"Es ist fünf nach zwölf": Einzelhandel mit "Brandbrief" an Angela Merkel

Kiel/Berlin – Der Einzelhandel hat in Briefen an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) vor einer Pleitewelle in der Branche gewarnt und schnellere, unbürokratische Corona-Hilfen des Staates gefordert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt mit Mund-Nasen-Maske zur Kabinettssitzung im Bundeskanzleramt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt mit Mund-Nasen-Maske zur Kabinettssitzung im Bundeskanzleramt.  © John Macdougall/POOl AFP/dpa

"Der Bundesfinanzminister kündigt vollmundig und ohne Unterlass Milliarden Staatshilfen an - ohne Wirkung für den Einzelhandel!", heißt es in dem Schreiben des Handelsverbandes Deutschland mit Datum vom 7. Januar.

"Eindringlich bitten wir Sie darauf hinzuwirken, dass Vizekanzler Scholz für die Bundesregierung das Wort einlöst und die Finanzhilfen unkompliziert, schnell und auch tatsächlich im Handel ankommen."

Im Brief an Scholz vom Vortag heißt es: "Wir haben Sie und die Bundesregierung schon mehrfach auf die desaströse Lage des Einzelhandels im Lockdown aufmerksam gemacht und um
kurzfristige notwendige Nachbesserung bei den Wirtschaftshilfen gebeten. Dies scheint alles ungehört zu verklingen und uns wird zugetragen, dass Sie geradezu auf der "Bremse" stehen."

Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Nord, Dierk Bökenholt, und Vertreter von Einzelhandelsgeschäften in ganz Norddeutschland schilderten am Freitag bei einer Online-Pressekonferenz die Situation als "dramatisch". "Es ist fünf nach zwölf", sagte Bökenholt. 2020 habe der Einzelhandel 36 Milliarden Euro Umsatzverluste erlitten. Wenn nicht tatsächlich im Februar Gelder fließen, "gehen bei vielen die Lichter aus".

Bis Ende Dezember seien nur 90 Millionen Euro Staatshilfen gezahlt worden. "Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein." Scholz habe elf Milliarden Euro für den Einzelhandel in Aussicht gestellt. Die Hürden seien aber so hoch, dass viele Einzelhändler diese Hilfe gar nicht beantragen könnten.

Titelfoto: John Macdougall/POOl AFP/dpa

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