"Karwoche im Ernstfall": Bischöfe über Ostern ohne Gottesdienst

München - Bayerns Bischöfe haben sich betroffen und traurig darüber gezeigt, das höchste christliche Fest dieses Jahr nicht mit Gottesdiensten feiern zu können. 

Kardinal Reinhard Marx will nicht das Datum feiern, sondern die Wiederauferstehung.
Kardinal Reinhard Marx will nicht das Datum feiern, sondern die Wiederauferstehung.  © Andreas Arnold/dpa

 "Wir feiern heuer eine Karwoche im Ernstfall", sagte der ernannte Augsburger Bischof Bertram Meier. "Es geht nicht um liturgisch schöne Riten, auf die wir leider verzichten müssen; es ist wirklich Wüstenzeit – nicht nur für Gläubige, sondern auch für Diakone, Priester und Bischöfe." 

Doch aus der Wüste könne wieder etwas wachsen. "Wir lassen die Menschen nicht allein", sagte Meier und betonte: "Wir beugen uns auch nicht einem vermeintlichen Diktat der Behörden, sondern wir stützen die Maßnahmen, weil uns die körperliche Unversehrtheit ein hohes Anliegen ist."

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, betonte in einer Video-Botschaft: "Ostern bleibt Ostern, auch wenn die Umstände in diesem Jahr sehr schwierig sind." Denn es gehe nicht um das Datum. "An Ostern bekennen wir: Jesus ist auferstanden", sagte Marx. "Das ist unsere Überzeugung, und die kann uns auch die jetzige Krise nicht wegnehmen."

Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sprach von einer "Situation, die wir so noch nie hatten". Die sei schmerzlich. "Wir müssen damit rechnen, dass um Ostern herum die Zahl der Corona-Toten deutlich gestiegen sein wird. In dieser Situation deutlich zu machen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, das ist die Aufgabe unserer Osterpredigten."

"Ostern fällt nicht aus", betonte auch der Würzburger Bischof Franz Jung. Es sei nun Aufgabe der Kirche, die Botschaft Jesu mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verkünden - "auch über die digitalen Medien". 

Das Verständnis für das Verbot ist da

Gottesdienste können derzeit im Internet und im Fernsehen verfolgt werden. (Archiv)
Gottesdienste können derzeit im Internet und im Fernsehen verfolgt werden. (Archiv)  © Sebastian Gollnow/dpa

"Es ist sehr erfreulich zu sehen, wie viele Menschen die neuen Kommunikationswege nutzen, um in diesen bewegten Tagen an den kirchlichen Gottesdiensten teilzunehmen", sagte Jung. 

"So vergewissern sie sich ihrerseits, dass Ostern auch für sie persönlich stattfindet und ihnen der Sieg des Lebens über den Tod zugesagt wird. Ostern fällt niemals aus."

Gerade in einer Zeit der Not wolle die Kirche den Menschen eigentlich nahe sein, um Trost zu spenden, sagte der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. Darum werden Gottesdienste auch in seinem Bistum live übertragen. 

"Auch wenn es schmerzt, die Feier der Eucharistie als das kostbare Vermächtnis des Herrn gerade nicht mehr öffentlich im pfarrlichen Leben begehen zu können, übernehmen wir mit dieser Maßnahme Verantwortung, um die Gläubigen vor einer Ansteckung zu schützen", betonte er.

Das Verbot sei notwendig, sagte auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. "Als Christen tragen wir das mit." Dennoch schmerze es ihn, dass zum höchsten christlichen Fest keine öffentlichen Gottesdienste abgehalten werden. "Wenn kein gemeinsamer Gottesdienst an Ostern gefeiert werden kann ist das für Gläubige – auch für mich – sehr traurig und wir leiden darunter."

"So was gab es - glaube ich - noch nie", sagte der Passauer Bischof Stefan Oster. "Für mich und viele andere ist es ein äußerst schmerzlicher Einschnitt."

Der Sprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche", Christian Weisner, hält "das historische Verbot öffentlicher Gottesdienste für schmerzhaft, aber für sehr richtig". Die Krise erfordere Solidarität - und das bedeute in diesen Zeiten, räumlich Abstand zu halten. "Diese Ankündigung hat mir erst klar gemacht, wie ernst die Lage ist."

Titelfoto: Andreas Arnold/dpa

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