Kassel durch Flüchtlingsheim mit höchstem Corona-Wert in Hessen

Kassel - Ein Corona-Ausbruch in einer Einrichtung für Flüchtlinge hat Kassel über Nacht in die höchste Infektionswarnstufe des Landes Hessen katapultiert.

301 Bewohner der Flüchtlingsunterkunft stehen unter Quarantäne (Symbolfoto).
301 Bewohner der Flüchtlingsunterkunft stehen unter Quarantäne (Symbolfoto).  © Kay Nietfeld/dpa

In der nordhessischen Stadt erhöhte sich am Mittwoch die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen auf 94,2, wie ein Sprecher mitteilte. 

Sie ist damit die Region mit der höchsten Inzidenz in Hessen. Am Vortag hatte der Wert noch bei 33,7 gelegen. 

Die fünfte Warnstufe des Präventions- und Eskalationskonzeptes des Landes greift ab 75. Die Stadt kündigte weitere Beschränkungen des öffentlichen Lebens an.

Hauptursache für den Anstieg ist laut Stadt ein Corona-Ausbruch in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Stadtteil Niederzwehren. 

Seit Freitag stehen dort 301 Bewohner unter Quarantäne. Nach bisher vorliegenden Ergebnissen aus Laboruntersuchungen seien mindestens 111 Personen mit Covid-19 infiziert.

Ohne Berücksichtigung dieses Ausbruchs liege die Inzidenz in Kassel bei 42,1.

Konsequenzen werden gezogen

"Bei dieser Lage in der Erstaufnahmeeinrichtung handelt es sich um ein besonderes Ausbruchsgeschehen, auf das wir mit der umgehenden Quarantäneanordnung bereits reagiert haben", sagte Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD). 

Als erste Konsequenz fänden größere Veranstaltungen mit mehr als 250 Teilnehmern zunächst nicht statt. So werde eine Waffenbörse abgesagt. Sportveranstaltungen wie die Heimspiele des KSV Hessen Kassel und der MT Melsungen finden ohne Zuschauer statt. Ab Donnerstag seien private Feiern mit mehr als 25 Personen untersagt. Für Feiern in privaten Räumen, insbesondere in Wohnungen, werde eine Höchstteilnehmerzahl von 10 Personen dringend empfohlen.

Kassel ist die fünfte Region in Hessen, die die als kritisch geltende Inzidenz von 50 überschreitet. Aktuell liegen auch die Städte Frankfurt (70,9) und Offenbach (86,7) sowie die Kreise Groß-Gerau (61,6)und Main-Taunus (53,6) über dem Wert. Ab einem Wert von 75 greift die fünfte Warnstufe des Präventions- und Eskalationskonzeptes. 

Dann übernimmt der Planungsstab des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration die Steuerung der medizinischen Lage.

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa

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