um sich vor Infektionen mit Krankheiten wie Hepatitis zu schützen. 

Jetzt müssten alle Polizisten noch mal ein Pfund drauflegen. "Wir sind relativ gut vorbereitet. Wir sollen Nähe zeigen, aber professionelle Distanz wahren", sagt der Chef der Dienstgruppe.

Aber wie weit kann der Eigenschutz in Corona-Zeiten gehen? "Wie sollen wir kommunizieren, wenn wir schon Schutzanzug und Maske anhaben?" Das schrecke ab und stempele das Gegenüber als möglichen Virusträger ab.

Das hat sich bei der Polizei geändert

Stuttgart, 19. März: Polizisten sprechen mit einem jungen Mann in einer Parkanlage.
Stuttgart, 19. März: Polizisten sprechen mit einem jungen Mann in einer Parkanlage.  © Sebastian Gollnow/dpa

"Schutzanzüge werden angelegt, wenn wir einen Verdacht haben", sagt Lopp. "Die Kollegen müssen lernen, mit der leichten Übertragbarkeit von Covid-19 umzugehen."

Auch polizeiintern habe man das Verhalten angepasst. Händeschütteln gibt es nicht mehr, bei Besprechungen ist nur jeder zweite Stuhl besetzt, in den Dienstwagen werden Lenkrad und Konsole desinfiziert, Handschuhe, Schutzanzug und Mundschutz sind immer an Bord. Noch gibt es bei der Ausrüstung keinen Engpass.

Er gehe jetzt mit anderen Gedanken in die Dienststelle als vor der Coronavirus-Pandemie, sagt Lopp, der 2017 in die Wache zurückgekehrt ist, in der er 1985 als junger Polizist angefangen hatte. 

Früher seien es die Aufgaben des Tages gewesen, die Frage, wo man einen Schwerpunkt setzen könne. Heute seien die ersten Gedanken: "Bin ich gesund, geht es den Kollegen gut?"

Über Gefühle sprechen die meisten Polizisten nicht gerne, weiß der Beamte, der Erfahrungen bei der Kripo, im Landeskriminalamt und bei der Stabsarbeit gesammelt hat. "Ich lege aber Wert darauf, dass wir darüber sprechen." Manchmal sei es hilfreich, einen Kontakt zur psychosozialen Betreuungsstelle der Polizei herzustellen.

Die Karlsruher Polizeipräsidentin Caren Denner sagt, "wir alle müssen aktuell mit einer Situation umgehen, die wir so noch nie erlebt haben". Der Staat sei gezwungen, zum Teil massiv in die Gestaltung des täglichen Lebens der Bürger einzugreifen. Das treffe auch die Polizeibeamten.

"Trotz der ganz persönlichen Ängste und Sorgen, die auch wir haben, müssen wir uns teilweise der Gefahr der Ansteckung bewusst aussetzen." Zum Polizeiberuf gehöre aber auch die Fähigkeit, mit persönlichen Ausnahmesituationen umzugehen und für die Menschen Vorbild zu sein. "Ich bin sehr dankbar und auch stolz auf das, was meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter derzeit leisten", sagt Denner.

Auch wenn Lopp einen Teil seiner Zeit mit administrativen Aufgaben verbringt, zieht es ihn immer wieder raus ins Revier. "Wenn Not am Mann ist, es die Zeit hergibt oder eine besondere Situation ist, gehe ich raus, um mir einen persönlichen Eindruck zu verschaffen."

Problem: Es wird warm und die Leute wollen raus

Mit Rotlichtviertel und Nachtleben bietet die Innenstadt eine typische Art von Kriminalität. (Symbolbild)
Mit Rotlichtviertel und Nachtleben bietet die Innenstadt eine typische Art von Kriminalität. (Symbolbild)  © Boris Roessler/dpa

Die Innenstadt bietet mit Rotlichtviertel und Nachtleben normalerweise eine ganz typische Art von Kriminalität, zu der auch Gewalt, Raub und Drogen gehören. 

"Wir erledigen die täglichen Dinge, vom Ladendiebstahl bis zum Verkehrsunfall" - so beschreibt der 56-Jährige die Arbeit der Streifenpolizisten.

Jetzt ist die Zeit für mehr Fußstreifen. Es geht darum, mit wohnsitzlosen Punkern auf dem Friedrichsplatz zu sprechen oder mit Trinkern auf dem Europaplatz. Ein gewisses Verständnis sei da, sagt Lopp. "Für Wohnsitzlose ist die Straße das Wohnzimmer und sind die Kumpel die Familie. Trotzdem müssen wir einschreiten."

Kein Verständnis hätten seine Kollegen aber für manche jungen Leute. "Sie sind teilweise aus gutem Haus und beratungsresistent, sie treffen sich zum Chillen."

Dann sei da noch der Fall eines Mannes, der entgegen der Anordnung immer wieder in ein Pflegeheim gehe, um seine Mutter zu besuchen. Sein Argument: Ihn interessiere die Rechtsverordnung überhaupt nicht. Wenn kein Reden mehr hilft, ist eine Anzeige nicht zu vermeiden.

Aus Lopps Sicht wird die Dauer der Einschränkungen die Belastbarkeit der Bevölkerung auf die Probe stellen. Langsam werde es warm, die Leute drängten nach draußen. "Das wird den Polizisten Mühe machen. Das wird unser Problem werden."

Die Diskussion über die Einschränkung der Grundrechte in dieser Situation hält der Beamte für verfehlt. "Wir sehen den harten Eingriff. Unser Revier liegt zwischen dem Platz der Grundrechte und der Verfassungssäule. Wir werden jeden Tag daran erinnert."

Aber er denke, dass auch die politisch Verantwortlichen das sehr gut wissen. Jetzt sei eine Krisenausnahmesituation, die harte Eingriffe erfordere, um Menschen zu schützen. "Mein Wunsch ist, dass die Bürger Vertrauen haben, dass die Polizei und die Verantwortlichen den Schutz der Grundrechte ganz hoch halten."

Titelfoto: Uli Deck/dpa

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